S8 - von Mönchengladbach über Düsseldorf nach Hagen

Korschenbroich : Seit 30 Jahren rollt die S8 durch Korschenbroich – ein Tourbericht

Die S8 verbindet den Kreis mit der Region. Wer hier noch nie unterwegs ist, der lernt die Gegend kennen und ihre Menschen. Unser Autor ist die komplette Strecke mitgefahren.

Seit 30 Jahren gibt es die S-Bahnlinie 8 zwischen Mönchengladbach und Hagen. Viele tausend Menschen sind die Strecke viele tausend Male gefahren. Im Rahmen des „Reportertauschs“ bin ich aus Osnabrück nach Neuss gekommen – und bin die Tour von Mönchengladbach nach Hagen komplett mitgefahren. Los geht’s im Reisezentrum der Deutschen Bahn im Mönchengladbacher Hauptbahnhof. Der Mitarbeiter dort runzelt die Stirn. „Sie wollen wirklich mit der S-Bahn fahren?“, fragt er, nachdem ich das Ticket für die S8 gekauft und ihm gesagt habe, dass ich von Mönchengladbach nach Hagen möchte, also die gesamte Strecke. Es gibt schnellere Verbindungen, klar. Aber wenn schon, dann möchte ich von Anfang bis Ende und zurück mitfahren. Immerhin ist die S-Bahnlinie schon 30 Jahre alt.

Die Zeit ist vermutlich nicht schlecht gewählt, um einen guten Eindruck von der Strecke zu bekommen. An einem Mittwochvormittag rollt die S8 aus Hagen kommend in Mönchengladbach ein, und nur wenige Fahrgäste steigen noch aus. Ich steige ein und bis zur erneuten Abfahrt füllt sich der rote Zug nur unwesentlich. Morgens sieht das sicherlich anders aus, wenn Schüler und Menschen auf dem Weg zur Arbeit um die Plätze streiten.

Im Rahmen des „Reportertauschs“ des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger bin ich zur Neuß-Grevenbroicher Zeitung gekommen. Eigentlich arbeite ich bei der Neuen Osnabrücker Zeitung, im süd-westlichen Niedersachsen kennen wir uns mit S-Bahnen nicht so gut aus. Die Fahrt mit der S8 erinnert mich aber ohnehin eher an eine Regionalbahn, die an jeder „Milchkanne“ anhält. Finde ich gut, denn auch aus einem Zug kann man eine neue Region ja gut erkunden. Jedenfalls besser, als wenn man mit einem ICE nur durch rast.

Über Mönchengladbach-Lürrip, Korschenbroich, Kleinenbroich und Büttgen erreichen wir bald Neuss. Da ich dort schon zwei Tage verbracht habe, freue ich mich, einiges wiederzuerkennen, auch wenn die Haltestellen „Am Kaiser“ und „Rheinparkcenter“ sicher kein optisches Highlight sind. Aber das ist man ja vom Zugfahren gewohnt: Den Preis für einen besonders schönen Imagefilm könnte wohl keine Region in Deutschland mit Bildern, die aus einem Zug heraus aufgenommen wurden, gewinnen.

Darum geht es ja auch nicht auf meiner kleinen Tour. Während wir den Rhein Richtung Düsseldorf passieren, schaue ich mir meine Mitreisenden an. Mit ihnen ins Gespräch zu kommen, ist zunächst recht schwierig. Mindestens neun von zehn Fahrgästen – egal welchen Alters – beschäftigen sich ununterbrochen mit ihrem Smartphone. Verdenken kann ich es ihnen nicht, sie sind die Strecke im Gegensatz zu mir schließlich auch schon gefühlte tausendmal gefahren.

Hinter Düsseldorf verändert sich die Landschaft merklich. Spätestens ab Erkrath-Hochdahl beginnt das Bergische Land, und bald kommt schon der erste von sage und schreibe neun Wuppertaler Bahnhöfen. Die West-Ost-Ausdehnung der Stadt ist ebenso außergewöhnlich groß wie es die Nord-Süd-Ausdehnung nicht ist. In Wuppertal lerne ich Adam kennen. Er kommt ursprünglich aus Polen, ist schon lange in Deutschland und kennt die S8 von Beginn an. „Ich fahre jeden Tag, und jeden Tag ist irgendwas“, beklagt er sich, als die Bahn in Wuppertal-Langerfeld nicht weiterfährt, weil die Strecke kurz gesperrt wird. Auch wenn es ihn nervt, nimmt es der Ingenieur mit Humor: „Die Deutsche Bahn ist wie die deutsche Politik, immer Chaos“, lacht er, bevor er in Schwelm aussteigt.

S-Bahn S 8 Strecke Fahrplan. Foto: RP/VRR

Über Gevelsberg erreichen wir schließlich nach anderthalb Stunden recht entspannter Fahrt Hagen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich der einzige Fahrgast war, der die gesamte Strecke mitgefahren ist, die meisten bleiben nur für zwei, drei Stationen. Die Frage des Mitarbeiters im Reisezentrum in Mönchengladbach würde ich jedenfalls immer noch mit „Ja, klar“ beantworten.

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