Liedberg: Die Bewahrer der Ortskultur

Heimatverein Liedberg: Die Bewahrer der Ortskultur

Zehn Prozent der Bewohner Liedbergs sind Mitglied im Heimatverein. Der Verein erwirtschaftet kostenintensive Investitionen weitgehend über die Erlöse aus dem Weihnachtsmarkt und dem Seifenkistenrennen.

Mehr als 60 Einzeldenkmäler fügen sich auf dem Hügel von Liedberg zum einzigartigen Ensemble. Die Dichte an historischer Substanz bedeutet eine gewaltige Herausforderung, die der Heimatverein Liedberg mit Entschiedenheit und Begeisterung angenommen hat. „Es ist viel Herzblut dabei“, sagt Sabine Vennen. Sie bietet Führungen durch den historischen Ortskern an.

Organisationstalent und kaufmännisches Geschick sind im Verein offenbar gut ausgeprägt. Allein in den zurückliegenden 15 Jahren investierte er mehr als 100.000 Euro in Projekte für den Ort. Dazu zählen ein Eigenanteil von 24.000 Euro für die aufwändige Restaurierung des Schlosses, rund 8000 Euro für das Hagelkreuz und mehr als 10.000 Euro für den Weg auf dem Haag sowie mit Unterstützung anderer Vereine 18.000 Euro für die fachgerechte Sanierung des Kriegerdenkmals.

Wenn auch mit 261 Mitgliedern zehn Prozent der Bewohner von Liedberg und den dazugehörenden Ortsteilen Steinhausen und Drösholz dem Verein angehören, lassen sich solche Kosten nicht allein durch Beiträge stemmen. Die finanziellen Mittel werden zum großen Teil über den attraktiven Weihnachtsmarkt und das Seifenkistenrennen erwirtschaftet.

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Die Idee zur Vereinsgründung reifte im Vorfeld der kommunalen Neugliederung, um das Bewusstsein für lokale Schätze zu stärken. „Mit guter Vorbereitung entwickelten wir eine Satzung, die bis heute fast unverändert ist“, sagt Leo Strerath, eines von fünf Gründungsmitgliedern. Ihm zur Seite standen die inzwischen verstorbenen Heimatfreunde Hermann Esser, Josef Bongartz, Karl Klöckner und Hans Püllen.

Fast 33 Jahre prägte der heutige Ehrenvorsitzende Strerath die Vereinsarbeit als Vorsitzender. Er betont, dass der Verein seinen Ursprung in den Aktivitäten der Dorfgemeinschaft hat. Die realisierte zum Beispiel 1968 die Restaurierung der alten Pfarrkirche, die später zur Schlosskapelle umbenannt wurde. Ohne Netz und doppelten Boden habe man von der Leiter aus die Wände gestrichen, erinnert sich der 77-jährige Strerath. „Der Ortskern ist seit 1760 unverändert“, sagt Geschäftsführer Ralf Frommen. Nach dem großen Brand von 1673 war ein Wiederaufbau nötig gewesen. Frommen betont, dass Liedberg als Flächendenkmal eine Besonderheit darstellt.

Mit Wolfram Deling hat der Verein seit März einen neuen Vorsitzenden. Er will die Aktivitäten im Sinne der Vorgänger fortführen und die Idee des in jüngster Zeit vernachlässigten, „lebendigen Adventskalenders“ wiederbeleben. Das gesellige Miteinander sei ebenfalls ein besonderes Anliegen, versichert Deling. Darum unterstützt der Verein auch andere Organisationen, wie den Fußballverein. Am 12. Oktober wird der erste Mundart-Abend als Auftakt einer kulturellen Reihe im neuen Vereinsraum, dem restaurierten Rittersaal im Schloss stattfinden. Im Mai war offizielle Übergabe. „Es fehlt nicht an Aufgaben“, stellt Strerath fest. Der Vize-Vereinsvorsitzende Michael Benkel ist zuversichtlich, dass die Liedberger dafür gut aufgestellt sind. „Unsere Situation ist komfortabel. Wir haben viele Leute, die anpacken.“