Korschenbroich Pfarrhaus ist ein Problemfall

Korschenbroich · Die Caritas soll Altenwohnungen bauen, wo das alte Pfarrhaus von St. Andreas steht und langsam verfällt. Das hofft der Kirchenvorstand. Gespräche mit anderen Investoren waren ergebnislos. An Privatleute soll nicht verkauft werden.

Gespräche über das Alte Pfarrhaus am Korschenbroicher Kirchplatz hat der Kirchenvorstand mit etlichen erhofften Interessenten geführt. Doch bislang haben alle abgewunken, sagen die Vorstandsmitglieder Dr. Rita Mielke und Klaus Segbert. Der Baukonzern Bilfinger & Berger mochte am Ende keine Altenwohnungen bauen, wo das seit 2003 unbewohnte Haus langsam verfällt; und auch die Gespräche mit den Neusser Augustinus-Kliniken und dem Kreis Neuss seien im Sande verlaufen.

Doch der Kirchenvorstand gibt die Hoffnung nicht auf. Im Juni soll es ein Gespräch mit der Mönchengladbacher Caritas über das Altenwohnungs-Projekt geben. Ein Problem bei der Entscheidung über die Zukunft des sanierungsbedürftigen Hauses: "Wir dürfen nichts alleine entscheiden und sind immer auf eine Genehmigung des Bistums angewiesen", sagt Mielke. Und das will eine Lösung, bei der Geld zu verdienen ist.

Bistum will Rendite sehen

Als der letzte Bewohner, Pfarrer Wilhelm Doerges, 2003 starb, ist eine Sanierung des 1859 errichteten Hauses am Kirchplatz schon mal durchgerechnet worden. Ein Architekt hat zwei Entwürfe gefertigt, die zeigen, wie in dem Haus zwei Wohnungen für Pfarrer Frank Josef van de Rieth und seinen damaligen Kollegen Thomas Wieners geschaffen werden könnten. Voraussichtliche Kosten: mehr als 400 000 Euro. "Die wären durch die Mieteinnahmen nicht gedeckt worden. Das Generalvikariat in Aachen will eine Rendite von mindestens vier Prozent sehen", sagt Segbert. Mithin wurde bis heute nicht saniert, obwohl der Kirchenvorstand einen Teil der Summe dank eines anderen Immobiliengeschäfts auf der hohen Kante liegen hat.

Seitdem hat sich der Kirchenvorstand des Öfteren den Kopf zerbrochen, was aus dem so lange unbewohnten und durch einen Wasserrohrbruch beschädigten Haus werden soll. Auch einen Abriss hat er erwogen. Doch auch da, so Mielke und Segbert, stellt sich das Generalvikariat quer – wegen der Kosten. Anfragen von Interessenten, die Büroräume oder Arztpraxen einrichten wollten, hat wiederum der Kirchenvorstand abgelehnt. An Privatleute soll das Haus nicht verkauft werden. "Denn dann würden wir die Oberhoheit über den Kirchplatz verlieren", sagt Mielke. Will heißen: Ein Privatmann könnte beispielsweise auf die Idee kommen, Parkplätze zu bauen und den Charakter des Platzes verändern. Und das will der Kirchenvorstand bislang verhindern.

Seine Lieblingsidee sind die Altenwohnungen. Die Gemeinde würde dafür auch ein Stück des Grundstücks in einen Weg verwandeln lassen, der vom Kirchplatz zum Gymnasium führen würde. Von der Stadt erhofft sie sich ein Stück Wiese hinter dem Pfarrhausgrundstück. Dann wäre Platz genug für einen Neubau, bei dem die Pfarrhausfassade möglichst erhalten bleiben soll.

Die Stadt ist nicht abgeneigt. "Die Überplanung wäre grundsätzlich mit dem Wegmann-Konzept zur Innenstadtgestaltung vereinbar. Wir warten aktuell auf geeignete Vorschläge des Interessenten", sagt Bürgermeister Heinz Josef Dick. Und: "Ich habe gerade das Fachamt gebeten, zu prüfen, ob das alte Pfarrhaus in Teilen oder ganz unter Denkmalschutz zu stellen ist."

(RP)
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