Korschenbroich: Schulen verbieten Handynutzung

Korschenbroich : Schulen verbieten Handynutzung

Internetfähige Smartphones sind Lehrern ein Dorn im Auge. Die Gefahr für sogenanntes "Cybermobbing" ist groß.

Martina Bartels-Walther wählt deutliche Worte, wenn sie über Handys an ihrer Schule spricht. "Wir wollen sie nicht sehen, nicht hören und nicht riechen", sagt die Schulleiterin der Realschule in Kleinenbroich. Allen voran Smartphones, die heutzutage fast jeder Schüler ab der 5. Klasse besitzt und mit denen - bei entsprechendem Vertrag - jederzeit eine Verbindung ins Internet möglich ist, sind vielen Lehrern ein Dorn im Auge.

Sie lenken Schüler nicht nur im Unterricht durch das Verschicken privater Nachrichten ab, sondern fördern auch ein ganz anderes Phänomen: sogenanntes Cyber-Mobbing. Die Ausgrenzung bestimmter Schüler wird durch organisierte Gruppen im Nachrichtendienst Whatsapp oder im sozialen Netzwerk Facebook teils noch verstärkt.

An der Realschule hat sich das Kollegium daher für strenge Regeln entschieden: Die Handys dürfen zwar mitgenommen und im Notfall auch benutzt werden, grundsätzlich sollen sie aber ausgeschaltet und unsichtbar in der Tasche bleiben. Schüler, die gegen die Regeln verstoßen, müssen ihr Handy abgeben.

"Wollen sie das Gerät nicht abgeben, bekommen sie einen Eintrag ins Klassenbuch", berichtet die Schulleiterin. Die gleichen Regeln gelten auch an der Hauptschule Kleinenbroich. "Das Einschalten der Handys ist während der gesamten Schulzeit - auch in den Pausen - verboten", sagt Schulleiter Dieter Roland.

Am Gymnasium in Korschenbroich sind die Regeln etwas lockerer. Bisher dürfen die Schüler ihre Handys zumindest in den Pausen nutzen. Das sieht Schulleiter Uwe Roschek jedoch kritisch. "Die Schüler sind kaum raus aus dem Unterricht, da geht die mediale Beschallung wieder los." Deshalb sollen die Regeln ab dem kommenden Halbjahr verschärft werden. Dann gilt: Handynutzung nur noch außerhalb des Schulgebäudes.

Nur den Oberstufenschülern soll es in Zukunft noch erlaubt sein, in ihrem eigens eingerichteten Pausenraum ihre Handys zu nutzen. "Die Schüler sind natürlich ,not amused' über diese neue Regelung", weiß Roschek. Sie diene aber auch dazu, dass sich die Schüler - wenn sie schon ihr Handy in der Pause nutzen wollen - dabei wenigstens an der frischen Luft aufhalten.

Das Thema Mobbing geht das Gymnasium ebenfalls an - auf unterhaltsame Art und Weise. Die achten Klassen besuchen gemeinsam ein Theaterstück, in dem es neben der Kostenfalle Handy auch um das Thema Mobbing geht. Uwe Roschek will die Smartphones trotz allem nicht nur negativ sehen. "Unsere Schüler haben über eine App Zugriff auf den Vertretungsplan und verabreden sich auch zu Lerngruppen."

(NGZ)
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