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Strecke Düsseldorf - Mönchengladbach: Pendler verärgert über neue S-Bahn-Züge

Strecke Düsseldorf - Mönchengladbach : Pendler verärgert über neue S-Bahn-Züge

Seit einem Monat setzen Verkehrsverbund Rhein-Ruhr und Deutsche Bahn auf der Strecke zwischen Mönchengladbach und Düsseldorf neue Züge ein. Sie bieten weniger Platz - häufig bleiben die Pendler darum morgens draußen stehen.

Mehr als 100 Pendler steigen jeden Morgen mit Uwe Brandt in die S-Bahn-Linie 8 nach Neuss und Düsseldorf. Er nimmt den Zug um 7.23 Uhr oder 7.43 Uhr am Bahnhof Kleinenbroich - dann, wenn auch viele Schüler zusteigen. Sie alle teilen seit genau einem Monat das gleiche Leid: Platzmangel und Unpünktlichkeit. Der Kleinenbroicher hat sich inzwischen gemerkt, wie genau der Zug hält, damit er eine Tür direkt vor sich hat und als einer der Ersten einsteigen kann. Denn hinter ihm wird's eng.

Seit dem Fahrplanwechsel zum 14. Dezember 2014 verkehren auf der Linie der S8 neue Züge. Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) und der Betreiber der Strecke, die DB Regio NRW, setzen zwischen Mönchengladbach, Hagen und Dortmund nun 28 Triebzüge vom Typ Coradia Continental ein.

Mit Mehrzweckabteilen, einem modernen Fahrgastinformationssystem und sanitären Anlagen rollen sie jetzt über die Schiene. Vom VRR und DB Regio NRW stolz präsentiert, stellen sie nach Ansicht von Uwe Brandt jedoch eine Verschlechterung da. "Die Züge sind grundsätzlich kürzer als das Vorgängermodell.

Außerdem ist das Sitzplatzangebot geringer als früher. Das bedeutet, es müssen mehr Passagiere stehen. Durch viel weniger Platz im Türbereich und in den schmaleren Gängen gibt es reichlich Gedrängel", beklagt der Kleinenbroicher. Täglich resignieren Fahrgäste und warten auf die nächste Bahn. Kinder wiederum haben Angst davor, nicht pünktlich in der Schule zu sein.

Die neuen Triebwagen verfügen über 170 Sitz- und 173 Stehplätze, die alten der Baureihe "ET 422" boten pro Fahrzeugteil 192 Sitz- und 352 Stehplätze. Insgesamt würde somit jetzt der Platz für 201 Fahrgäste fehlen. In der Regel verkehrt die S8 mit zwei Triebwagen - es fehlen also mehr als 400 Sitz- und Stehplätze.

"Solche Züge eignen sich für lange Strecken, wie ich sie selbst von der Nord-Ostsee-Bahn zwischen Hamburg und Husum kenne. Aber für den Pendlerverkehr braucht man vor allem viel Platz. Da braucht man nicht unbedingt eine Toilette oder einen Wickeltisch", so Uwe Brandt weiter. Weniger Türen als bisher - fünf statt zwölf - würden außerdem das Zusteigen zusätzlich erschweren und in der Folge für Verspätungen der S8 sorgen. "Die Bahn hat sich hier selbst ein Problem geschaffen", sagt er.

Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr wirft zurzeit einen genauen Blick auf die S-Bahn-Linie 8. "Erste Beobachtungen haben stattgefunden, und in den kommenden Tagen wird eine Fahrgastzählung durchgeführt", sagt Sprecherin Sabine Tkatzik. Nach den bisherigen Zahlen des VRR würde die bestellte Doppeltraktion mit den neuen Modellen vom Platz her ausreichen. Außerdem warte man auf die ersten Liefernachweise der Deutschen Bahn, die tatsächlich eingesetzte Traktionen und Verspätungen ausweisen. Dies wären Indizien, so Tkatzik, wenn nicht wie in Auftrag gegeben gefahren würde.

Dass es in diesen Tagen auch die alten Triebwagen auf der Strecke verkehrten, ist allerdings nicht einem Sinneswandel bei den Betreibern der Linie zuzuschreiben. Dies liegt laut Verkehrsverbund nur daran, dass die Deutsche Bahn noch nicht alle neuen bestellten Züge geliefert bekommen habe.

(NGZ)