Korschenbroich: Wildschweine und Wölfe breiten sich aus

Interview mit Stefan Syben aus Korschenbroich : Wildschweine und Wölfe breiten sich aus

Stefan Syben ist der Leiter des Korschenbroicher Hegerings. Bei der Jahreshauptversammlung der Korschenbroicher Jäger sprach er über die Zunahme bestimmter Tierarten, das Landesjagdgesetz und die Nachfrage nach Wildfleisch.

Beim Jahrestreff der Korschenbroicher Jäger herrschte im kleinen Saal der Gaststätte Vennen in Liedberg drangvolle Enge. Viele der 120 Mitglieder erfuhren dort erstmals aus berufenem Munde die Streckenzahlen im Kreis Neuss aus dem letzten Jagdjahr. Zahlen, die erschrecken können. So wurden 300 Rehe als Verkehrstote von der Straße aufgelesen. Nur 428 Rehe wurden von den Jägern erlegt. Ein ähnliches Bild bietet die Hasenstrecke: 392 Hasen wurden Opfer der Straße, nur 425 lagen nach den Herbstjagden auf der Strecke. Auch bei den Fasanen teilten sich Autoverkehr mit den Grünröcken etwa hälftig die Strecke. Ganz anders beim Schwarzwild. Nur 31 von 326 Wildsauen wurden als Verkehrsopfer gezählt. Am Rande der Versammlung beantwortete Hegeringleiter Stefan Syben Fragen rund um die Jagd.

Bundesweite Rekordstrecken beim Schwarzwild lassen auf überhöhte Populationen schließen. Enorme Wildschäden sind die Folge. Auch in unserer Nähe (u.a. MG-Hardt, Brüggen und im Hinterland von Grevenbroich) haben die Wildschweine sich breit gemacht. Die Angst vor der Afrikanischen Schweinepest steigt. NRW könnte vom Wolfserwartungsland zum Wolfsland werden. Erwarten Sie in unserer Wald- und Feldflur Begegnungen mit Schwarzwild und Wolf?

Syben Die Intensivierung der Landwirtschaft und die starken Mastjahre der Forstkulturen sorgen für eine steigende Reproduktionsrate der Wildschweine. Durch ihre Anpassungsfähigkeit wird auch in Korschenbroich künftig mit Begegnungen zwischen Mensch und Wildschwein zu rechnen sein. Es ist nicht auszuschließen, dass auch der Wolf sich hier sehen lässt. Unsere dichte Besiedlung und die kleinflächigen Wälder der Umgebung sind jedoch für den Wolf kein ständiger Lebensraum.

Seit dem 13. März ist ein neues Landesjagdgesetz in Kraft. Welche Auswirkungen hat das für die Waidleute in Korschenbroich und Umgebung?

Syben Durch das von CDU/FDP geänderte Jagdgesetz wurden die von der vorherigen rot-grünen Regierung in NRW eingeführten Einschränkungen verändert. Jagdausbildung und Jagdausübung wurden wieder natur- und wildgerechter möglich. Mit den Veränderungen können die Jäger gut leben.

Welche früheren Restriktionen machten in den letzten Jahren den Jägern das Leben schwer?

Syben Das unter Ex-Minister Remmel verabschiedete ökologische Jagdgesetz wurde beinahe ausschließlich von Personen erstellt, die nicht aus dem Bereich der Forst- und Jagdwissenschaften stammen. Im Ergebnis wurde dadurch die Jagd in ihren eigentlichen Grundsätzen erheblich erschwert.

Viele Menschen sind „wild auf Wild“. Sie schätzen das kalorienarme Bio-Fleisch, beispielsweise von Reh, Hase und Fasan. Wie begleiten Sie die Nachfrage?

Syben Wir Jäger merken die gestiegene Nachfrage. Möglicherweise ist das eine Antwort auf die Massentierhaltung. Mehr und mehr vertrauen die Menschen auf die Kompetenz der ortsansässigen Grünröcke als Quelle für „faires“ Wildbret.

Viele Jäger sind „alte Hasen“. Ihre Ausbildungszeit ist oft lange her. Wie klappt es mit der Fort- und Weiterbildung? Was tun Sie dafür?

Syben Der Landesjagdverband bietet über´s Jahr etliche Fort- und Weiterbildungsseminare an. Dabei ist auch die Wildbret-Hygiene ein wichtiges Thema. Im Hegering laden wir unsere Mitglieder zu Übungsschießen auf den Schießständen ein. Auf unseren Treffen informieren wir die Mitglieder über jagdpolitische Neuerungen.

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