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Korschenbroich: Schreckensszenarien beim Zukunftstag „Mer denke öm“

Allianz für Klima und Nachhaltigkeit in Korschenbroich : Schreckensszenarien beim Zukunftstag „Mer denke öm“

Wie wichtig es ist, die Erderwärmung zu reduzieren, bekamen die Besucher beim Zukunftstag in Korschenbroich direkt zu spüren. Es war besonders heiß an den Ständen. Und Hans Haake vom Wuppertal-Institut erklärte in seinem Vortrag, dass alle Parteien zu wenig gegen den Klimawandel täten. Er gab Tipps und Mahnungen.

Der Samstag war ein sehr heißer Tag – und ein Indiz dafür, dass es dringend geboten ist, die Erderwärmung zu reduzieren. Entsprechend das Motto vom Zukunftstag im und vor dem Gymnasium: „Mer denke öm“. Die Allianz für Klima und Nachhaltigkeit im Rhein-Kreis Neuss hatte für Stände und Vorträge in der Aula gesorgt. Der Tenor: Ohne Verzicht wird es nicht gelingen, den Klimawandel einigermaßen in den Griff zu bekommen.

Alle Gemeinden außer der Stadt Neuss gehören der Allianz für Klima und Nachhaltigkeit an. Thiago de Carvalho Zakrzewski war als Beauftragter für Klimaschutz und Nachhaltigkeit vor Ort, ebenso Landrat Hans-Jürgen Petrauschke. Seine Devise: „Es gilt jetzt zur richtigen Zeit das Richtige zu tun. Wir sollten mit gesundem Menschenverstand an das Problem herangehen und nicht ideologisch.“ Bürgermeister Marc Venten gab zu bedenken: „Wir merken, dass die Sommer trockener und die Winter milder werden.“

Der Vorsitzende der Allianz für Klima und Nachhaltigkeit Jan Daley Kübel und die städtische Klimaschutzmanagerin Julia Federer moderierten. Im Mittelpunkt stand das Referat von Hans Haake vom Wuppertal-Institut, dem Think-Tank für Fragen des Umweltschutzes. Haake redete Klartext: „Um die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, passiert derzeit viel zu wenig.“ Es waren Schreckensszenarien, die er da beschrieb. Ein Beispiel: „Der Golfstrom wird langsam ausgebremst mit der Folge, dass es in Europa erstmal kälter werden könnte und anschließend so richtig heiß.“ Was er beklagte: „Alle Parteien tun zu wenig gegen den Klimawandel.“

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Nur auf die erneuerbaren Energien zu setzen, werde nicht reichen. Wir müssten vom Gedanken ständigen Wachstums loskommen. Der Begriff „Lebensqualität“ müsse neu definiert werden: „Mit Freunden auf dem Balkon sitzen und Apfelsaft trinken kann auch sehr schön sein“, so Haake. Er warb dafür, öfter aufs Rad umzusteigen: „Mit keinem anderen Fortbewegungsmittel kommt man so effektiv ans Ziel.“ Er verriet, dass die Fachleute bei ihren Prognosen zum Klimawandel eher zurückhaltend sind als zu übertreiben.

Der Korschenbroicher Hubertus Goltsch fühlt sich mit einem Problem alleingelassen. Der Mann, der 15 Jahre lang dem Umweltausschuss angehört hatte, macht sich Sorgen wegen des Einbringens von Gülle. Seine Frage in diesem Zusammenhang: „Wer misst zuverlässig den Nitratgehalt?“ Eine Antwort erhielt er nicht.

Ursula Plitzko vom Ernährungsrat des Rhein-Kreises Neuss warb dafür, regionale Lebensmittel zu kaufen. Am Stand des ADFC konnten alte Fahrradschläuche abgegeben werden und neue windschnittige Lastenräder zur Probe gefahren werden. Gleich nebenan ging es noch ein wenig futuristischer zu: Der Energiekonzern Westenergie präsentierte ein 8000 Euro teures Fahrrad, das mit Brennstoffzellen-Technologie angetrieben wird. Probefahrten waren möglich.

Der Ratssaal war zum Repair-Café geworden, Aimily Ratz, IT-Administratorin bei der Stadt, hatte gute Neuigkeiten für Besitzer älterer Computer, für die es irgendwann keine aktuellen Windows-Betriebssysteme mehr gibt: „Ich kann in solch einem Fall Linux aufspielen.“ Zum Relaxen sorgten klassische Liegestühle auf dem Schulhof, und dass die Allianz für Klima und Nachhaltigkeit einen Etat hat, merkte man daran, dass die Besucher gratis essen und trinken konnten.