Korschenbroich: Rehe fressen Grabschmuck

Korschenbroich: Rehe fressen Grabschmuck

Diebstahl oder ein hungriges Reh? Wie ein Rosenstrauß von einem frischen Grab auf dem Waldfriedhof verschwand, ist unklar. Sicher ist: Rehe fressen dort Grabschmuck kahl. Der Stadtpflegebetrieb sucht nach dem Wild.

25 Rosen hatte Inge Esser ihrem Mann Theo bei dessen Beerdigung in einer Vase aufs Grab gestellt. Ein Abschiedsstrauß für Essers Ruhestätte auf dem Waldfriedhof. Doch als die Witwe des 83-Jährigen gegen Mittag nach der Bestattung ans Grab zurückkehrte, war sie bestürzt: Die Vase war leer, der Strauß verschwunden — und das kaum mehr als zwei Stunden nach der Beerdigung. Ein gemeiner Diebstahl? Hat sich ein rücksichtsloser Friedhofsbesucher an dem Strauß auf dem frischen Grab bedient?

Kahle Stängel, verstreute Blätter

Gut möglich. Andererseits: "Von Diebstählen auf Friedhöfen hören wir nur selten. Das scheint in Korschenbroich nicht so verbreitet zu sein", sagt Georg Onkelbach, Leiter des für die Friedhöfe zuständigen Stadtpflegebetriebs. Probleme machen auf dem Waldfriedhof allerdings hungrige Rehe, die Pflanzen und Blumen von Gräbern fressen. Zurück bleiben meist nur kahle Stängel, verstreute Blätter, bis auf die Wurzeln abgefressene Pflanzen und ein paar Hufspuren.

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"Vor allem Tulpen, Rosen und Stiefmütterchen werden gefressen", sagt Katja Fragen-Hillers von der gleich gegenüber dem Friedhof liegenden Gärtnerei. Schmackhaft sind für das Wild nur die Köpfe der Blumen. Aber die offenbar besonders. "Wir haben mit Jägern über das Problem gesprochen, und die haben in der Nähe verstärkt Futter ausgelegt, um die Rehe vom Friedhof wegzulenken. Aber die Tiere haben das Futter verschmäht", sagt Onkelbach. An den Toren zum Friedhof bittet die Stadt auf Zetteln Besucher, die Türen nicht offen stehen zu lassen, damit keine Tiere hinein können. Lücken in der Zaunanlage, so Onkelbach, wurden inzwischen mit einem Elektroweidezaun geschlossen. Und heute soll eine Gruppe von Mitarbeitern den Friedhof absuchen. "Vielleicht haben sich die Rehe dort irgendwo versteckt. Dann wollen wir sie verscheuchen", sagt Onkelbach.

Katja Fragen-Hillers hat bisher einmal ein einzelnes Reh auf dem Friedhof gesichtet. Wie viele Tiere es sind, weiß niemand. Die Gärtnerei hat aber inzwischen ein Mittel gegen den Kahlfraß: "Wir sprühen die Pflanzen mit einer Mischung aus Buttermilch und Wasser ein. Der Geruch hält die Tiere ab."

Ob das Mittel an Theo Essers Grab genutzt hätte, ist schwer zu sagen. Gestern Nachmittag waren an der Grabstätte zwar Hufspuren zu sehen. Doch die waren kurz nach der Beerdigung noch nicht da, ist sich Inge Esser sicher. Und: Der Rosenstrauß ist komplett verschwunden, nicht ein Blatt oder Stängel blieb zurück.

(RP)