Korschenbroich: Scherfhausen - ein Ort mit Dorfkreuz und Dorfkanone

Serie „Mein Korschenbroich“ : Viele Kreuze und eine Dorfkanone

Das einst landwirtschaftlich geprägte Scherfhausen ist mittlerweile ein ruhiges Wohndorf – wenn nicht gerade ein Fest ansteht.

An zentraler Stelle in Scherfhausen steht das unter Denkmalschutz stehende Dorfkreuz von 1863 – und es ist in guter Gesellschaft. „Wir sind hier von Kreuzen umgeben“, betont Renate Erhart im Verweis auf zwei weitere Kreuze. Eines davon steht am Ortsausgang Richtung Nikolauskloster. Das Ames-Kreuz ist nach seinen Stiftern benannt. Die Kreuze wie auch die kleine Grünanlage beim Epsendorfer Weg werden von der Dorfgemeinschaft gepflegt.

„Wir sind ein Übergangsdorf von Glehn zum Nikolauskloster und Schloss Dyck und haben in Eigeninitiative mehre Bänke aufgestellt“, sagt Anwohner Josef Heckmanns mit Blick auf den Ruhepunkt schräg gegenüber vom Dorfkreuz. Der 70-Jährige ist Vorsitzender der 1925 gegründeten Dorfgemeinschaft. Sie pflegt die Kreuze, Denkmäler sowie das Brauchtum und organisiert unter anderem Dorffest, Adventsbeleuchtung beim Kreuz und Weihnachtsfeier für Senioren. Hubert Tokloth rief den Verein Bürgerbus ins Leben, um die Anbindung nicht motorisierter Bürger zu verbessern. „Wir sind eine intakte Dorfgemeinschaft mit einem Top-Vorstand“, lobt Renate Erhart, Ratsfrau im 20. Jahr, solchen Einsatz.

Rote Klinkerbauten lassen die ursprüngliche Struktur Scherfhausens erkennen, das heutzutage etwa 170 Haushalte und 500 Einwohner hat. Ein dreiflügeliger Fachwerkhof, erbaut 1718, ist unter Nummer 66 in der Liste der Korschenbroicher Baudenkmäler aufgeführt. Im 19. Jahrhundert wurde die Straßenfront mit Backstein verkleidet. „Früher hatten wir elf landwirtschaftliche Betriebe, drei Lebensmittelgeschäfte, zwei Gaststätten. Davon hat sich nichts erhalten. Landwirtschaft gibt es allenfalls noch im Nebenerwerb“, sagt Heckmanns.

An die frühere Fettschmelze, wo Metzgereireste für die Margarineherstellung verarbeitet wurden, erinnert ein Straßenname. Über Lückenbebauung entstanden nach und nach viele Neubauten. „Viele sind wegen der Ruhe aufs Land gezogen und vielleicht nicht so vertraut mit dem Begriff Dorfgemeinschaft. Doch bei Veranstaltungen sind wir mit dem Besuch sehr zufrieden“, sagt Heckmanns, der sich freut, wenn Zugezogene am Dorfleben teilnehmen.

Er wohnt strategisch günstig im Epsendorfer Weg, in dem das von der Dorfgemeinschaft organisierte Straßenfest stattfindet. Hier stand das Dorfkreuz ursprünglich mitten auf der Straße. Wegen des Verkehrs wurde es an die Ecke versetzt und steht nun in Nachbarschaft des Hof Moss, der früher Tokloth-, dann Pohl-Hof hieß und heute Domizil der Dorffeste ist. „Ich weiß nicht, ob der alte Name im Zusammenhang mit meiner Familie steht“, sagt Tokloth zur einstigen Namensverwandtschaft.

Bei alltäglichen Besorgungen, Arzt- und Schulbesuch orientiert sich der Ort nach Glehn. Die Nachbarschaft funktioniert ebenso beim gemeinsamen Schützenfest, das die Scherfhausener mit dem Böller der Dorfkanone begrüßen. Die wurde von Heinz Mücke ausgestattet und kündigt nach seiner Ausbildung zum Schießmeister auch andere Veranstaltungen an. Es wird erzählt, dass im Ort einst der Scharfrichter der Herrschaft von Schloss Dyck wohnte. „Das könnte sein, doch vieles ist Mutmaßung. Fest steht aber, dass bei Kirchhoff eine Richtstätte erwähnt wird“, sagt Tokloth.

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