Korschenbroich: Stadt unternimmt Klima-Tour zur Aktion Stadtradeln

Stadtradeln in Korschenbroich : Mit dem Rad auf Klima-Tour

Zur Aktion Stadtradeln bot Korschenbroich eine Rundfahrt an, bei der die Teilnehmer interessante Details zu erneuerbarer Energie im Stadtgebiet erfuhren. Nur die Resonanz war bei hohen Temperaturen überschaubar.

Energie aus Wind, Sonnenlicht oder Gülle: Das alles gibt es längst in Korschenbroich. Die Stadt nutzte daher die Gelegenheit, im Rahmen der Aktion Stadtradeln eine Klima-Radtour anzubieten. Unter Führung von Walter Hintzen vom städtischen Gebäudemanagement konnten die Teilnehmer an verschiedenen Standorten im Stadtgebiet erneuerbare Energie hautnah erleben – und interessante Details erfahren.

Bereits frühzeitig hat sich Korschenbroich auf den Weg der nachhaltigen Energieerzeugung begeben. Die Stadt machte von der Möglichkeit im Bauplanungsrecht Gebrauch, sogenannte Konzentrationszonen für Windenergieanlagen im Flächennutzungsplan auszuweisen. Damit konnte sie den Standort für Windräder auf eigenem Terrain selbst festlegen. 2004 stieg man in die Planung ein, heute stehen insgesamt neun Windräder auf Glehner Stadtgebiet. Sie bieten eine Leistung von 15.500 Kilowatt (kW) und erzeugen rund 25 Millionen Kilowattstunden (kWh) Strom pro Jahr.

Auch die Bürger ließen sich nicht lange bitten und wurden im Sinne der Umwelt aktiv. 20 Gesellschafter griffen die gemeinsame Idee von Bürgerforum Kleinenbroich und BUND auf und gründeten im März 2006 die Bürgersolaranlage. Diese wurde ein Jahr später auf dem Dach der Realschule installiert und in Betrieb genommen. „Mit der Wahl dieses Standortes wollten wir den Schülern, Eltern und Lehrern das Thema Ökologie näher bringen“, erklärte Frank Regel, ehrenamtlicher Geschäftsführer der Gesellschaft, den Tour-Teilnehmern an der Schule.

Bis heute wurden 74.000 kWh Strom umweltfreundlich erzeugt. Die dabei eingesparten 52 Tonnen Kohlendioxid (CO2) entsprechen einer Strecke von 300.000 Autokilometern. Nach zehnjährigem Betrieb hatte sich die Anlage für die beteiligten Gesellschafter rentiert. Inzwischen sind auf Korschenbroicher Dächern stadtweit 529 Photovoltaikanlagen installiert – mit einer Gesamtleistung von 9400 kW erzeugen sie acht Millionen kWh Strom pro Jahr.

Einen weiteren Beitrag zum Umweltschutz leistet die Biogasanlage auf dem Dyckershof in Lüttenglehn. Dort wird aus dem Einsatz von Gülle und nachwachsenden Rohstoffen Methangas gewonnen und mehr als 1000 Haushalte mit Strom versorgt. Das Ergebnis pro Jahr: über fünf Millionen kWh. In der Summe wird rund ein Drittel des Gesamtstromverbrauchs im Korschenbroicher Stadtgebiet klimaneutral erzeugt.

Zum Abschluss der Tour ging es ins Hallenbad, in dem seit 2011 ein Blockheizkraftwerk in Betrieb ist und den Badegästen Wärme und Strom liefert. Sowohl für das Bad als auch das Gymnasium konnten die Heiz- und Energiekosten deutlich gesenkt werden. Ottmar Wichelhaus, mit seiner Frau auf dem Tandem dabei, war beeindruckt vom Umfang des Umwelt-Engagements in seiner Stadt. Für ihn gab es aber einen Wermutstropfen: „Wo war die Jugend?“, merkte er an. Die Klima-Tour war in der Tat eher ein Insider-Ausflug von Lokalpolitikern und Repräsentanten der Verwaltung.