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Korschenbroich: Stadt will „Fairtrade-Town“ werden und erfüllt bereits jetzt viele der Kriterien

Faire Produkte in Korschenbroich : Stadt will „Fairtrade-Town“ werden

Im Bürgermeisterbüro gibt es künftig nur noch fair gehandelten Kaffee. Die Stadt muss allerdings noch einige weitere Kriterien erfüllen.

Die Chancen stehen nicht schlecht, dass Korschenbroich bald den Titel „Fairtrade-Town“ tragen könnte. Zumindest hat der Rat den Weg dafür schon mal geebnet und am Donnerstagabend einstimmig dafür votiert, dass sich die Stadt im Rahmen der internationalen Kampagne von TransFair um den Titel bewerben soll. Zudem wird es künftig bei den Sitzungen im Bürgermeisterbüro nur noch Fairtrade-Kaffee geben. Weitere Produkte wie Zucker, Kakao oder Orangensaft sollen künftig auch nur noch aus der Handelspartnerschaft, dem Fairen Handel, stammen.

Zum Hintergrund: 1992 startete der gemeinnützige Verein TransFair seine Arbeit mit dem Ziel, benachteiligte Produzenten-Familien in Afrika, Asien und Lateinamerika zu fördern und durch fairen Handel deren Lebens- und Arbeitsbedingungen zu verbessern. Insbesondere benachteiligte kleinbäuerliche Familien in den Entwicklungsländern werden so unterstützt. Zum Beispiel decken die festgelegten Mindestpreise die Produktionskosten und sichern so das Existenzminimum. Die gezahlten Aufschläge ermöglichen eine Investition in die Zukunft.

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Die Standards des Fairen Handels entsprechen den internationalen Standards der Fairtrade Labeling Organization International, kurz FLO. Die unabhängige FlocertT GmbH mit Sitz in Bonn stellt sicher, dass die Produkte mit dem Fairtrade-Siegel nach den internationalen FLO-Standards produziert und gehandelt werden.

Weltweit existieren inzwischen über 1000 Fairtrade-Towns. Darunter beispielsweise London, Rom, Brüssel, San Francisco und Kopenhagen. In Deutschland wird die Kampagne seit Januar 2009 durchgeführt. Die Stadt Neuss zählt seit 2009 zu den ersten Fairtrade-Towns in Deutschland. Im März 2010 hatte auch der Kreistag beschlossen, dass sich der Rhein-Kreis Neuss um den internationalen Titel „Fairtrade-Kreis“ bewerben soll.

Auf gemeinsamen Antrag von CDU und SPD hatte der Hauptausschuss der Stadt Korschenbroich in seiner Sitzung vom 14. November 2019 bereits einstimmig eine Empfehlung an den Rat ausgesprochen, die Voraussetzungen für eine Teilnahme an der Kampagne „Fair-Trade-Town“ zu schaffen und dafür einen Betrag in Höhe von 2000 Euro jährlich bereitzustellen. Wie Bürgermeister Marc Venten erklärte, konnten aber aufgrund der Corona-Pandemie erst jetzt die Voraussetzungen für eine Teilnahme geschaffen werden. Denn die Steuerungsgruppe beim Rhein-Kreis Neuss tagt nach rund anderthalb Jahren erstmals wieder am 28. September.

Der Status Fairtrade-Town wird verliehen, wenn fünf weltweit einheitliche Kriterien erfüllt sind: Zum einen muss ein Beschluss der Kommune vorliegen, dass bei allen Sitzungen des Rates und der Ausschüsse sowie im Büro des Bürgermeisters Fairtrade-Kaffee und ein weiteres Produkt aus Fairem Handel verwendet wird. Als weiterer Punkt ist vorgeschrieben, dass eine lokale Steuerungsgruppe gebildet wird, die auf dem Weg zum „Fairtrade-Town“ die Aktivitäten vor Ort koordiniert. Korschenbroich will auf Empfehlung von Fairtrade anstreben, eine eigene lokale Steuerungsgruppe zu bilden.

Weitere Voraussetzung ist, dass in den lokalen Einzelhandelsgeschäften Produkte aus Fairem Handel mit dem entsprechenden Siegel angeboten und in Cafés sowie Restaurants Fairtrade-Produkte ausgeschenkt werden. Die Anforderungen sind nach Einwohnerzahlen gestaffelt. Die Stadt erfüllt die Vorgaben bereits jetzt: Vorgeschrieben sind sieben Geschäfte und vier Gastronomiebetriebe. Bereits jetzt erfüllen elf Geschäfte und vier gastronomische Betriebe dieses Kriterium.

Zudem ist vorgeschrieben, dass in Schulen, Vereinen und Kirchen Fairtrade-Produkte verwendet und Bildungsaktivitäten zum Thema Fairer Handel durchgeführt werden. In Korschenbroich wird dieses Kriterium auch jetzt schon erfüllt. Als fünfter Punkt ist vorgegeben, dass eine kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit zu erfolgen hat.