Korschenbroich: Was ein Mikroplastik-Verbot für die Kunstrasen bedeutet

Mikroplastik : So wirken sich EU-Pläne auf Korschenbroichs Kunstrasenplätze aus

Umweltschutz-Bestrebungen der Europäischen Union gefährden den Fortbestand von Kunstrasenplätzen. So war es im Sommer vielerorts zu hören. Was seitdem passiert ist und was das für die Vereine in Korschenbroich bedeutet.

Im Sommer sorgte eine geplante EU-Richtlinie für Aufregung im Amateursport. Ein angestrebtes Mikroplastik-Verbot bedrohte den Fortbestand von rund 6000 Kunstrasenplätzen in Deutschland. So schien es zumindest. Ganz so schlimm wird es wohl nicht kommen. Dennoch hatte die Mikroplastik-Diskussion Einfluss auf die Planungen der Vereine hierzulande. Auch in Korschenbroich.

Erkennen lässt sich das am 2018 sanierten Waldstadion. Statt mit Kunststoffgranulat wurde der neu geschaffene Kunstrasenplatz mit Kork verfüllt. Er ist von den EU-Überlegungen somit nicht betroffen. Zwar ist auch dort der „Rasen“ selbst aus Kunststofffasern. Da diese fest in den Teppich eingewebt sind, entsteht laut Stadt jedoch kein Austrag in die Umwelt. Problematisch sei lediglich das lose Granulat, dass auf einer Vielzahl der Plätze verteilt wird.

Ähnlich ist es am Sportpark Glehn, wo ein zweiter Kunstrasenplatz gebaut wird. Auch dort kommt kein Granulat zum Einsatz. Stattdessen wird Quarzsand verwendet. Finanziert wird der Platz mit Mitteln des Bundesprogramms „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“. Dessen Richtlinien schließen die Verwendung von Kunststoffgranulat gänzlich aus.

Was bleibt sind die drei „alten“ Plätze im Stadtgebiet. Also der bislang einzige Kunstrasen im Sportpark Glehn sowie die Sportplätze in Kleinenbroich und Neersbroich. Sie sind jeweils mit dem zur Diskussion stehenden Kunststoffgranulat verfüllt, dem sich die Europäische Union gerne entledigen würde. Alle Plätze sind städtische Anlagen. In Kleinenbroich kümmert sich ein städtisch angestellter Platzwart um die Pflege. Für die Instandhaltung der anderen beiden Spielfelder sind die Vereine SV Glehn und Sportfreunde Neersbroich verantwortlich.

Doch was haben Stadt und Vereine zu befürchten? Auf kurze Sicht erstmal nichts. Das stellte die zuständige Europäische Chemikalienagentur (ECHA) bereits Ende Juli klar. Christoph Rheinberger von der ECHA schrieb damals in einer Stellungnahme, „dass existierende Plätze nicht sofort vom Verbotsvorschlag betroffen wären“. Der Spielbetrieb könne fortbestehen. Allerdings sei der Unterhalt der Kunstrasen betroffen, „wenn die Bestände von bisherigem Füllmaterial aufgebraucht wären“, so Rheinberger weiter. Die Vereine könnten also ihr Plätze so lange weiter nutzen bis sie neues Granulat benötigen. Dann wird es, unter Beachtung „geeigneter Übergangsfristen“ schwierig.

Wann und in welcher Form das Verbot wirklich kommt, ist derzeit noch völlig unklar. Die ECHA hatte bis zum 20. September eine öffentliche Anhörung angesetzt, deren Ergebnisse bislang noch nicht veröffentlicht wurden. Ein Sprecher der Europäischen Kommission teilte auf Anfrage unserer Redaktion mit, dass die Analyse der bei der ECHA eingegangenen Antworten noch andauere. Mit einem abschließenden Bericht werde im Frühjahr 2020 gerechnet.

Dann ist wohl klar, wie es mit dem Granulat auf Kunstrasenplätzen weitergeht. Und was das für den Spielbetrieb bedeutet. In Europa. Und in Korschenbroich.

Mehr von RP ONLINE