Korschenbroich: Seifenkistenrennen im historischen Liedberg

Seifenkistenrennen : Mit der Holzkiste durchs Fachwerk-Dorf

Mit 82 Teilnehmern fiel das 40. Liedberger Seifenkistenrennen so groß aus wie nie. An den Start gingen auch ältere Fahrer.

Im Fahrerlager am Mühlenturm herrschte hektisches Treiben: In mehreren Trainings- und Wertungsläufen gingen genau 82 Fahrer bei der 40. Auflage des Liedberger Seifenkistenrennens an den Start. Noch nie hatten so viele Renn-Enthusiasten an der Veranstaltung teilgenommen. Mitten im Getümmel: die zehnjährige Maja Niebel. Sie sauste gestern zum ersten Mal in einer Holz-Seifenkiste durch den historischen Ortskern in Liedberg. Mutig „legte“ sie sich in die Kurven und bewältigte die holprige Strecke mit zwei 90-Grad-Kurven. „Wenn man einmal den Dreh raus hat, weiß man, wie es geht“, sagte sie nach drei Durchläufen.

Die Zehnjährige zählte zu den jüngsten Fahrern, die am Sonntag an den Start gingen. „Ich finde nicht, dass das Seifenkistenrennen nur etwas für Jungen ist“, erzählte die Liedbergerin, die das Rennen „cool und witzig“ findet. Allerdings sei es durchaus anspruchsvoll, die Holzkiste über das Kopfsteinpflaster zu manövrieren.

Der Heimatverein Liedberg, der das Seifenkistenrennen veranstaltet, ist mit der stolzen Zahl von 82 Teilnehmern zufrieden. „In den vergangenen Jahren waren es immer um die 50 Starter. Jetzt sind es auch durch einige Erwachsene deutlich mehr“, sagte Ralf Frommen vom Heimatverein, dem gemeinsam mit Dirk Armbrust die Rennleitung obliegt. Das Seifenkistenrennen genießt Kultstatus, Hunderte Besucher verfolgten das Spektakel und feuerten die tollkühnen Fahrer kräftig an.

Der Herausforderung durften sich zum 40. Rennen erstmals auch Erwachsene stellen, die sich in zwei Gruppen aufteilten: in die der 16- bis 30-Jährigen und in die der Über-30-Jährigen. Der 48-jährige Lauritz Koch aus Liedberg rollte für sein „Old Guy’s Racing Team“ in einer Seifenkiste an die Startlinie. „Die Veranstaltung ist allein von der Kulisse her einzigartig“, sagte der Familienvater. Seine Kinder seien schon mehrmals dabei gewesen, jetzt habe es ihn selbst gereizt. In den Bau seiner blauen Seifenkiste hatte er ein Jahr lang viel Herzblut gesteckt. „Wichtig ist es, auf der Rennstrecke ,seine‘ Spur zu finden.“

Eine beachtliche Leistung lieferte Lukas Humpesch aus Steinforth-Rubbelrath ab: Er erzielte einen neuen Streckenrekord, schaffte die 250 Meter in gerade einmal 24,7 Sekunden. Im Mittelpunkt des Rennens standen jedoch die Kinder und Jugendlichen im Alter von acht bis 16 Jahren. Auch sie konnten mit beachtlichen Leistungen glänzen: So schaffte es der zwölfjährige Nils Martin aus Neuss mit 25,4 Sekunden als Sieger aufs Treppchen – und der 14-jährige Ramon Kebernik wurde mit 25,9 Sekunden schnellster Liedberger. Für eine Schrecksekunde beim Rennen sorgte ein Junge, der in einer der scharfen Kurven mit seinem Gefährt umkippte. Ihm ist nach Auskunft der Veranstalter glücklicherweise nichts passiert ­– kurz nach seinem Sturz konnte er zur nächsten Runde antreten. Alle Fahrer waren dazu verpflichtet, einen Helm zu tragen und funktionstüchtige Bremsen sowie Überroll-Bügel an ihren Seifenkisten vorzuweisen.

(cka)
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