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Korschenbroich: Mehrzweckhalle erzürnt Anwohner

Korschenbroich : Mehrzweckhalle erzürnt Anwohner

Für viele Neu-Holzer ist die große Halle, die an der Straße Am Fusseloch zwischen normalen Ein- und Mehrfamilienhäusern errichtet wurde, "ein Schandfleck". Anwohner Josef Roebers hat sich bereits bei Gemeinde und Bezirksregierung beschwert. Der Hallenbau ist aber rechtens.

Wenn Josef Roebers morgens aus dem Küchenfenster schaut, ärgert er sich. Das gleiche passiert, wenn er den Müll raus bringt oder mit dem Auto in seine Straße einbiegt. Grund für das tägliche Ärgernis des 76-Jährigen ist eine große Halle, die schräg gegenüber von seinem Bungalow im Umsiedlungsort Neu-Holz errichtet wurde. "Dieser triste, graue Bau. Ohne Fenster oder Begrünung — und genau vor unserer Nase. Wir haben das zunächst gar nicht glauben können", sagt Roebers.

Als die Mehrzweckhalle, in der ein Bauer aus dem Umsiedlungsgebiet seine Geräte und Maschinen aufbewahrt, 2008 errichtet wurde, traf das die Familie Roebers ohne Vorwarnung. "Wir hatten bei allen Umsiedlungsgesprächen immer wieder versichert bekommen, dass in dem neuen Ort nichts ohne unsere Zustimmung passieren würde. Von der Halle wussten wir aber nichts", sagt Roebers.

Schriftlich hat er die Versprechen, die während der vielen Informationsveranstaltungen vor der Umsiedlung vor zehn Jahren gemacht worden seien, jedoch nicht. Stattdessen steht im Bebauungsplan, dass der nördliche Bereich der Straße Am Fusselloch/Ecke Hauptstraße "als Art der baulichen Nutzung 'Dorfgebiet'" festgesetzt ist. Und Dorfgebiete, so antworteten Josef Roebers die zuständigen Stellen der Gemeinde und der Bezirksregierung, dienen unter anderem der Unterbringung von Wirtschaftsstellen land- und forstwirtschaftlicher Betriebe. Das Fazit der Bauaufsicht der Bezirksregierung lautet deshalb: "Die landwirtschaftliche Mehrzweckhalle ist somit planungsrechtlich nicht zu beanstanden."

Formal und rechtlich mag dies stimmen, für die Anwohner macht es die Misere nicht erträglicher. "Überall sonst in der Umgebung werden Grundstücke verkauft, nur hier nicht. Wer will denn auch freiwillig neben so einem Schandfleck bauen", empört sich Roebers. Er ist vor zehn Jahren zum Fusseloch umgesiedelt worden und rechnet durch den Hallenbau mit einem Wertverlust für sein Grundstück von zehn bis 15 Prozent.

Die Bezirksregierung hält das für unwahrscheinlich. Zeigt aber immerhin persönliches Verständnis. "Herr Roebers fühlt sich von den Ausmaßen und dem Aussehen der Halle gestört", räumt Jürgen Schlabohm, Kreisbaudirektor des Rhein-Kreis-Neuss ein. "In Dorfgebieten hat es aber schon immer landwirtschaftliche Hofanlagen gegeben. Nur sahen die eben anders aus und hatten andere Maße. Wegen der modernen, meist riesigen Geräte braucht man heute eben diesen Dimensionen", so Schlabohm.

Die Gemeinde, die als Untere Bauaufsichtsbehörde dafür zuständig ist, die im Bebauungsplan festgesetzten Höchstmaße zu kontrollieren, kann auch hier keine Unzulässigkeit finden. "Die Maximale Firsthöhe beträgt zehn Meter und wird in diesem Fall nicht überschritten", sagt Gemeindesprecher Norbert Wolf. Auch die Maße von etwa 50 mal 30 Metern seien im Verhältnis zur Grundstücksgröße zulässig.

Josef Roebers und seinen Nachbarn hilft das nicht weiter. "Wenn wir durch Holz spazieren, fragt uns jeder, wieso wir uns so etwas bieten lassen", sagt der 76-Jährige. Die Halle sei ein trauriges Wahrzeichen für Neu-Holz geworden.

(RP/rl)