Korschenbroich: Persönliche Lesetipps beim literarischen Kaffeeklatsch

Korschenbroich : Persönliche Lesetipps beim literarischen Kaffeeklatsch

Prosecco, Kaffee und Kuchen wurden genossen. Doch das Schönste am literarischen Kaffeeklatsch war die sehr persönlich gestaltete Präsentation empfehlenswerter Bücher. Zum großen Teil bewehrt mit Stift und Schreibblock, erwarteten auch zum 40. Doppelpack von Kaffeeklatsch und Ladies´ Night viele Bücherfreundinnen, was ihnen Rita Mielke, Claudia Meuser und Gisela Retz an Neuerscheinungen empfehlen würden. "Korschenbroich-liest"-Initiatorin Rita Mielke eröffnete den Reigen mit Stephan Lohses Buch "Ein fauler Gott". Der Debütroman des Schauspielers ist in den 1970er Jahren angesiedelt und erzählt vom Tod eines Kindes. Aus der Perspektive des älteren Bruders ist dargestellt, wie der versucht, mit der eigenen Trauer zurecht zu kommen und der Mutter beizustehen. "Es ist kein wehleidiges Buch, sondern eins, das in der Tragik den Humor nicht verliert. Es ist ein wunderbares Buch zum Nachdenken über ein schweres Thema", urteilte Mielke über den Roman, der die Fragen des Lebens und nach dem Tod aus kindlicher Sicht stellt.

Zum Roman "Nora Webster" des irischen Autors Colm Toibin über ein Frauenleben in Irland verwies Claudia Meuser auf autobiografische Bezüge in Toibins Charakterisierung eines Jungen. Dieser ist Halbwaise und beobachtet skeptisch, wie sich seine verwitwete Mutter aus strengen Konventionen befreien will. "Die Trauerschritte beim Verlust eines Menschen sind auf leise und schöne Art beschrieben", lobte Meuser. Zu Sarit Yishai-Levis Roman "Die Schönheitskönigin von Jerusalem", stellte Gisela Retz fest, dass weder das Cover noch der Titel zum Roman passten. Der sei ein großartiger Familienroman. Sie las daraus eine Passage, die beispielhaft ist für eine bildhafte Sprache. "Sie kennen den Autor sicher durch seinen Roman ,Der Vorleser', der verfilmt wurde", sagte Retz in der Hinführung zu Bernhard Schlinks neuem Buch "Olga". Das behandelt die Konflikte einer Frau, die hin und her gerissen ist zwischen ihren Idealen und der Liebe. Zugleich birgt der Roman eine umfassende Zeitgeschichte. Heute ist Mileva Maric beinahe unbekannt. Dabei hat Einsteins erste Gattin, die als eine der ersten Frauen in Zürich Physik und Mathematik studierte, maßgeblichen Anteil an dessen Erfolg. Ihre Geschichte ist erzählt in Marie Benedicts Roman "Frau Einstein", den wiederum Mielke vorstellte. Es sei ein "tolles Buch", das helfe, einiges aus der Physik und über das Leben der einst in der Wissenschaft benachteiligten Frauen zu verstehen, berichtete die Germanistin.

(NGZ)
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