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Liedberg: Das Pfadfinder-Unglück jährt sich im Juni zum 90.Mal

Unglück in Liedberg : 90 Jahre Mythos Pfadfindergrab

1930 starben drei Düsseldorfer Pfadfinder bei einem Unglück in einem stillgelegten Liedberger Stollen. Zum Jahrestag lässt der Heimatverein den Grabstein restaurieren. Ein öffentliches Gedenken muss ausfallen.

Die Nachricht schaffte es damals bis auf die Titelseite der Neuss-Grevenbroicher Zeitung. „Gräßlicher Unglücksfall“, stand dort am 23. Juni 1930. „3 junge Burschen in den unterirdischen Gängen durch herabfallende Sand- und Gesteinsmassen verschüttet und erstickt. 1 Leiche geborgen.“ 90 Jahre ist das nun her. Und doch beschäftigt das Liedberger Pfandfinder-Unglück noch immer die Menschen im Ort.

„Das ist eine emotionale Geschichte“, sagt Ralf Frommen, Geschäftsführer des Heimatvereins Liedberg. Zum einen weil es Jugendliche waren, die damals so tragisch in einem stillgelegten Quarzsand-Stollen ums Leben kamen. 14- bis 16-Jährige. Zum anderen, weil das ein Jahr später eingeweihte Pfadfindergrab nahe des Schlosses für Spaziergänger ein fester Bestandteil des Liedberger Waldes geworden ist.

Wie präsent das Grab im Bewusstsein der Menschen ist, überraschte dann aber auch Frommen. Als der Grabstein vor einigen Wochen zu Restaurationszwecken entnommen wurde, gab es in den sozialen Netzwerken schnell erste Empörungsschreie. Spaziergänger vermuteten Vandalismus. „Das haben wir vollkommen unterschätzt“, sagt Frommen. Schnell veröffentlichte er eine Information auf der Internetseite des Heimatvereins, teilte einen Artikel unserer Zeitung. Die Stimmung beruhigte sich.

In der kommenden Woche soll der Stein wieder an seinen angestammten Platz zurückkehren. Pünktlich zum Gedenken, das wegen der Corona-Pandemie nur in einem kleinen Kreis stattfinden soll. Derzeit liegt der Stein noch bei einem Restaurator in der Eifel. Der Rest des Grabes wird mit viel Eigeneinsatz des Heimatvereins aufgehübscht. Die insgesamt rund 6000 Euro Restaurationskosten trägt der Verein selbst.

Das Pfadfinder-Unglück in Liedberg war am 23. Juni 1930 Thema auf der Titelseite der NGZ.  Foto: NGZ

„Zusätzlich werden wir auch eine Grabplatte aus dunklem Marmor einsetzen“, sagt Frommen. Diese werde allerdings nicht ganz bis zum Jahrestag fertig. Auf ihr soll das Pfadfinder-Zeichen für „Zuhause“ eingraviert sein.

Um den tragischen Tod der drei Mitglieder der Düsseldorfer Pfadfindergruppe „Schinderhannes“ ranken sich bis heute Mythen. Die Feuerwehrmänner bargen damals zwar die Leiche des 15-jährigen Heini Pöstges. Seine verschütteten Kameraden Albert Voigt (16) und Paul Schneiders (17) mussten jedoch zurückgelassen werden. Die Arbeiten waren schlicht zu gefährlich. Da die Feuerwehrmänner die Leiche von Schneiders nicht einmal erblicken konnten, hielt sich in Liedberg das Gerücht, er sei noch tagelang durch den Stollen geirrt. „Die Geschichten werden von Generation zu Generation weitergetragen“, sagt Frommen.

Der Kontakt zu Familienangehörigen der Jungen ist mittlerweile lange abgerissen. Ebenfalls zur alten Pfadfindergruppe, die mittlerweile nicht mehr existiert. Frommen erinnert sich an einen älteren Mann der vor langen Jahren noch beim Gedenken war. Auch 2005, beim 75-jährigen Gedenken sei eine größere Gruppe Pfadfinder gekommen. Der Heimatverein habe noch einmal versucht Kontakt nach Düsseldorf aufzunehmen. Das sei dieses Mal aber im Sande verlaufen.

Zwei Pfadfinder werden allerdings auch in diesem Jahr dem internen Gedenken beiwohnen. Genauso wie Bürgermeister Marc Venten und weitere Vertreter von Stadt, Feuerwehr und Kirche. Dort wird dann auch in einem der neue Gedenkstein eingeweiht. „Wenn der dann wieder 90 Jahre hält, wäre das doch super“, sagt Frommen. Und eine große Veranstaltung soll es nun eben im kommenden Jahr geben. „Dann begehen wir stattdessen halt das 90-Jährige des Grabsteins.“