Polizei-Wachleiterin in Korschenbroich: "Jede Straftat ist eine zu viel"

Polizei-Wachleiterin aus Korschenbroich : „Jede Straftat ist eine zu viel“

Claudia Suthor leitet seit März die Polizeiwache Korschenbroich. Die ersten Monate boten viele positive Eindrücke – und auch Überraschungen.

Frau Suthor, in Gesprächen mit Korschenbroicher Bürgern fällt ab und an schon mal der Satz: „Hier ist die Welt noch in Ordnung.“ Kann das die Leiterin der Polizeiwache in der Stadt bestätigen?

Suthor Richtig ist, dass unsere Statistik derzeit sehr positiv ist, gleichwohl ist jede Straftat eine zuviel. Und wir arbeiten weiter daran, möglichst viele zu verhindern. Doch insgesamt hat sich der positive Eindruck, den ich bereits an den ersten Tagen erhalten habe, weiter verfestigt. Und die Zusammenarbeit mit der Kommune klappt hervorragend – auch bei den ersten größeren Einsätzen, die wir hatten.

Ihr erster großer Einsatz, der Karnevalsumzug im vergangenen März, verlief problemlos.

Suthor Und es ging mit dem City-Lauf weiter, dann kam der Tanz in den Mai und natürlich Unges Pengste. Das waren jetzt schon ein paar größere Veranstaltungen, bei denen ich auch selber vor Ort war. Und es hat immer alles reibungslos geklappt, sowohl die Vorbereitung mit der Stadt als auch die Einsätze selbst. Es hat Spaß gemacht. Darüber hinaus habe ich ein sehr gut funktionierendes Team übernommen.

Helfen gerade solche größeren Veranstaltungen, um das Gefühl dafür zu bekommen, wie eine Stadt tickt?

Suthor Absolut. Da hat man erste Berührungspunkte, man muss im Vorfeld viele Gespräche führen und auch einmal Kompromisse eingehen.

Sie haben bereits in einigen anderen Kommunen des Rhein-Kreises gearbeitet. Was macht nun Korschenbroich speziell aus?

Suthor Der Umgang der Bürger ist in Korschenbroich sehr wertschätzend, das habe ich auch anders kennengelernt. Hier wird einem schon noch mehr Respekt entgegengebracht. Natürlich ist man nie der beste Freund, wenn man jemanden anhält und einen Verkehrsverstoß ahndet. Aber es ist mir tatsächlich schon passiert, dass sich ein Verkehrsteilnehmer dafür bedankt hat, nachdem ich ein Verwarngeld erhoben hatte. Da war ich sprachlos.

Im März durften Sie im Hauptausschuss über die rückläufigen Zahlen bei den Straftaten berichten. Bestätigt sich im ersten Halbjahr 2019 dieser Trend?

Suthor Im Moment ist das der Fall, sowohl im Verkehrs- als auch im Kriminalitätssektor ist die Entwicklung weiter positiv.

Wo haben Sie in Ihrer Arbeit mit eigenen Akzenten angesetzt, wenn die Ausgangslage insgesamt ziemlich gut ist?

Suthor Vor allem sind wir bemüht, diesen Stand zu halten, denn wir haben ja weiterhin Straftaten und Verkehrsunfälle. Und damit der Trend so positiv bleibt, wollen wir möglichst oft verhindern, dass es überhaupt zu einem Vorfall kommt. Ein Beispiel sind die Beratungen zum Thema Wohnungseinbruch, die wir im Juli jeden Montag von 9 bis 12 und von 13 bis 15.30 Uhr in Neuss anbieten.

Auch bei den Wohnungseinbrüchen waren die Zahlen in Korschenbroich zuletzt rückläufig, allerdings entstehen gerade neue, große Wohngebiete. Ergibt sich da für die Polizei ein zusätzliches Problemfeld?

Suthor Im Moment noch nicht, aber es kann vielleicht eine Herausforderung werden. Deswegen ist es mit Sicherheit sehr hilfreich, sich zum Thema Einbruchsschutz schon beraten zu lassen, bevor man baut. Gerade der Wohnungseinbruch ist eine Straftat, die den Bürger sehr mitnimmt. Das Eindringen in die eigenen vier Wände, diesen intimen Bereich, ist für den Betroffenen schon sehr belastend.

Gibt es noch andere Problembereiche, auf die Sie in den ersten Monaten verstärkt ein Auge geworfen haben?

Suthor Wir haben immer mal kleinere, aktuelle Themen, die wir dann aber auch zeitnah angehen. Zum Beispiel haben wir uns beschäftigt mit dem Thema Eltern-Taxis, die morgens für Rückstaus auf den Straßen gesorgt haben. In dem Fall haben wir eine Schulwegkommission gegründet, die unser örtlicher Bezirksdienstbeamter begleitet hat, um die Situation vor Ort zu prüfen und notfalls tätig zu werden.

Sie haben den Bereich Prävention bereits angesprochen. Welchen Wert hat dieser Teil Ihrer Arbeit?

Suthor Er ist immens wichtig. Wir führen beispielsweise sporadische Kontrollen durch an Problemstellen und sind dann dort mit dem Streifenwagen präsent. Eine andere präventive Maßnahme waren zuletzt die Fahrrad-Codierungen während des Niederrheinischen Radwandertags, die sehr gut angenommen worden sind. Und natürlich sind wir in einem solchen Fall vor Ort auch Ansprechpartner für andere Belange. Grundsätzlich suchen wir das Gespräch, sowohl mit Störern als auch mit betroffenen Bürgern. Da kann schon das subjektive Sicherheitsgefühl durch persönliche Kontaktaufnahme gestärkt werden.

Wie war Ihre persönliche Kontaktaufnahme mit den Korschenbroicher Bürgern. Sind Sie schnell als neue Wachleiterin wahrgenommen worden?

Suthor Ja, ich fühle mich sehr gut aufgenommen. Unges Pengste hat dabei eine große Rolle gespielt, da sind sehr viele Menschen auf mich zugekommen und haben mich auch direkt mit Namen angesprochen. Und das waren sicherlich nicht nur Bürger, die im Korschenbroicher Ortskern wohnen, sondern auch aus anderen Stadtteilen kommen.

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