Korschenbroich: Streit im Grünen-Ortsverband - Fraktion spaltet sich

Ortsverband ist zerstritten : Die Korschenbroicher Grünen-Fraktion spaltet sich

Aus vier mach zwei. Die Grünen-Fraktion im Stadtrat ist seit Dienstag nur noch halb so groß. Die Gründe dafür liegen im Ortsverband. Die Abtrünnigen führen sich dort nicht ausreichend unterstützt. Auch der Ortsvorstand fällt auseinander.

Fraktionschef Wolfgang Houben und Sabine Lufen verlassen mit sofortiger Wirkung die Stadtratsfraktion der Grünen. Diese Nachricht verkündete Bürgermeister Marc Venten vor Sitzungsbeginn am Dienstag. Eine Entscheidung, die unter den übrigen Fraktionen für Überraschung sorgte. Doch was hat Houben und Lufen zu diesem Schritt bewogen? Spurensuche am Tag danach.

„Der Grund für unseren Entschluss hat nichts mit der Fraktion zu tun“, sagt Houben. Die Zusammenarbeit sei gut gewesen. Die Probleme lägen außerhalb des Stadtrats. „Die Unterstützung durch den Ortsverband ist so weggebrochen, dass ich nicht gesehen habe, wie das weitergehen soll“, sagt er. Ähnliches berichtet Sabine Lufen. „Unsere Idee, die Fraktion zu verlassen, ist gemeinsam entstanden“, sagt sie. „Der Rückhalt hat gefehlt.“ Inhaltliche Differenzen habe es nicht gegeben, sagen beide. Für Houben ist das Problem, dass sich der Ortsverband „nur mit der Zukunft und nicht mit der Gegenwart“ beschäftige. Kaum jemand habe sich für die anstehenden Haushaltsberatungen interessiert. Und dass sei nun einmal die entscheidende Frage der nächsten Wochen. Beratungen, die Houben und Lufen erst einmal fraktionslos angehen wollen. Sind diese Sachdiskussionen erfolgt, wollen beide gemeinsam eine neue Fraktion gründen.

Die scheinbar unüberbrückbaren Differenzen mit dem Ortsverband sind auch insofern interessant, als Lufen dort selbst Mitglied des Vorstandes ist. Seit zwölf Jahren ist sie Kassiererin der Korschenbroicher Grünen. „Ich wollte bei der Mitgliederversammlung Anfang nächsten Jahres eh aufhören“, sagt Lufen. „Wenn man mich lässt, mache ich bis dahin weiter.“

Bleiben die zwei Ortsverbandssprecherinnen. Doch auch Manuela Antoni scheint nicht das Problem zu sein. Sie bedauere außerordentlich, dass sich Houben und Lufen zu diesem Schritt entschlossen hätten. Und mehr noch: „Auch ich werde nächstes Jahr nicht erneut kandidieren“, sagt sie. Mit gewissen Leuten wolle sie nicht mehr zusammenarbeiten. Manch Unschönes sei vorgefallen. Überhaupt, bei allem Bedauern, sie verstehe die Austritte. „Die beiden haben viel erreicht“, sagt sie. Aber in der Partei herrsche wenig Respekt vor der Arbeit anderer. „Um es vorsichtig auszudrücken.“

Niemand der enttäuschten Grünen nennt Namen. Niemand will konkret berichten, was vorgefallen ist. Die letzte Verbliebene im Vorstand, Julia-Kathrin Edelburg, bestätigt „Auseinandersetzungen“ und bedauert die Entscheidung von Houben und Lufen „Sie waren das Gesicht der Grünen im Ort“, sagt sie. Dass auch Antoni aufhören möchte, sei ihr neu. Weiter möchte sich Edelburg nicht zu den Ursachen äußern. „Dass muss ich jetzt erstmal mit ihr besprechen“, sagt sie.

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