Korschenbroich: Stadt wirbt für grüne Vorgärten

Thema im Umweltausschuss : Stadt Korschenbroich wirbt für grüne Vorgärten

Mit mehreren Maßnahmen will Korschenbroich insektenfreundlicher werden. So sollen Hauseigentümer gefördert werden, die ihren Schottervorgarten wieder naturnah gestalten. Die Grünen wollen zudem auf mehr Information setzen.

Für Wolfgang Houben ist der Trend äußerst beunruhigend. „Vor etwa fünf Jahren ist das Phänomen der Schottervorgärten in Korschenbroich aufgetaucht, und mittlerweile ist die Situation dramatisch, wenn ich durch einige Wohngebiete spaziere“, sagt der Fraktionsvorsitzende Bündnis90/Die Grünen. Schon im vergangenen Herbst dachte er darüber nach, einen Antrag im Umweltausschuss zu stellen, um etwas gegen die Versiegelung der Vorgärten zu unternehmen. „Damals ging der Gedanke dabei noch in die Richtung, in Sachen Bauordnung Vorschriften zu erlassen“, sagt Houben.

Nun hat sich die Fraktion aber dazu entschieden, die Verwaltung zu beauftragen, generell Anreize für klimafreundliche Vorgärten zu schaffen. Als Houben den Antrag Mitte April stellte, wusste er noch nicht, dass die Stadt sich ebenfalls diesbezüglich bereits Gedanken gemacht hat. So wird die Verwaltung am Dienstag im Umweltausschuss ein Programm für das Jahr 2020 vorstellen, das die naturnahe Gestaltung von Vorgärten fördern soll.

Das Programm soll sich an Hauseigentümer und Eigentümergemeinschaften richten, die bereit sind, ihre versiegelten Vorgärten wieder in Grünflächen umzuwandeln. Sind die Kriterien von einer Mindestfläche von zehn Quadratmetern sowie der Verpflichtung, die Begrünung mindestens zehn Jahre zu erhalten, gegeben, soll es einen Förderbetrag von 2,50 Euro pro Quadratmeter geben – bei einem Höchstbetrag von 500 Euro. Insgesamt sollen für das Haushaltsjahr 25.000 Euro dafür  bereitgestellt werden. „Das ist grundsätzlich ein guter Gedanke, ob es allerdings gelingt, angesichts unserer Haushaltssituation dieses Geld zu bekommen, sehe ich kritisch“, sagt Houben, der zugleich Vorsitzender der Umweltausschusses ist.

Der Kampf gegen Schottervorgärten ist für die Stadt indes nur ein Baustein eines Maßnahmenpaketes, um Korschenbroich insektenfreundlicher zu machen. So hat sie zuletzt vor der Kleingartenanlage an der Donatusstraße sowie ein Stück entlang des Trietbaches am Borrenweg zwei neue Blumenwiesen angelegt. „Alle Welt beklagt das Insektensterben, hier muss auch die Stadt aktiv werden“, sagt Theo Verjans, in der städtischen Verwaltung zuständig für Naturschutz und Landschaftspflege. In den Fokus sollen auch verstärkt entsprechende Festsetzungen in Bebauungsplänen mit der Auflage zur Anlage von Grünflächen im Vorgarten rücken.

„Da ist bislang zu wenig passiert, in den Neubaugebieten Kleinen­broich und Niers-Aue gibt es zum Beispiel keine konkreten Festsetzungen“, sagt Houben. Seine Fraktion will nun die Verwaltung beauftragen, die Öffentlichkeitsarbeit zu diesem Thema noch zu intensivieren. „Informationsbroschüren könnten eine Möglichkeit sein, um für klimafreundlichere Vorgärten zu werben“, sagt Houben, der hinzufügt: „Als Grund für Steingärten wird gerne die Pflegeleichtigkeit genannt. Doch das ist zum Teil fraglich, weil sich auch in Schottergärten unerwünschte Pflanzen breitmachen, die dann bekämpft werden müssen. Hier kann die Stadt durch Information und Beratung Abhilfe leisten.“