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Korschenbroich: Warum Hanne Wolf-Kluthausen (FDP) immer in der Opposition blieb

FDP-Fraktionschefin Hanne Wolf-Kluthausen : Das Haushaltsgewissen des Stadtrats

Mit der Kommunalwahl im September endet die Zeit von Hanne Wolf-Kluthausen im Korschenbroicher Stadtrat. Warum sie dennoch der Politik erhalten bleibt und sie als FDP-Fraktionschefin nie über die Oppositionsrolle hinauskam.

Wer am 14. Mai die erste Sitzung des Hauptausschusses nach der Corona-Pause verfolgte, konnte Hanne Wolf-Kluthausen noch einmal voll in ihrem Element erleben. Es ging um die Mehrkosten für Kleinspielfelder und die Hallenbadsanierung in Korschenbroich. Statt ursprünglich veranschlagter 180.000 rechnete die Stadt nun mit einem Eigenanteil von 900.000 Euro. „Für uns ist es absolut untragbar und verantwortungslos, diese Maßnahmen so weiter fortzuführen“, wetterte Wolf-Kluthausen. Und musste sich am Ende der breiten Hauptausschuss-Mehrheit beugen.

Hanne Wolf-Kluthausen beim Fototermin vor dem Gespräch in der FDP-Geschäftsstelle. Foto: bauch, jana (jaba)

Das Ergebnis regt sie auch noch einen Monat später auf. Wolf-Kluthausen hat in die FDP-Geschäftsstelle in Korschenbroich geladen, um über ihren Abschied aus dem Stadtrat zu sprechen. „Das ist sowas von widersinnig“, sagt sie zur Entscheidung im Mai. Haushalt und Stadtplanung, es waren immer die Kernthemen der 70-Jährigen. Das mahnende Haushaltsgewissen ist ihre Paraderolle. Wolf-Kluthausen hat zwei Wirtschaftsstudiengänge absolviert. „Da liegt natürlich mein Schwerpunkt“, sagt sie.

Ihre Parteizugehörigkeit habe sich schon durch ihre Familie herauskristallisiert. „Meine Eltern sind auch aus der Wirtschaft“, sagt sie. Nicht allerdings ihr Tätigkeitsort. Gebürtig stammt Wolf-Kluthausen aus Bayern, durch ihre Arbeit verschlug es sie später nach Düsseldorf. Über ihren Wohnort Kleinenbroich landete sie in der Korschenbroicher Kommunalpolitik. 1984 trat sie in die FDP ein. Ihre aktive Phase begann jedoch deutlich später. 2004 war sie Bürgermeisterkandidatin der FDP, im selben Jahr zog sie in den Stadtrat ein. Seit 2009 ist sie dort FDP-Fraktionsvorsitzende.

„Das war schon ein großes Thema, dass da jetzt eine Frau antritt und das haben wir natürlich auch bewusst so gewählt“, sagt sie. Dass es mit dem Bürgermeisterposten nichts wurde, war vorhersehbar. Deutlich überraschter war Wolf-Kluthausen, dass sie sich nach der Kommunalwahl 2009 in der Oppositionsrolle wiederfand.

„Wir hatten ein Ergebnis, das wir hier noch nie erreicht hatten. Wir waren mit sechs Leuten im Rat“, sagt Wolf-Kluthausen. „Es gab keinen Grund für die CDU zu sagen: Das passt nicht, wir müssen einen größeren Partner nehmen.“ Viele Bürger hätten sie damals gewählt, damit es eine schwarz-gelbe Mehrheit im Rat gebe, glaubt sie. Dass die CDU dann mit der SPD zusammengehe, habe sich keiner vorstellen können. „Es gab hier schon innerhalb der CDU große Ressentiments gegen die FDP aus irgendwelchen Gründen, die vor meiner Zeit lagen.“ So blieb Wolf-Kluthausen 20 Jahre lang nur die Oppositionsrolle. Ihre Anträge hatten nur selten Erfolg, auch wenn sie später oft unter anderem Label umgesetzt worden seien.

2019 hatte Wolf-Kluthausen nach elf Jahren bereits den Stadtverbandsvorsitz an Thomas Betz abgegeben. Im Herbst endet ihre Zeit als Stadtratsmitglied und Fraktionsvorsitzende. Es sei in Korschenbroich gelungen, ein junges Team aufzubauen. „Da war der Zeitpunkt jetzt der richtige“, sagt sie. Eine junge weibliche Nachfolgerin, die in Wolf-Kluthausens Fußstapfen tritt, ist derweil nicht in Sicht. „Die FDP ist halt vielfach wirtschaftsorientiert“, sagt sie. Das sei für Frauen oft weniger attraktiv, die seien mehr im sozialen Bereich aktiv. „Mir würde schon gefallen, wenn wir ein bisschen mehr einen empathischen Anstrich bekämen und würde das auch fördern wollen.“

Der Abschied aus dem Stadtrat ist für Wolf-Kluthausen kein Abschied aus der Politik. Sie kandidiert auf dem aussichtsreichen Listenplatz 5 für den Kreistag. Von ihrem Mann, dem Ex-Fraktionschef Rolf Kluthausen, weiß sie, dass der Aufwand damit eher sogar steigt.  „Wenn Sitzung ist, ist er ab mittags nicht mehr da“, sagt sie. Doch die Aufgabe habe sie alleine schon wegen des laufenden Strukturwandels gereizt.

Zunächst richtet Wolf-Kluthausen allerdings den Blick auf ihre letzten Monate im Stadtrat. „Für mich wäre vielleicht noch mal das Thema vom letzten Mal interessant“, sagt sie mit Bezug auf die Hauptausschuss-Diskussion. Und lacht.