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Korschenbroich Serie Denkmäler: Der Kuhlenhof

Denkmäler in Korschenbroich : Der Kuhlenhof – Ein Haus reich an Geschichte

Werner von Dülken ließ 1566 die Vogtei an der Mühlenstraße bauen. Der Kuhlenhof ist das älteste datierbare Wohnhaus im Ort.

Zwischen schlichten Rheinkieseln sind Granitstücke zum Wappen des Erbauers und zur Jahreszahl 1571 gefügt. „In der Sakristei des Mönchengladbacher Münsters gibt es einen ähnlichen Fußboden, in der Handschrift identisch, aber sechs Jahre jünger. Die dekorativen Kreise dort sind anders als hier komplett geschlossen. Vermutlich war der gleiche Handwerker tätig, der mit den Jahren seine Arbeit verfeinerte“, sagt Leusch über das Bodenmosaik.  

Mit Ehefrau Waltraud kaufte er 1987 das historische Gebäude. Da war es in einem desolaten Zustand. Das Paar wohnte zunächst notdürftig in der ersten Etage und restaurierte sein Heim in achtjähriger Arbeit. Heute ist der Kuhlenhof wieder ein Schmuckstück. Die Ausrichtung sowie das vorkragende, für damalige Zeit städtisch anmutende Obergeschoss dokumentieren, wie wichtig die Mühlenstraße einst für die Verkehrsanbindung war. Der herrliche Kieselfußboden zählt neben Funden von historischen Münzen zu den vielen Überraschungen der Restaurierungsphase.

Waltraud und Reiner Leusch wohnen im Kuhlenhof. Foto: Markus Rick (rick)

Das große Kellergewölbe wartet noch auf die Ausschachtung und verspricht nach Probebohrungen weitere Funde. Als das Paar während der Restaurierung einen lockeren Verbund von Kieselsteinen entdeckte, schachtete es den Boden von Hand aus. Ein ursprünglich auf gleicher Höhe angrenzender Nebenraum ist nun über mehrere Stufen zu erreichen. „In den Jahren ist das Außengelände um einen Meter angewachsen. Heute muss man Stufen runter gehen, um auf das alte Niveau zu kommen“, sagt Leusch und erzählt vom alten eingesunkenen Ständerwerk. Die vier Kamine aber waren stabil gebaut. Der größte steht im Eingangsbereich, in der ehemaligen Küche.

„Wenn man früher von der Mühlenstraße kam, war man in der Küche und in der Mitte des Hauses“, sagt Waltraud Leusch. Historisch interessiert, schrieb ihr Mann ein Buch über die Geschichte der alten Vogtei und ihrer Bewohner. Er verweist auf das Balkenwerk des Hauses, das nach der Aufschrift am ehemaligen Türbalken nachweislich am 2. Oktober 1566 errichtet wurde. „Die alte Vikarie Ecke Pescher Straße/ Regentenstraße ist älter. Hier fehlen Bau- und Gestaltungselemente, wie sie zur Bauphase des Kuhlenhofes üblich waren. Der Kuhlenhof ist im Ort das älteste eindeutig datierbare Haus“, betont Leusch.

Das Gebäude wurde von Werner von Dülken errichtet, der als Vogt und Statthalter derer von Myllendonk residierte. „Korschenbroich war die Hauptstadt des Ländchens. Nach Werner von Dülken wohnten hier Amtsmänner und andere Vögte. Erst um 1730 zog ein Gerichtsschreiber ein. Da war das Haus schon nicht mehr so modern“, sagt Leusch. 1776 kaufte ein Großbauer das Anwesen, das zum Landwirtschaftlichsbetrieb wurde und 200 Jahre im Familienbesitz war. Die heutigen Eigentümer genießen den Charakter der alten Vogtei, das dank starker Lehmwände „besondere Raumklima“ sowie das unkoventionelle Wohnen. Sie wissen: Spannender Höhepunkt für Kinder ist ein Geheimgang. In unruhigen Zeiten war es üblich, dass der Hausherr unbemerkt zu den Nebenhöfen flüchten konnte.