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Korschenbroich: Vogelschutzgruppe mit Regenbogenpreis geehrt

Ehrenamtler aus Korschenbroich ausgezeichnet : Regenbogenpreis für Vogelschutzgruppe

Die Ehrenamtler kümmern sich seit Jahrzehnten um Nisthilfen, Dokumentation und Artenschutz. Sie wünschen sich Verstärkung durch junge Menschen wie von Fridays for Future. Eugen Viehof versprach sogar finanzielle Förderung.

Die Vogelschutzgruppe Korschenbroich wurde am Mittwoch im Korschenbroicher Kulturbahnhof mit dem Regenbogenpreis für ehrenamtliches Engagement im Bereich Naturschutz ausgezeichnet. Der Preis ist mit 500 Euro dotiert und wird alle zwei Jahre von der Grünen-Fraktion im Landschaftsverband Rheinland vergeben. Vorgeschlagen worden waren die Preisträger von dem Korschenbroicher Grünen-Politiker Martin Kresse.

Johannes Bortlisz-Dickhoff, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen im Landschaftsverband Rheinland lobte das bürgerschaftliche Engagement der Vogelschutzgruppe in dem alten Bahnhofsgebäude, das vom Landschaftsverband Rheinland einst unter Denkmalschutz gestellt worden war.

Martin Kresse hielt eine kurze Laudatio: „Sie steigen auf Türme und Bäume, um Nistkästen anzubringen oder dafür zu sorgen, dass die Brut nicht verlorengeht.“ Vogelschutz sei kein Thema, das die Massen bewegt. „Aber Sie kümmern sich darum, sie investieren viel Liebe und Freizeit, und das schon seit Jahrzehnten“, erklärte Kresse.

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Er erinnerte daran, dass die Vogelschützer früher auch Bäume beschnitten hätten. Dass sie das heute nicht mehr tun, habe auch mit dem fortgeschrittenen Alter der Vogelschützer zu tun. Kresse erinnerte daran, dass die Vogelschutzgruppe auch die Bestände dokumentiert. Und er lobte die Kontinuität, mit der die Arbeit ehrenamtlich geleistet wird.

Allein zu zweit: Bernhard Klein und Claus von Kannen waren viele Jahre lang die Gesichter der Vogelschutzgruppe Korschenbroich. Später kamen weitere Mitstreiter hinzu – wie der mittlerweile 78 Jahre alte Hans Großmann. „Ich kenne Claus von Kannen schon seit 1970 und naturverbunden war ich immer schon“, sagte Großmann.

Was er beobachtet hat: „Es gibt immer weniger Vögel und immer weniger Vogelarten.“ Das liege unter anderem daran, dass es an Rückzugsräumen für die Tiere mangele. So gebe es beispielsweise immer weniger alte Gehöfte.

Die Gruppe der Vogelschützer ist derzeit etwa acht Personen stark. Sie sind unter anderem für rund 900 Nisthilfen im Stadtgebiet verantwortlich. Die vogelkundlichen Wanderungen von Claus von Kannen sind ein sehr beliebtes Angebot. Auf dem Wunschzettel der Ehrenamtler stehen die Schaffung und der Erhalt von Biotopen beziehungsweise von Lebensräumen insbesondere für bedrohte Arten.

Und die Vogelschützer fordern die Schaffung eines engmaschigen Biotopverbundsystems als Grundlage für den Artenschutz und den Erhalt des Landschaftsbildes. Außerdem wünscht man sich weitere aktive Mitarbeiter. Einige „Jungrentner“ sind in den letzten Jahren hinzugekommen. Was die Vogelfreunde festgestellt haben: Vor allem der Bestand der Schleiereulen und Steinkäuze nimmt spürbar ab. Heinz-Willi Peschen, Mitglied der Vogelschutzgruppe, wünscht sich Verstärkung unter anderem aus der Protestbewegung Fridays for Future.

Seine Kritik: „Sie schreien nur laut, tun aber nichts für die Umwelt.“ Gerne würden die älteren Herren von jungen Menschen unterstützt werden. Eugen Viehof junior versprach eine mögliche finanzielle Förderung mit Mitteln aus seiner Stiftung. So könnten 450-Euro-Kräfte dauerhaft beschäftigt werden.

„Danke für den Hinweis“, erklärte daraufhin Martin Kresse. Barbara Romann, die Vorsitzende des Heimatvereins,  möchte mit dem Bürgermeister darüber sprechen. Bislang hatten die Gespräche mit der Stadt nichts ergeben, aber durch das Angebot von Eugen Viehof jr. könnte sich das ändern.

Er hat genaue Vorstellungen: „Es müssen Menschen sein, die sich nachhaltig für den Vogelschutz interessieren. Wenn sie mit ihrem Wissen nach einem halben Jahr weglaufen, bringt das alles nichts.“ Was er beklagte: Den hohen Bestand vor allem an Elstern, Krähen und Dohlen. Darunter litten viele andere Vogelarten.