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Korschenbroich: Tobias Hoeps ist neuer Leiter des Kulturbahnhofs Korschenbroich

Heimatverein Korschenbroich hat gewählt : Historiker leitet den Kulturbahnhof

Tobias Hoeps übernimmt ehrenamtlich das Museum als neuer Leiter. Was sich der 32-Jährige vorgenommen hat und welche Ausstellung geplant ist.

Manche Dinge passieren einfach, kommentiert Tobias Hoeps seinen Weg zum neuen Leiter des Kulturbahnhofs Korschenbroich. Vielleicht spielen bei ihm neben fachlichem Interesse und persönlichem Einsatzwillen auch genetische Aspekte mit. Der 32-jährige Historiker ist der jüngere Bruder der Kulturamtsmitarbeiterin Nina Nierwetberg, die einst fünf Jahre lang die Geschicke des Hauses ehrenamtlich betreute. „Als meine Schwester das gemacht hat, habe ich manchmal geholfen und dabei einiges mitbekommen. Damals konnte ich mir nicht vorstellen, selbst einmal Leiter zu werden. Vermutlich war ich zu jung“, sagt der Korschenbroicher.

Irgendwann packte ihn doch die Begeisterung für das Aufgabenspektrum eines Museums. Während des Studiums der Fächer Geschichte und Politikwissenschaft arbeitete er im Bonner Haus der Geschichte, nach dem Master im Schwerpunkt Neueste Geschichte im Industriemuseum Oberhausen. Da die beruflichen Aussichten im Museumsbetrieb mit Zeitverträgen und Projektanstellungen „nicht so doll“ sind, wechselte er zum Landschaftsverband Rheinland. Hier ist er Referent für Digitalisierung.

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Als während der Pandemie dank homeoffice das tägliche Pendeln nach Köln wegfiel, entdeckte der junge Familienvater für sich eine Zeitreserve. Die macht es ihm möglich, den Traum von der Museumsarbeit im Ehrenamt zu leben. Auf der Mitgliederversammlung des Heimatvereins wurde Hoeps zum Museumsleiter gewählt. Damit schließt er die Lücke, die Vorgängerin Hilla Baecker hinterlassen hat.

Mit ihm hätten nun historische Themen gute Chancen, ins Ausstellungsprogramm zu finden. Doch er wolle auf jeden Fall auch künstlerische Themen aufgreifen und strebe ein möglichst breites Spektrum an, versichert Hoeps. Dabei sei ihm Vernetzung wichtig, wie sie bereits zuvor gepflegt wurde.

Für die im September in Kooperation mit dem Kulturamt geplante Ausstellung „Unges Platt“ sei ihm der Kontakt zum Glehner Buretheater und weiteren Korschenbroicher Institutionen „immens wichtig“. „Da bündeln sich vielfältige Expertisen und Leidenschaften von Menschen, die für das Thema brennen“, sagt Hoeps.

Begeistert ist er von der Themenroute „Frauen.Land.Leben“ mit dem Fokus auf Frauen mit bedeutendem Lebenswerk, die im Themenjahr „Provinz“ der kulturhistorischen Museen am Niederrhein vom Verein „Korschenbroich liest“ im Juni und Juli ausgerichtet worden ist.

Für das kommende Jahr verspricht Hoeps einen Ausstellungsmix mit Kunst und historischen Themen. Er hofft, über die treuen Besucher hinaus weitere Zielgruppen und damit auch mehr junge Leute für den Kulturbahnhof interessieren zu können. Die Erweiterung der klassischen Museumsarbeit um digitale Möglichkeiten werde besonders von den Jüngeren gut angenommen.

„Das Durchschnittsalter der Mitglieder im Heimatverein ist hoch. Das bisher Aufgebaute kann nur erhalten werden, wenn nachfolgende Generationen bereit sind, das fortzuführen“, sagt Hoeps. Als verlässliche Konstante lobt er Roswitha Hermanns‘ besonderen Einsatz – auch während der Vakanz. „Ich kann auf ihren Erfahrungsschatz zurückgreifen, was das Leben leichter macht, und auf jeden Fall macht die Arbeit so viel mehr Spaß“, honoriert Hoeps das Wirken seiner Stellvertreterin. Er betont, wie wichtig ihm die Erhaltung des Kulturbahnhofs als lebendiger Ort der Kommunikation sei. Dafür böten die Ausstellungen ein wichtiges Forum.

Hoeps bezeichnet die Wechselausstellungen als einen von drei Bausteinen. Die Ausstattung hierfür sei „vernünftig“, vielfältig nutzbar, bedürfe aber einer Überholung. Für die Dauerausstellung wünscht er sich, dass diese zum Beispiel für Schulen relevanter und auf Jahre nachhaltiger wird. Wegen begrenzter Personenstärke und Zeitkontingente rechnet er aber mit einem langwierigen Prozess.

Schließlich nennt er die Cafeteria. Für die sei bereits beschlossen worden, sie moderner und leichter zugänglich zu gestalten. Nötig seien eine neue Kaffeemaschine, neues Mobiliar und eine neue Raumaufteilung. Aufwand und Ertrag müssten aber im sinnvollen Verhältnis sein. Wiederkehrendes Thema ist die Finanzierung.

Der Verein arbeite daran, mögliche Fördermittel zu finden und zu erhalten, sagt Hoeps. Es soll dabei bleiben, dass der Kulturbahnhof bei freiem Eintritt ein offener Ort für alle bleibt.