Künstlerinnen stellen Werke im Sandbauernhof Liedberg aus

Korschenbroich : „Kunstweiber“ zeigen große Vielfalt

Sechs selbstbewusste Frauen stellten ihre Werke im Liedberger Sandbauernhof aus.

Als den Frauen das Kunststudium noch verwehrt war, galt „Malweib“ als Schimpfwort. Die abwertende Bemerkung hat unerschrockene Künstlerinnen schon damals nicht an ihrem Tun gehindert. Nun zeigten im Sandbauernhof sechs „Kunstweiber“ an einem Wochenende Beispiele ihrer künstlerischen Arbeit. Der Name sei spontan gewählt worden, sagte Hilla Baecker, eine der Künstlerinnen.

Tatsächlich vermeidet der Oberbegriff eine thematische Eingrenzung und passt zur Vielfalt im rein weiblich besetzten Sextett. Fotografin Hilla Baecker stellte sich im Foyer mit technisch verfälschten Arbeiten auf Leinwand vor. In der Verfremdung strahlen die Strukturen der Motive eine erstaunliche Eigendynamik aus. Bei den kleineren Arbeiten auf Alu Di Bond fällt eine Reduktion in der Motivwahl und eine beinahe plastisch anmutende Räumlichkeit auf. Sonja Kreutzers Holzobjekte verweisen in der Reaktion auf die Jahresringe eines Baumes auf Lebenssymbole. „Schöne neue Welt“ nennt sie eine Arbeit aus dem Holz einer Zeder.

Die Farbgebung assoziiert das Blau des Planeten, während der zentrale Durchblick Zerstörung andeutet. Ausschnitt und Vertiefung erlauben einen ungewohnten Blick auf den Verlauf der naturgegebenen Jahresringe. „Ich liebe Material“, verriet Erika Wildtraut vor ihren Materialbildern und Objekten. Die Malerei kombiniert sie mit Fundstücken, wie Schiefer und Eisen sowie selbstgemischter Skulpturenpaste. Fließende Übergänge und aufbrechende Strukturen assoziieren Vulkanismus, Aufbruch, Erosion. Die auf Tableaus gereihten, jeweils in Rahmen eingefassten „Spielereien“ ergeben quirliges Miteinander von kleinen Dingen, während Wildtrauts Holzstelen bewegt emporwachsen.

Die Hortensienblüte ist Jessica Zugehörs erklärte Lieblingsblume und damit wiederkehrendes Motiv ihrer Bilder. Zugleich zeichnet sich die Künstlerin durch Experimentierfreude aus, wie die vom sachten Licht durchflutete Impression des Bodensees und eine betont perspektivisch angelegte Malerei beweisen. Es sind oft Gesten, eine Haltung, die sich Heike Plohs einprägt und ihren Bildern atmosphärisch einfängt.

Die Künstlerin entfaltet ihre Aussage im behutsam austarierten Dialog von Malerei und Skizze, von Farblasuren und lockerem Strich. Ursula Breuer-Kieven setzte in der Werkauswahl auf Kontraste. In ihren Bildern mit vielfach lasierend geschichteten Acrylfarben scheint das Licht über die Rückseite zum Betrachter durchzudringen.

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