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Korschenbroich: Transition Town für Nachhaltigkeit und Klimaschutz

Transition Town Korschenbroich : „Wir fangen nicht bei Null an“

Oliver Sitt und 40 Mitstreiter bei Transition Town Korschenbroich wollen zeigen, dass ein einfaches Leben auch ein besseres ist. Sie wollen die regionale Versorgung unterstützen und zum Wiederbeleben alter Fähigkeiten motivieren.

„Wir machen es einfach.“ Das ist nicht nur die Überschrift auf einem Flyer, sondern für Oliver Sitt ein Lebensmotto. „Schon in meiner Jugend, als der Klimawandel noch Treibhauseffekt hieß, habe ich mich für Natur und Umwelt interessiert.“ Inzwischen arbeitet Sitt mit etwa 30 bis 40 Mitstreitern in einer Initiative, die den Namen Transition Town trägt. Übersetzt heißt das „Stadt im Wandel“, und diesen Wandel wollen die Mitglieder der Initiative nicht nur mitgestalten, sondern auch vorleben. Gegründet wurde Transition Town in England. „Es geht um den Wandel vom Ausstieg aus der Verstromung durch fossile Brennstoffe bis zur Versorgung durch regionale Lebensmittel.“

Korschenbroich sei schon gut aufgestellt, sagt Sitt. Es gebe eine ländlich gute Nahversorgung, den Anschluss an das S-Bahn-Netz und den Bürgerbus. „Es ist was da, wir fangen also hier nicht bei Null an.“ Dennoch: Oliver Sitt will mit der Initiative viele Menschen erreichen, denn die Veränderung beginne mit jedem einzelnen. Die Initiative zeigt etwa, wie man einen Baum richtig pflanzt, wie man Gemüse anbaut und sich selbst versorgt, wie man stricken und häkeln kann. „Wir wollen alte Fähigkeiten wiederbeleben.“ Dazu bietet Transition Town in Korschenbroich Veranstaltungen an. Die bekannteste ist das Repair Café in Kleinenbroich, wohin Menschen Altgeräte bringen können, die im besten Fall wieder funktionstüchtig gemacht werden. „Außerdem besuchen wir Imker und informieren uns über die Honiggewinnung, sehen Filme dazu und hören Vorträge.“

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Zu den Informationsveranstaltungen gehören auch Besuche auf dem Lammertzhof in Kaarst, auf dem Biohof Essers in Neuenhoven, bei Apfelbauern in Liedberg und bei der Bäckerei Huppertz in Korschenbroich. „Wir wollen altes Handwerk kennenlernen, manches auch selbst machen, aber vor allem wollen wir uns regional ernähren.“ Deshalb sollen auch Marmeladen eingekocht werden. „Und wenn wir von einer Sorte zu viel haben, veranstalten wir Tauschbörsen.“

Die jüngsten Ankündigungen der Bundesregierung zum Klimawandel stellen Oliver Sitt nicht zufrieden. Denn die heutige Situation sei völlig anders als zu der Zeit der Pariser Klimabeschlüsse. „Inzwischen haben wir hier die große Trockenheit erlebt. Wenn wir jetzt nichts tun, wird es für alle viel härter werden.“ Er selber hätte die Klimabeschlüsse deutlicher formuliert, aber Oliver Sitt räumt ein: „Es gibt keine Patentlösung.“ Eine gute Idee sei es, dass die Stadt Korschenbroich einen Klimamanager einstelle, „das finde ich dringend nötig.“

Die Aufgaben dieses Managers sieht Oliver Sitt vor allem darin, Ideen und Vorschläge zu entwickeln, etwa zum Individualverkehr. „Vielleicht könnte der Bürgerbus regelmäßig die S-Bahn-Stationen anfahren. Das würde den Autoverkehr verringern.“ Vor allem aber müsse der Klimamanager die Potenziale benennen, um zu wissen, was genau man machen könne, um der Umwelt nicht zu schaden.

„Den meisten Menschen ist nicht bewusst, in welcher Lage wir sind“, sagt Oliver Sitt. Er hat sich inzwischen einer Gruppe angeschlossen, die sich Extinction Rebellion nennt. „Es geht um Aufstand oder Aussterben.“ Aufstand bedeute aber nicht, dass die Gruppe Gewalt ausübe, um Ziele zu erreichen. „Es geht um gezielte Regelverstöße wie etwa Besetzung von Plätzen oder Straßen.“ Natürlich weiß Sitt, dass er niemanden zu einer einfacheren Lebensweise zwingen kann, aber er sagt: „Wir müssen vorangehen und zeigen, wie es geht. Und das dies auch ein besseres Leben ist.“