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Korschenbroich: Stadtarchiv wird 30

Korschenbroich : Das Gedächtnis der Stadt hat Lücken

Vor 30 Jahren wurde das Stadtarchiv Korschenbroich begründet. Mit der kommunalen Neugliederung ist manches verloren gegangen.

Das Archiv wird allgemein als das Gedächtnis der Stadt bezeichnet. Doch dieses Gedächtnis hat Lücken, weiß Christiane Mittermaier. Sie gehört neben Maria Leuchtges zu den Archivarinnen der Stadt. „Die Lücken kommen insbesondere aus dem Zweiten Weltkrieg und aus der Kommunalen Neugliederung 1975.“ Als nämlich Korschenbroichs Kommunen noch selbständig waren, hatten sie eigene Archive, die nach der Neugliederung erst nach und nach an die neue Gemeinde und spätere Stadt Korschenbroich weitergeben wurden. Da mag sicher manches verloren gegangen sein. „1975 gab es ein anderes Geschichtsbewusstsein. Das hat sich erst später entwickelt“, sagt Maria Leuchtges. Das Stadtarchiv selbst ist erst 13 Jahre nach der Kommunalen Neugliederung gegründet worden: 1988. Es feiert somit in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen.

Heute ist es ein wohldurchdachtes Gedächtnis Korschenbroichs, was Maria Leuchtges und Christiane Mittermaier mit viel Herzblut verwalten. „Eine gute Organisation ist von unschätzbarem Wert“, sagt Leuchtges. Vor der kommunalen Neugliederung war sie bei der Gemeindeverwaltung in Glehn beschäftigt. Mit dem 1. Januar 1975 hatte Maria Leuchtges eine neue Aufgabe in Korschenbroich und einen neuen Chef, den damaligen Amtsdirektor und späteren Stadtdirektor Willi Esser. Und der legte einen besonderen Wert auf Geschichte, um auch nach und nach ein Bewusstsein für die neue kommunale Gemeinschaft namens Korschenbroich zu schaffen.

Was aber sammelt das Archiv überhaupt? „Wir haben die Ratsprotokolle der Gemeinden, Kirchen- und Personenstandsbücher, Schulchroniken, Karten und Pläne sowie weitere kleinere Sammlungen“, sagt Christiane Mittermaier. Der älteste Originaltext stammt aus dem Jahr 1751, ein Kaufvertrag aus Glehn. Das Buch, in dem der Vertrag niedergelegt ist, wird natürlich ganz behutsam und vorsichtig behandelt. Das gilt auch, wenn Besucher kommen. „Lehrer fragen an, Grundschulen schauen vorbei, wenn sie Heimatkunde als Thema haben. Wenn bestimmte Projekte im Gymnasium auf dem Themenplan stehen, werden wir auch gerne aufgesucht“, sagt Kulturamtsleiterin Michaele Messmann, zu deren vielfältigen Aufgaben in der Verwaltung auch das Archiv gehört.

Was Archivare vor allem beschäftigt, ist die Frage, wie man alles für die Zukunft sichert. „Am besten wären Glasplatten“, sagt Christiane Mittermaier. Noch weiß sie zum Beispiel nicht, wie das Material gesichert wird, das die Stadt mit ihrer digitalen Ratsarbeit produziert. Denn zwischen dem Programm für das Archiv und der Verwaltungssoftware für die Ratsmitglieder gibt es noch keine Schnittstelle. „Damit werden wir uns beschäftigen müssen“, sagt Michaele Messmann.

Ein weiteres Thema sind Fotos aus alter Zeit. Denn dort sind oft Menschen abgebildet, deren Namen niemand mehr zu kennen scheint. Sie zu recherchieren ist eine große Aufgabe. Da sind zum Beispiel die Kontakte wichtig, die das Stadtarchiv zu den Korschenbroicher Heimatvereinen unterhält. Die beiden Archivarinnen jedenfalls fühlen sich wohl mit ihrer Arbeit. „Sie ist sehr vielseitig“, sagt Maria Leuchtges. Christiane Mittermaier ergänzt: „Letztlich sind wir die Geschichtsverwalterinnen der Stadt.“