Korschenbroich : Neue Musik vor historischem Gemäuer

Am 9. September wird in Liedberg der vierte AvantGarten mit zahlreichen kleinen Konzerten veranstaltet. Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Korschenbroich haben dazu einen eigenen Auftritt als Chorsänger vorbereitet.

Dass die Ferien langsam zuende gehen, ist auch daran zu sehen, dass der Bürgermeister wieder im Amt ist. Frisch aus dem Urlaub zurückgekehrt, den er in Dresden verbrachte, stellte Marc Venten gestern das inzwischen vierte Open-Air-Konzert AvantGarden in Liedberg vor. Begleitet wurde der Bürgermeister von der künstlerischen Leiterin des AvantGartens, Brita Heizmann und Kulturamtsleiterin Michaele Messmann. „Dieses Konzert zeigt, wie vielfältig das Kulturleben in unserer Stadt ist“, sagte der Bürgermeister. In der Tat: Beim Konzert in Liedberg können die Besucher völlig andere Klangerlebnisse erfahren, als sie es bislang vielleicht gewohnt sind. Es geht um Neue Musik.

„Es ist schon etwas ganz Besonderes, diese Musik vor den alten Gebäuden in Liedberg oder in der umgebenden Landschaft zu hören“, sagte Brita Heizmann. „Das ist ein ganz anderes Erlebnis, als man es im Konzertsaal oder im Radio hören würde.“ Sie hatte vor mehr als vier Jahren die Idee, die neue Musik in die Stadt zu holen. Zuvor war sie lange Jahre als Rundfunkmoderatorin in den Vereinigten Staaten, in Los Angeles, tätig. „Ich habe eine Sendung zu den Themen Kultur, Gesundheit und aktuelle Themen betreut.“ Vor neun Jahren kam sie nach Korschenbroich, wo sie das Rundfunk-Gen aber nicht losließ. „2012 rief mich der Kulturraum Niederrhein an.“ Der wollte den neuen Klängen und der Musik ein Forum geben. „Ich suchte dann treffende Plätze und treffende Kulturveranstaltungen“, erzählte Brita Heizmann. „Sie hat mich angerufen, und wir haben den ersten AvantGarten in Liedberg organisiert“, erinnerte sich Michaele Messmann. Den Namen hat Heizmann leicht gefunden. „Es geht hier ja um Avantgarde, die sich seit ihrem Beginn 1850 immer wieder mit Neuem auseinandergesetzt hat. Insofern passt die neue Musik auch in das historische Liedberg“, wo Neues im Alten erlebt werden könne. Zwar gebe es den Begriff Neue Musik schon seit hundert Jahren, „aber sie ist uns bis heute nicht vertraut, weil viele an Konventionen festhalten.“

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Und was erwartet die Besucher in Liedberg? „Am 9. September werden wir mit den Zuhörern verschiedene Stationen in Liedberg abgehen. Es beginnt um 14 Uhr im Sandbauernhof, wo Daniela Maminova das Thema „Staat in Zeit“ in Töne verwandelt. Weiter geht es zum Alten Friedhof. Dort entlockt Sushan Wang einer Flöte besondere Klänge. Ein besonderer Termin erwartet die Besucher auch auf der Wiese. Dort stellen Mädchen und Jungen aus Mittel- und Oberstufe des Gymnasiums Korschenbroich neue Chormusik vor. Die Schüler haben ihren Auftritt mit dem Komponisten Vladimir Guicheff Bogacz erarbeitet.

„Es ist schon etwas ganz Besonderes, dass wir in Liedberg zehn Uraufführungen erleben können“, sagte Brita Heizmann. Bei den Künstlern seien viele Studenten dabei, die an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln unter der Leitung von Brigitta Muntendorf, Professorin und freischaffende Komponistin, studieren.

Und wieviele Menschen sind für ein solches besonderes Klangerlebnis zu gewinnen? „Im vergangenen Jahr sind 80 bis 100 Menschen gekommen, in diesem Jahr erwarten wir mehr“, sagte Michaele Messmann. „Es ist auch immer ein Fanclub dabei, der jedes Jahr kommt“, ergänzte Brita Heizmann. Der AvantGarten Liedberg gehört zur Muziek Biennale Niederrhein. Unterstützt wird das Projekt, auch das in Liedberg, über den Kulturraum Niederrhein vom Land. Dass sich die Neue Musik in Liedberg etabliert hat, wird auch am neuen Vorschaukatalog der Muziek Biennale für dieses Jahr deutlich: Unter den insgesamt 40 Veranstaltungen, die von Wesel bis Korschenbroich reichen, ist Liedberg unter der Überschrift „Publikumslieblinge“ eine Doppelseite gewidmet.