Kunst im Rathaus: Ausstellung von von Birgitt Verbeek in Korschenbroich

Ungestüm, voller Lebenslust ist der dynamische Gestus im Verbund mit dem Bildmotiv. Das zeigt ein junges Pferd, das weniger abbildhaft getreu dargestellt als Symbol der Zuversicht und Hoffnung ist. „Weggefährte“ nennt Birgitt Verbeek das großformatige Bild im Foyer des Rathauses.

In der aktuellen Schau „Kunst im Rathaus“ gibt die Arbeit den inhaltlichen Bezug am stärksten preis. Doch auch hier hat die Künstlerin nicht nur gemalt, sondern Farben ebenso mit Händen wie mit dem Spachtel aufgetragen und Spuren hineingezogen. Dabei schöpfte sie thematisch aus dem Fundus des Lebens mit unterschiedlichen Begegnungen. Beim Bild mit dem Pferd setzt sie sich mit ihrer Leidenschaft für das Tier sowie in dessen Umfeld erfahrenen Reitunfällen auseinander. „Begegnung“ ist die gemeinschaftlich vom Kulturamt und Freundeskreis für Kunst und Kultur organisierte Ausstellung überschrieben. „Ich erzähle ein ganzes Stück von mir, von verschiedenen Lebensabschnitten und vielleicht von allem, was mir wichtig ist“, sagt die in Wismar geborene Künstlerin. Sie zeigt im Foyer drei großformatige Bilder auf Jute sowie im Ratssaal Mischtechniken auf Leinwand, rechts abstrahierte Impressionen der Ostsee und links Farbstreifenbilder als „Begegnung Niederrhein“. Diese sind inspiriert von der Übersicht aus der Hubschrauberperspektive. So vielschichtig, wie Begegnungen mit Natur, Menschen, Kultur und dem Leben als solches sind, so dicht ist das Spiel der Farbschichten in Verbeeks Bildern. Die Künstlerin vermeidet das eindeutig Offensichtliche, deutet an, lässt ahnen. Die auf den rauen Jute-Bildgrund aufgetragenen Farben pulsieren dynamisch, während Pigmente kraftvoll wirken und die spröde Oberflächenstruktur der Jute den Prozesscharakter betont. Besonders beim Bild der „Großen Erden-Mutter“ ist die Materialität des Bildträgers durch ausgefranste Seiten hervorgehoben. Zum Nachbarbild „Erntedank“ sagt die Künstlerin: „Es ist eine Auseinandersetzung mit dem, was uns die Welt gibt und was wir im Miteinander erfahren“. Die doppelte Lesbarkeit des dominierenden Motivs fordert heraus: Ist es ein christliches Kreuz mit Krone oder eher eine engelsgleiche Figur mit Flügeln? Beide Deutungen sind möglich. Darstellungen von Feldfrüchten, Fisch und Brot sind linear eingeritzt und impulsiv, scheinbar flüchtig angedeutet.

Verbeek hat an der Ostsee gewohnt, bis ihre Mutter mit ihr 1961 die DDR verließ. Erst viele Jahre später, bei der Rückkehr in die einstige Heimat zur Vorbereitung einer Ausstellung, entdeckte Verbeek, wie sehr sie Meer und Natur an diesem Ort liebt. Die Kompositionen dieser Wiederbegegnung mit der Landschaft sind zu dynamisch durchwirkten Wasser- und Land- Farbstreifen geworden - in intensiven Rottönen wie auch im Abbild des Lichts mit sanften Nuancen.

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