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Korschenbroich: Von der Schließung der Deutschen Bank profitieren andere Geldinstitute

Banken und Sparkasse in Korschenbroich : Deutsche Bank schließt – Konkurrenz profitiert

Die Filialen von Gladbacher Bank, Volksbank und Sparkasse registrieren einen Anstieg der Kundenzahlen in Korschenbroich. Welche Beweggründe es dafür gibt.

Seit knapp anderthalb Monaten ist die Filiale der Deutschen Bank (DB) in Korschenbroich geschlossen. Kunden der Bank wurden zuvor angeschrieben, dass künftig die Filiale in Mönchengladbach am Bismarckplatz die Betreuung übernimmt. Doch offenbar haben sich einige Korschenbroicher auch ein ganz anderes Geldinstitut vor Ort gesucht, wie eine Umfrage unserer Redaktion ergab.

„Wir haben etwa 30 neue Kunden, die von der Deutschen Bank zu uns gewechselt sind“, sagt Konstantin Schäfer, Niederlassungsleiter der Gladbacher Bank. Direkt nach Bekanntwerden der Schließungsabsichten der Deutschen Bank im April seien bereits einige neue Kunden gekommen, so Schäfer.

„Den meisten ist wichtig, Ansprechpartner vor Ort zu haben“, hat er über die Beweggründe der Kunden erfahren. Bedenken wegen des zunehmenden Online-Bankings seien nicht ausschlaggebend gewesen. „Wir haben ja auch den Schwerpunkt im Online-Bereich“, so Schäfer. Vier Berater arbeiten bei der Gladbacher Bank in Korschenbroich. „Sie decken die üblichen Themen ab: Baufinanzierung, Geldanlage und Zahlungsverkehr“, sagt Schäfer. Er rechnet mit einem weiteren Schwung an Kunden, die wechseln wollen. Denn die Gladbacher Bank hat zum Jahreswechsel eine Kampagne gestartet. Deren Motto: „Andere gehen, wir bleiben“. Motivation für diese Kampagne sei eindeutig der Weggang der Deutschen-Bank-Filiale gewesen, erklärt Marketingleiter Niko Stamtsis. „Wir wollen damit betonen, dass unsere Filiale vor Ort bleibt.“

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Stark vor Ort vertreten ist auch die Volksbank Erft mit ihren drei Filialen in Korschenbroich, Kleinenbroich und Glehn. Auch sie registriert, dass Kunden, die einst bei der Deutschen Bank waren, nun wechseln. „Teilweise haben Kunden ihre Hauptbankverbindung geändert“, sagt Marcel Schichler, Regionalleiter für Korschenbroich und Jüchen. Dazu zählen Kunden, die beispielsweise sowohl bei der Volksbank als auch bei der DB Konten hatten. „Es gibt aber auch so um die 15 Familien, die mehrere Konten haben und nun zu uns gekommen sind“, sagt Schichler weiter.

Zu den Wechselgründen der Kunden sagt Schichler: „Wir haben den großen Vorteil eines Alleinstellungsmerkmals. Denn wir haben an allen drei Filialen noch Schalter“, sagt der Regionalleiter. „Das schätzen vor allem Geschäftskunden, die ihre Tageseinnahmen vorbeibringen.“ Schließlich hätte sogar die Sparkasse ihre Schalter in Kleinenbroich und Glehn zugemacht. Insgesamt arbeiten zwölf Mitarbeiter bei der Volksbank Erft in Korschenbroich. Die Schalter in Kleinenbroich sind an fünf Tagen, in Glehn an drei und in Korschenbroich an zwei Tagen geöffnet. Einen kleinen Seitenhieb in Richtung Konkurrenz kann sich Schichler nicht verkneifen: „Wir sind nicht unglücklich über die Entscheidungen anderer Banken.“

Viele neue Kunden beziehungsweise Kontoverbindungen habe auch die Sparkasse Neuss hinzugewinnen können, teilt Unternehmenssprecher Stephan Meiser mit. Eine Quantifizierung auf die Filiale an der Hindenburgstraße in Korschenbroich sei jedoch nicht möglich. „Da wir im gesamten Rhein-Kreis mit 33 Filialen vertreten sind, haben ehemalige Kunden der DB auch die Chance genutzt, ihre Kontoverbindung dorthin zu verlegen, wo sie tagsüber arbeiten und die Filiale entsprechend leicht erreichen können. Das muss nicht immer in Korschenbroich der Fall sein“, erklärt Meiser. „Ferner gab es Kunden der DB, die bereits auch unsere Kunden gewesen sind und nun also ‚nur‘ noch weitere Konten zu uns verlagert haben, also nicht als klassischer ‚Neukunde‘ in der EDV erfasst sind“, so Meiser.

Grundsätzlich registriere die Sparkasse Neuss schon vor Beginn der Pandemie eine deutlich steigende Nachfrage nach persönlicher Beratung. Meiser erklärt dazu: „Die Ursache sehen wir vor allem im anhaltenden Negativzinsniveau mit den damit verbundenen Fragen zur individuellen Risiko- und Altersvorsorge sowie in einer zunehmend komplexer werdenden Finanzwelt und konjunkturellen Unsicherheiten.“ Seit Ausbruch der Pandemie komme ein verstärkter Beratungsbedarf hinsichtlich der bestehenden Förderprogramme hinzu.