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Korschenbroich: Stefanie Hermes stellt ein Modell des alten Dorfkerns her

Modell des Dorfkerns von 1920 : Alt-Korschenbroich als Bronzeguss

Die Künstlerin Stefanie Hermes lässt in ihrem Modell den Dorfkern des Jahres 1920 wiederaufleben. Die fertige Fassung soll im Herbst an der Sebastianusstraße aufgestellt werden.

Das alte Dorf passt auf eine Tischtennisplatte. So groß ist das Modell „Korschenbroich 1920“, das die Künstlerin Stephanie Hermes aus Plastilin, einer ton- und wachsähnlichen Masse, geformt hat. In ihrem Atelier in der Gilleshütte ist in viermonatiger Kleinstarbeit Haus für Haus eine Dorfansicht entstanden, wie sie ansonsten nur auf historischen Postkarten zu bestaunen ist. Der Kirchturm überragt alles, das Hannenhaus ist so groß wie eine Streicholzschachtel, die Hannen-Brauerei prägt als mächtiges Ensemble die Ortsansicht.

„Die Hannen-Brauerei war die größte Herausforderung“, sagt Hermes. Mit alten Zeichnungen und Darstellungen musste sie sich der Gestalt des historischen Gebäudes annäheren. Wie bei vielen anderen Häusern, die heute nicht mehr stehen. Ob durch Kriegsschäden oder eine bewusste Neugestaltung der heutigen Stadt in den 1960er und 70er Jahren. „Im Oktober habe ich mit der Recherche begonnen“, sagt Hermes. Danach ging es dann an die praktische Arbeit.

Hermes’ Werk ist eine Auftragsarbeit, die aus einer Idee Marc Ventens entstanden ist. „Ich habe mal irgendwo anders so ein ähnliches Objekt gesehen“, sagt der Korschenbroicher Bürgermeister. „Da dachte ich mir, das wäre doch auch für Korschenbroich interessant.“ Den Kontakt zu Hermes stellte der Denkmal-Beauftragte Günter Thoren her. Die aus dem Hochsauerlandkreis stammende Künstlerin lebt seit rund 20 Jahren in Korschenbroich. „Es ist schön, dass das Modell hier vor Ort angefertigt wurde“; sagt Venten. Die fertige Bronze soll im Herbst an markanter Stelle in der Nähe der Stadtverwaltung aufgestellt werden. Und dabei so platziert werden, dass die Passanten das Modell und den heutigen Ortskern im Blick haben. „Die Bürger sollen vergleichen können“, sagt Venten.

Sie sehen dann nicht nur, dass die Brauerei längst verschwunden ist. Sondern auch, dass viele Neubauten hinzugekommen sind, sich das Dorf zur Kleinstadt gewandelt hat. Wie überschaubar Korschenbroich vor hundert Jahren war, wird im Modell eindrucksvoll deutlich: Bauerngehöfte mit Wiesen und Äckern, hinter den Straßenzügen große Gärten, an der Kirche prächtige Bürgerhäuser, insgesamt ein schmuckes kleines Dorf.

Künstlerin Stefanie Hermes hat ein Modell von Korschen­broich aus dem Jahr 1920 aus Plastilin geformt. Foto: Horst Thoren. Foto: Horst Thoren

An historischer Bausubstanz blieb nicht viel erhalten, wie der Vergleich des Modells mit dem heutigen Stadtkern zeigt. Und doch gibt es prägnante Bauten, um deren Erhalt sich der Verein „Korschenbroich – unsere Heimat“ bemüht. Der Verein hat die Anregung Ventens aufgegriffen und das Modell bei Hermes in Auftrag gegeben. Es soll das „Dorfbewusstsein“ stärken, wie Günter Thoren und Jupp Lambertz bei einem Ortstermin im Atelier der Künstlerin in der alten Gilleshütte betonten. Die Hälfte der entstehenden Kosten bezahlt der Verein aus einem Landesfördertopf selbst, zehn Prozent kommen von der Stadt. Der Rest soll aus Spenden finanziert werden.

Thoren und Lambertz möchten mit ihrem Projekt erreichen, dass Korschenbroich die verbliebene historische Prägung behält. Die Wahl des Jahres 1920 erfolgte auch im Hinblick auf die vorhandene Baustruktur, wie Venten erklärt. „Es sollte auf jeden Fall ein Zeitpunkt vor dem Zweiten Weltkrieg sein“, sagt er. Bevor Bomben einige der Gebäude zerstört hätten. Auch die runde Zahl von 100 vergangenen Jahren dürfte eine Rolle gespielt haben.

Hermes hat ihre Arbeit zunächst abgeschlossen. Das Modell ist jedoch noch längst nicht fertig. Vergangene Woche wurde es für die nächste Arbeitsphase ins Münsterland gebracht. Dort entsteht in mehreren Schritten  eine fertige Form, die – ähnlich wie beim Glockenguss – schließlich mit flüssiger Bronze ausgegossen wird.

Stefanie Hermes freut sich schon darauf, „Korschenbroich 1920“ im letzten Arbeitsgang aufpolieren zu können. Bis zum Herbstfest soll das Bronzemodell nach aktueller Planung aufgestellt werden. Auf einem Basaltblock, groß wie eine Tischtennisplatte, wird Alt-Korschenbroich dann an der Sebastianusstraße in neuem Glanz erstrahlen.

(mlat/RP)