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Korschenbroich: Wie sich Schlaganfall-Patient Anton Tini ins Leben zurückkämpft

Schlaganfallpatient der Niederrhein-Klinik Korschenbroich : Anton Tini kämpft sich zurück ins Leben

Der 69-jährige Anton Tini ist einer von vielen Reha-Patienten in der Niederrhein-Klinik Korschenbroich. Obwohl er alles richtig gemacht hat, hat ihn der Schlaganfall besonders schwer erwischt.

Dass sich Anton Tinis Leben nachhaltig verändern würde, fiel zuerst seiner Frau aus. „Ich muss einen Krankenwagen rufen“, sagte sie ihm, als die beiden am Karnevalsdienstag zusammensaßen. „Warum“, fragte ihr Mann. „Deine rechten Mundwinkel hängen herunter.“ Tini hatte einen Schlaganfall und es selbst noch gar nicht bemerkt.

„Es war ein schwerer Schlaganfall mit komplexem Verlauf“, sagt Marcus Schaufenberg, Chefarzt der Neurologie an der Niederrhein-Klinik Korschenbroich. Tini erlitt gleich mehrere Schlaganfälle bei Verschluss der Halbschlagader, wie Schaufenberg erklärt. Im Krankenhaus kam noch eine Lungenentzündung hinzu. Der 69-Jährige lag insgesamt vier Wochen auf der Intensivstation, blieb halbseitig gelähmt. Acht Wochen vor dem Gespräch kam er zur Rehabilitation in die Niederrhein-Klinik.

„Ich war am Boden zerstört“, sagt Tini über die schweren ersten Wochen nach seinem Schlaganfall. Eine Erfahrung, die er seinen Mitmenschen ersparen möchte. „Wenn ich anderen damit helfen kann, erzähle ich gerne meine Geschichte.“ Dabei ist nicht zu erkennen, dass Tini etwas falsch gemacht hätte. Bis auf Bluthochdruck habe bei ihm laut Schaufenberg nichts auf ein erhöhtes Risiko hingewiesen. Mit dem Rauchen habe Tini laut eigener Aussage vor 20 Jahren aufgehört. Und als er in den Tagen vor dem Schlaganfall Kopfschmerzen und Schwindelgefühle hatte, ging er zum Hausarzt. Auch dieser erkannte die drohende Gefahr nicht. „Das war bei diesen Symptomen auch nicht ohne weiteres möglich“, sagt Schaufenberg.

Tini musste sich also mit einem Schiksalsschlag abfinden, an dem er selbst keine Schuld trug. Und es dauerte einige Wochen bis ihm wieder solche Sätze über die Lippen kamen wie an diesem Dienstag. „Ich kann nicht klagen, es geht mir gut“, sagt er gleich zum Gesprächsbeginn. Die Sprache, sie sei ohnehin nicht sein größtes Problem zu gehen. Eher der linke Arm und das Laufen. „Als ich wieder mit Hilfe auf dem Flur gehen konnte“ sei er glücklich gewesen, sagt Tini. Fünf Wochen sei das her.

Etwas anderes wird er wohl noch einige Zeit nicht können. Tini war vor seinem Schlaganfall ein begeisterter Klavierspieler. Das wieder zu können, sei sein größter Antrieb. Außerdem: lange Spaziergänge, Eigenständigkeit im Alltag. Die kleinen Dinge. Das Bad zuhause in Troisdorf wurde bereits umgebaut, damit Tini, der vor seinem Ruhestand als Teammanager bei der Lufhansa tätig war, dort nach seiner Rückkehr wieder gut zurecht kommt.

Dort sieht Tini dann auch seine Familie wieder, die er besonders vermisst. Denn, auch wenn es keinen guten Zeitpunkt für einen Schlaganfall gibt, für Tini war das Timing besonders schlecht. Am 11. März begann seine Reha in der Niederrhein-Klinik. Gerade, als die Corona-Krise auf ihren Höhepunkt zusteuerte. Er musste die vergangenen Wochen ohne Besuche seiner Frau und seiner zwei Söhne auskommen. „Das war eine doppelte Strafe“, sagt er zu Schlaganfall und Besuchsverbot. Übers Telefon habe er den Kontakt gehalten. Einfach sei das für ihn dennoch nicht gewesen.

Umso freut der 69-Jährige darauf, dass er in diesen Tagen endlich nach Hause kann. Sein stationärer Aufenthalt in Korschenbroich endet. Allerdings nicht die Arbeit an seiner Genesung. „Ich war kein Sportler, aber ich habe schon immer auf meine Bauchmuskulatur geachtet“, sagt Tini. Die sei nach dem wochenlangen Liegen dahin. Und bis seine Arme und Beine ihm wieder besser gehorchen wird auch noch viel Training nötig sein. Doch erst einmal zählt für Tini, seine Familie wieder um sich zu haben. Drei Monate nach jenem schicksalhaften Tag im Februar.