Korschenbroich: Stefan Lauscher aus Herrenshoff fährt mit Rad durch die USA

Vier Monate unterwegs : Herrenshoffer fährt mit dem Fahrrad von Alaska nach Las Vegas

8000 Kilometer über die „Panamericana“: Stefan Lauscher ist mit einem Freund vier Monate lang durch die USA und Kanada geradelt. Eine Geschichte von atemberaubender Natur, gefährlichen Bären und schillernden Casinos.

Wo eigentlich nur Pick-ups und Harleys über den Asphalt donnern, fallen Radfahrer umso stärker auf. „Unterwegs kamen wir super mit den Menschen ins Gespräch“, sagt Stefan Lauscher und blickt auf einige spannende Begegnungen zurück. „Viele haben uns gefragt, wo wir herkommen und wie lange wir unterwegs sind. Einige haben uns sogar spontan angeboten, bei ihnen zu übernachten. So mussten wir nicht zelten.“ Mit „wir“ meint der Herrenshoffer sich und seinen guten Freund Rainer Aepfelbach, mit dem er in vier Monaten rund 8000 Kilometer durch Amerika und Kanada zurückgelegt hat – und zwar mit dem Fahrrad. Eine Radtour dieser Länge bringt nicht nur die Menschen jenseits des Atlantiks zum Staunen.

Auf ihrem Weg von Anchorage in Alaska nach Las Vegas in Nevada haben die Radfahrer nicht nur viele nette Menschen kennengelernt: Sie haben entlang der amerikanischen Westküste vor allem „irre Natur“ erlebt. „Alaska war wild, rau und weit. Manchmal war es bitterkalt, da sind wir bei nur fünf oder sechs Grad gefahren“, sagt Stefan Lauscher, den es gereizt hat, mal „was Verrücktes“ zu machen und komplett aus dem Alltag auszubrechen. Das dem 61-Jährigen wohl gelungen.

Für die Reise hat Lauscher, der als Hörfunk-Redakteur arbeitet, seinen Jahresurlaub geopfert und auf Gehalt verzichtet. Und das hat sich schon wegen der Aussicht auf die Berge gelohnt. „Ich war zum ersten Mal in Alaska. Es ist ein traumhaft schönes Land.“ – Wenn es auch einige Strapazen zu bewältigen galt: Ab und zu kamen die Radler in völlig entlegende Gegenden. „Da stehen Schilder, die darauf hinweisen, dass es die nächsten 100 Kilometer keinen Service gibt – also keinen Rastplatz, kein Hotel, nichts. Das ist für Radfahrer eine Ansage.“

Und dann war da noch die Sache mit den Bären. „Wenn wir abends unsere Zelte in der Walachei aufgeschlagen haben, haben wir unsere Fahrradtaschen mit dem Reiseproviant einige Meter entfernt hoch in einen Baum gehangen, damit keine Bären an die Taschen gehen“, berichtet Stefan Lauscher, der unterwegs tatsächlich Bären gesichtet hat: „In Kanada gibt es Schwarzbären, über zwei Meter groß. Einen haben wir gesehen, der hatte sich auf seine Tatzen gestellt und Witterung aufgenommen.“ Ob er keine Angst hatte? „Wir haben uns vorab informiert, wie man sich verhalten soll, wenn man einem Bären begegnet. Wir konnten ruhig bleiben und haben uns langsam zurückgezogen.“

Für den Herrenshoffer, der Mitglied im ADFC ist, war die Radtour das bisher größte Abenteuer seines Lebens. Unterwegs bewältigte er mit seinem Freund mehrere 2000-Meter-Pässe, insgesamt 70.000 Höhenmeter. Vorbeigekommen sind sie an Vancover und Seatlle, an San Francisco und Los Angeles. „Die Mischung war super“, sagt Lauscher rückblickend. Und immer wieder gerät er ins Schwärmen: „Toll war auch der Wilde Westen. Wir sind kurz vor Los Angeles nach Las Vegas ins Landesinnere abgebogen und dort durch Death Valley gefahren.“ In den Wüsten Nevadas und Kaliforniens herrschten Temperaturen von bis zu 43 Grad – ein krasser Gegensatz zu denen in Alaska. „Im Süden hat es keinen einzigen Tag geregnet, in Kanada hatten wir mal eine Woche am Stück fast nur Regen.“ Nach 8000 Kilometern über die „Panamericana“ in Las Vegas angekommen, sind die beiden Radfahrer über den berühmten „Strip“ gewandert und haben erst einmal 50 Dollar in einem der schillernden Casinos verzockt. „Das haben wir uns gegönnt.“

Dieses Schild warnte die Radfahrer in der Wüste vor extremer Hitze. Die Fahrt bei Temperaturen von bis zu 43 Grad haben beide gut überstanden. Foto: Lauscher, Stefan
Haben sich gut verstanden: Stafen Lauscher (l.) mit seinem Freund Rainer Aepfelbach mitten in der Wüste. Foto: Lauscher, Stefan
Einige Pelikane entspannen sich an der Pazifikküste. Foto: Lauscher, Stefan
Den Pazifik stets im Blick: Die Route führte die Radfahrer an der amerikanischen Westküste entlang. Foto: Lauscher, Stefan
Ruhe bewahren und langsam weggehen: Diesem Bären sind die Radfahrer in Kanada begegnet. Foto: Lauscher, Stefan
„Welcome to Fabulous Las Vegas“: Ein Schnappschuss vor diesem Schild ist für Las-Vegas-Besucher ein Muss. Foto: Lauscher, Stefan
Stafen Lauscher aus Korschenbroich fährt vier Monate mit dem Fahrrad durch die USA Amerika. Foto: Lauscher, Stefan
Mit dem Rad über die Golden Gate Bridge. „Das war ein erhebendes Gefühl“, sagt Stefan Lauscher. Foto: Lauscher, Stefan

Das Gute: Beide sind während der vier Monate gesund geblieben. Und: Auch ihre Räder haben die Belastungen ohne große Probleme überstanden. „Drei Tage vor unserer Rückreise hatten wir mal einen Platten, aber das ist nicht der Rede wert“, sagt Lauscher. Und seine nächste Reise? Die hat er schon geplant – diesmal mit seiner Frau. „Es geht nach Kuba, auch wieder mit Fahrrädern. Aber nur für drei Wochen. Das ist ja ein Klacks.“

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