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Korschenbroich: ZWAR-Gruppe Kleinenbroich organisiert Demo vor Landtag

Bis zu 500 Teilnehmer erwartet : Kleinenbroicher Senioren organisieren Demo

Vor dem Landtag werden Menschen „zwischen Arbeit und Ruhestand“ (ZWAR) morgen gegen die Streichung von Landesmitteln protestieren.

Am Mittwoch soll es laut werden bei der Demonstration vor dem Düsseldorfer Landtag: Trillerpfeifen, Tröten, Glocken, Trommeln und kräftige Stimmen. Vielleicht ist auch eine „deutsche Greta Thunberg“ dabei, allerdings wohl ohne Zöpfe und deutlich älter. Denn der landesweite Protest wird von den ZWAR-Gruppen getragen. Darin organisiert sind Menschen, die „zwischen Arbeit und Ruhestand“ soziale Kontakte knüpfen. „Im Kern geht es darum, ein aktives, möglichst gesundes und selbstbestimmtes Älterwerden zu ermöglichen“, sagt Norbert Buck von der ZWAR-Gruppe in Kleinenbroich. Gemeinsam mit seiner Frau Adelheid, Heinz Zeprath und Freunden aus der Gestaltungsgruppe hat Buck die Demo vorbereitet. „Inzwischen haben wir schon 300 bis 500 Anmeldungen“, sagt Adelheid Buck.

Der Protest richtet sich gegen Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann. Denn der will Ende des Jahres der ZWAR-Gruppe die Gelder streichen. Dabei geht es um 600.000 Euro, die für die Zentralstelle in Dortmund verwendet werden. ZWAR wurde an der dortigen Universität 1979 vor dem Hintergrund des demographischen Wandels gegründet. Seitdem sind in 85 der 396 NRW-Kommunen ZWAR-Gruppen entstanden. In der Stadt gibt es Gruppen in Korschenbroich, Kleinenbroich und in Liedberg. Dort machen etwa 500 ältere Menschen mit. „Wir sind völlig autonom, die Landesmittel werden nur für die fest angestellten Mitarbeiter der Zentrale verwandt“, sagt Buck. Von dort bekommen die Gemeinschaften vor allem juristische, pädagogische und organisatorische Hilfe. „Da die Zentrale nicht selbst protestieren wollte, haben wir Kleinenbroicher das übernommen,“ sagt Buck.

Innerhalb weniger Tage wurden Plakate gemalt, Trillerpfeifen besorgt und viele Mails geschrieben. „Wir werden laut und deutlich unsere Meinung sagen“, versichert Zeprath. Ebenso wie die Familie Buck war er vor zehn Jahren dabei, als die Stadt die Korschenbroicher ab 55 Jahren zu einem Info-Termin bat. „Damals stellte ein Vertreter der ZWAR-Zentrale das Konzept vor“, sagt Zeprath. Es gehe darum, dass Menschen im Alter nicht vereinsamen. Alle zwei Wochen trifft sich eine Basisgruppe, die Ideen und Vorhaben bespricht. „Das können Gesprächskreise sein, Ausflüge, Reisen oder Spielabende“, sagt Adelheid Buck. Und alles gehe ohne Vorstand und Satzungsdiskussionen.

Die Landesregierung sieht darin eine Freizeitgestaltung und eine Aufgabe der Kommunen. Laumann will die Förderpolitik in Richtung Pflege verschieben. „Das darf man aber nicht gleichsetzen“, sagt Buck. „Je aktiver ein Mensch ist, desto weniger wird er krank und kommt in die Pflege.“ Der Anteil sei geringer, wenn man in eine Gemeinschaft eingebunden gewesen sei. „Wir reden seit Jahren über den demographischen Wandel und nun soll ein sinnvolles Projekt zerstört werden.“ Denn ohne Geld vom Land müsste die Zentrale schließen, es würde keine Neugründung von ZWAR-Gruppen geben. „Das werden wir nicht zulassen“, sagt Zeprath.