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Korschenbroich: Sportfreunde Neersbroich sagen Karnevalszug 2020 wegen Sturm ab

Wegen Sturmwarnung : Sturm stoppt den Korschenbroicher Zug

Die Sportfreunde Neersbroich haben den Karnevalszug durch Korschenbroich wegen einer Sturmwarnung abgesagt. Einen Ersatztermin wird es nicht geben. Jetzt werden Abnehmer für die Kamelle gesucht.

    „Wir haben um 11 Uhr die Entscheidung getroffen, den Zug ausfallen zu lassen“, sagte Udo Koch vom Vorstand der Sportfreunde Neersbroich am Sonntagmittag. Und er fügte hinzu: „Es gab keine offizielle behördliche Empfehlung. Aber als wir hörten, dass Züge in Mönchengladbach abgesagt wurden, war das für uns das entscheidende Argument, per WhatsApp alle angemeldeten Gruppen zu informieren.“ 14 Gruppen waren es, die am Sonntag vom Vereinsheim der Sportfreunde Neersbroich zum Korschenbroicher Ortskern ziehen und gute Laune verbreiten wollten – im vergangenen Jahr war es eine Gruppe mehr gewesen. Vor 29  Jahren war der Zug zum letzten Mal abgesagt worden, damals war der Golfkrieg der Grund.

Udo Koch, Gregor Mertens und Peter Baukloh vom Vorstand des Fußballvereins waren sich einig, dass die Absage die richtige Entscheidung war – eine Entscheidung, die sie sich nicht leicht gemacht hatten, schon allein aus finanziellen Gründen. „Wir haben rund 5.000 Euro in den Sand gesetzt“, erklärte Koch. Außerdem geht er davon aus, dass die Samba-Gruppe „Six Mix“ vom Groove-Institut in Mönchengladbach und die Musiker der Musikschule „Music Today“ zumindest nicht vollständig auf ihre Gagen verzichten werden. Aufgefangen werde dieses Verlustgeschäft durch die Einnahmen aus der Karnevalsparty auf dem Gelände der Bolten-Brauerei am Samstagabend, die ein voller Erfolg war. Die Überschüsse waren eigentlich zur Entschuldung gedacht – der Verein hatte sich vor fünf Jahren auf eigene Kosten einen Kunstrasenplatz gegönnt und ist seither verschuldet.

Eines weiß Udo Koch ganz genau: „Der Zug wird ganz sicher nicht nachgeholt werden.“ Was er noch nicht weiß: Was jetzt aus den vielen Kamelle werden soll. „Der Verein hat hierfür knapp 1.200 Euro investiert, weiteres Wurfmaterial kam von einem Sponsor – und die einzelnen Gruppen haben sich zusätzlich mit eigenem Wurfmaterial eingedeckt“, erklärte Koch. Die spontane Idee: Man könnte die Süßigkeiten einer „Tafel“ zur Verfügung stellen. Auch Kitas und Grundschulen könnten dankbare Abnehmer sein. Die Sportfreunde Neersbroich sind aber auch offen für weitere Anregungen per E-Mail an die Adresse: info@sfn-1927.de.

Korschenbroich feierte wegen des Sturmtiefs am Tulpensonntag hinter Glas. Foto: Horst Thoren

Der Regen hätte ganz sicher dafür gesorgt, dass den Zugweg deutlich weniger Zuschauer gesäumt hätten. Damit wären die Narren jedoch fertiggeworden. „Alleiniger Grund für die Absage waren die Sturmböen“, sagte Udo Koch. Auf der Anlage des Vereins sah es am Mittag trostlos aus: Dort, wo sich sonst die Gruppen sammeln, waren nur wenige Karnevalisten zusammengekommen. Die 19 bis 25 Jahre alten Männer der 1. Mannschaft hatten sich als „Neersbroicher Fußballrentner“ verkleidet und sich dafür graue Oberlippenbärte angeklebt und die Haare mit Spray ergrauen lassen. Und noch eine weitere Gruppe war am Vereinsheim erschienen – das rasselnde Geräusch der Pailletten war schon von weitem zu hören. Eine bittere Ironie: Yasmin Moll (25) und ihre Mädels  von der 1. Damenmannschaft hatten sich zwar als orientalisch angehauchte Wahrsagerinnen verkleidet, hatten aber offenbar die Absage des Zuges nicht in ihrer Glaskugel vorhergesehen.

Die Korschenbroicher feierten am Sonntag dann eben im Trockenen weiter. Diese Fußgruppe lässt erahnen, wie bunt der Zug geworden wäre. Foto: Bauch, Jana (jaba)

Viele hatten vor, sich in der Ortsmitte dem bunten Karnevalstreiben hinzugeben. Gregor Mertens hatte andere Pläne: „Ich nehme jetzt ein warmes Bad und lege mich dann auf die Couch.“ In der Gaststätte „Zum Anker“, wo die laute Musik jedes Gespräch im Keim erstickte, hatte sich schon früh die Gruppe „Schräge Vögel“ eingefunden. Sie hatten sich etwas Originelles zum Motto „Neersbroich for Future“ einfallen lassen. „Wir machen seit 30 Jahren mit“, sagte Birgit Bodewein. Auch sie trug das Korallenriff-Kostüm, mit dem auf die Vermüllung der Meere aufmerksam gemacht. Auch die Gruppe „Schornsteinfeger“ um Hildegard Schmitz mit Menschen, die den Sportfreunden nahestehen, ließen sich die Laune am Bierpavillon nicht vermiesen.