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Korschenbroich: Verstorbener Pfarrer missbrauchte Jungen in Kleinenbroich - Reaktionen

Verstorbener Pfarrer : So reagieren Bürger auf Missbrauchsfall in Kleinenbroich

Viel Anerkennung erfährt Christa Wirtz aus Kleinenbroich. Ihre Zivilcourage wird gelobt. Denn sie hatte mit ihrer Mail bewirkt, dass die massiven sexualisierten Gewalttaten des verstorbenen Pfarrers Johannes Wolf bekannt wurden.

Großes Entsetzen, Empörung und Angst – diese Reaktionen überwiegen, seitdem „massive sexualisierte Übergriffe“ – so die GdG Korschenbroich in ihrer Pressemitteilung – durch den 1993 verstorbenen Pfarrer Johannes Wolf bekannt geworden sind. Anerkennung gibt es für Christa Wirtz aus Kleinenbroich, die mit ihrer Initiative die traurigen Vorkommnisse in der St. Dionysius-Kirchengemeinde öffentlich gemacht hat. Unsere Redaktion hat ein paar Stimmen in der Stadt und ihren Ortsteilen eingeholt.

Beim Spaziergang, am Telefon und per Messenger wurde Christa Wirtz aus Kleinenbroich darauf angesprochen, dass sie die Missbrauchsvorwürfe um den verstorbenen Pfarrer Johannes Wolf bekannt gemacht hat. „Bislang habe ich nur positive Resonanz erfahren“, so Wirtz. „Endlich macht mal jemand etwas.“ „Danke für Ihre Zivilcourage.“ „Hut ab vor Ihnen, Frau Wirtz!“ So oder ähnlich lauteten die Reaktionen, erzählt sie. Dabei hatte sie am Dienstag, als sie unserer Redaktion ihre Motivation geschildert  hat, eine Mail an den CDU-Fraktionsvorsitzenden Thomas Siegers zu schreiben, noch Befürchtungen gehabt. Ihre Sorge war, dass Menschen ihr vorwerfen würden, die Causa Johannes Wolf an die Öffentlichkeit gebracht zu haben. „Das halte ich aus, denn ich stehe dazu“, hatte sie gesagt und die Initiative dafür ergriffen, dass die Johannes-Wolf-Straße umbenannt werden soll. Nun freue sie sich über die Unterstützung.

  • St. Dionysius Kirche in Kleinenbroich.
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  • Johannes-Wolf-Strasse
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  • Von 1950 bis 1974 war Johannes
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Dieter Schulz aus Glehn investiert sehr viel Zeit in die Geschicke seiner Heimatpfarre in Glehn. Als der 76-Jährige erfuhr, was nur fünf Autominuten entfernt von Glehns Kirche Sankt Pankratius jahrzehntelang durch den 1993 verstorbenen Pfarrer Johannes Wolf geschehen war, hat ihn das geschockt: „Das geht gar nicht – weder in der Kirche noch in der Gesellschaft! Ganz gleich, in welcher Institution – Kloster, Sportverein, Schule – es dürfte nicht passieren. Das Vertrauen der Kinder ist ausgenutzt worden!“ Seinem Entsetzen macht er Luft, betont aber auch, dass er sich privat äußere und nicht in seiner Eigenschaft als geschäftsführender Vorstand des Kirchenvorstands.

 Dieter Schulz ist geschockt, dass das Vertrauen von Kindern ausgenutzt wurde.
Dieter Schulz ist geschockt, dass das Vertrauen von Kindern ausgenutzt wurde. Foto: Karin Verhoeven-Meurer

Jana Mechelinck ist Physiotherapeutin und Osteopatin in Korschenbroich. Sie ist entsetzt: „Schrecklich. man bekommt regelrecht Angst, seine Kinder jemandem anzuvertrauen und wird immer ängstlicher.“. Die 32-Jährige erwartet Anfang Oktober ihr zweites Kind, ihre Tochter Coline ist zwei Jahre alt. Jana Mechelinck hofft, dass ihren und auch allen anderen Kindern traumatisierende Erfahrungen wie den Betroffenen, denen durch einen Pfarrer jahrzehntelang sexualisierte Gewalt angetan worden ist, erspart bleiben.

Richtig wütend ist Joachim Schröder aus Glehn: „Misshandlungen und sexuelle Gewalt Schutzbefohlenen gegenüber – das geht überhaupt nicht. Das Vertrauen von Kindern darf nicht ausgenutzt werden“, sagt der 55-jährige kaufmännische Angestellte, der sich als Vorsitzender der Heimatfreunde Glehn und seit 29 Jahren als ehrenamtlicher Küster engagiert. In Richtung Erzbistum Köln wettert er: „Ich kann nicht verstehen, dass so ein Rainer Maria Woelki keine Verantwortung dafür trägt, was in seinem Erzbistum geschehen ist.“ Dass Misshandlungen und sexuelle Gewalt auch in Kleinenbroich über Jahrzehnte durch einen Priester praktiziert wurden, mache ihn fassungslos.

 Joachim Schröder ist ehrenamtlicher Küster und richtiggehend wütend.
Joachim Schröder ist ehrenamtlicher Küster und richtiggehend wütend. Foto: Karin Verhoeven-Meurer
 Renate Schumacher ist kfd-Vorstandsmitglied und hofft auf mehr Hilfe durch die Basis.
Renate Schumacher ist kfd-Vorstandsmitglied und hofft auf mehr Hilfe durch die Basis. Foto: Karin Verhoeven-Meurer

Renate Schumacher vom Vorstandsteam der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) aus Glehn sagt: „Ich glaube, dass so etwas überall passiert ist und sogar im Sportverein oder im privaten Umfeld von Kindern und Jugendlichen passieren kann. Wenn es so nah bei uns gewesen ist, berührt einen das natürlich noch mehr.“ Die 60-Jährige kritisiert, wie die Institution Kirche mit der Aufarbeitung derartiger Fälle umgeht. „Nur dadurch, dass die Gemeinde Sankt Dionysius Kleinenbroich selbst aktiv geworden ist und nicht locker gelassen hat zu hinterfragen, ist letztlich vieles an die Öffentlichkeit gekommen und es könnte möglicherweise noch mehr werden.“ Sie betont: „Es ist ein grundsätzliches Problem der katholischen Kirche, dass alle Problemaufarbeitung immer nur von der Basis angestoßen werden muss.“