Korschenbroich: Stadt wehrt sich gegen geplantes Windrad

Diskussion im Planungsausschuss Korschenbroich : Stadt wehrt sich gegen neues Windrad

Ein Investor möchte in Glehn eine neue Windkraftanlage errichten. Das Problem: Sie erfüllt die Vorgaben, die im Regionalplan der Bezirksregierung vorgesehen sind. Allerdings nicht die Regeln des Korschenbroicher Baurechts.

Die Stadt Korschenbroich soll eine neue Windkraftanlage erhalten. Zumindest plant ein privater Investor ein solches Projekt in der Nähe der Glehner Ortschaft Epsendorf. Der Rhein-Kreis Neuss als genehmigungspflichtige Behörde hatte um Stellungnahme gebeten. Der Planungsausschuss der Stadt lehnte den Antrag vergangene Woche zunächst ab.

Im Jahr 2005 wurde im Windpark Korschenbroich-Nord das erste Windrad errichtet. Mittlerweile umfassen die beiden Windparks elf Anlagen. Foto: Ilgner, Detlef (ilg)/Ilgner,Detlef (ilg)

Aus Korschenbroicher Sicht hat die geplante Windkraftanlage in Glehn zwei entscheidende Mängel. Sie ist mit 242,5 Metern deutlich höher als die bisherigen Windräder in Korschenbroich. Und sie liegt zwar innerhalb des Windenenergiebereichs, der im Regionalplan der Bezirksregierung Düsseldorf festgelegt wurde. Allerdings außerhalb der Konzentrationszonen, die die Stadt Korschenbroich für die Errichtung von Windkraftanlagen ausgewiesen hat. Und somit auch deutlich näher an vorhandener Bebauung. Das nächste Wohngebäude in der Blausteinstraße in Epsendorf wäre nur 584 Meter von dem geplanten Windrad entfernt.

Da dies der bisherigen Korschenbroicher Beschlusslage aus dem Jahr 2003 widerspreche, empfahl Dieter Hoffmanns, Leiter des Amts für Stadtentwicklung, die Anlage abzulehnen. Ein Vorschlag, dem sich die Ausschussmitglieder anschlossen. „Es ist begrüßenswert, dass das an dieser Stelle abgelehnt werden soll“, sagte Christiane Schläwe (CDU). „584 Meter nur zur Wohnbebauung – im Grunde genommen ist das so gut wie gar nichts.“ Albert Richter (SPD) pflichtete ihr bei. „Wir verhindern nicht die Windkraft. Wir verhindern nur, was nach unserem Baurecht nicht möglich ist“, sagte er. Lediglich Wolfgang Houben (Grüne Realos) meldete Bedenken an. Es sei zu früh, sich eine abschließende Meinung zu bilden.

Da die Stadt bei diesem Genehmigungsverfahren nicht das letzte Wort hat, könnte die ablehnende Haltung Korschenbroichs der Beginn eines Rechtsstreits sein. Hoffmanns skizzierte zwei Varianten: Entweder der Kreis schließe sich der Ansicht der Stadt an. Dann werde der Investor wohl gegen Stadt und Kreis klagen. Oder der Kreis genehmige das Windrad. Dann würde nach derzeitigem Stand die Stadt gegen die Entscheidung klagen. Erfolgsaussicht unklar.

Bis es soweit kommt, ist als Genehmigungsbehörde zunächst der Kreis am Zug. Dort lässt sich über den Ausgang des Verfahren derzeit noch nichts Genaues sagen. „Wir haben um Stellungnahmen gebeten, die wir zunächst auswerten müssen“, sagt ein Sprecher auf Anfrage unserer Redaktion. Auch von der Stadt Korschenbroich sei bislang noch keine offizielle Antwort eingegangen. „Wenn die Voraussetzungen für die Windkraftanlage erfüllt sind, bleibt uns allerdings gar nichts anderes möglich, als sie auch zu genehmigen“, teilt die Kreisverwaltung mit.

Wann diese Entscheidung gefällt werde, sei derzeit noch unklar. Das hänge auch davon ab, ob in den Stellungsnahmen Widerspruch angemeldet werdet. Da das in Korschenbroich der Fall war, dürfte sich das Genehmigungsverfahren wohl noch ein paar Monate hinziehen.

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