Korschenbroich: Planwagenfahrten bei Karl-Josef Groß liegen im Trend

Planwagenfahrten in Korschenbroich : Mit Pferd und Wagen übers Land

Karl-Josef Groß und seine Familie bieten Planwagenfahrten an. Seit einiger Zeit beobachtet der Korschenbroicher eine steigende Nachfrage. Sie könnte den Wunsch nach Entschleunigung spiegeln.

Den typischen Planwagenpassagier gibt es vermutlich nicht. Zu Karl-Josef Groß´ Klientel zählen Kegelbrüder und -schwestern, Kinder, Silberhochzeiter, Schützenzüge und andere Gruppen von ganz jung bis ins Seniorenalter. „Es sind Leute, die das Gesellige pflegen“, sagt der Schlicher. An der äußersten Ecke von Schlich, an der Grenze zu Drölsholz hat er zwei Kaltblüter und ein Haflinger-Pony stehen. Pony Allegro genießt den Ruhestand und wird nur noch ab und an ausgeritten. Es teilt sich Stall und Weide mit den imposanten Pferden Ole und Erasko, die bei Bedarf vor den Wagen gespannt werden. Gäste haben die Wahl zwischen einer Kutsche für bis zu 20 Personen und einem schmucken Achenbach-Jagdwagen.

„Wir machen das Ganze im Kleinen als Familienunternehmen“, sagt Groß über sein Gewerbe. Er hat schon häufig erlebt, dass insbesondere ältere Kunden, angeregt von der gelben Plane über der Kutsche, das Lied „Hoch auf dem gelben Wagen“ anstimmen. „Dann ist die Stimmung richtig gut, dann sind alle locker drauf“, erzählt er gutgelaunt. „Brautpaare fragen bei uns eher selten an“, erzählt Tochter Susanne. Der Achenbach-Jagdwagen könne zwar schön geschmückt werden, doch Hochzeiter wünschten eher eine weiße Kutsche mit einem Schimmel davor.

Die Wahl der Route richtet sich nach den Vorlieben der Gruppen. Bei einem Junggesellen-Abschied etwa wird oftmals die Skihalle als Ziel genannt, wo die Feier dann weitergehen soll. Zu Groß´ Favoriten zählt das „Dycker Ländchen“ mit einer Fahrt vorbei an Weinhaus, Schloss Dyck und Kloster sowie – bei einer größeren Runde – auch ins „Bergische“ nach Wallrath, Bedburdyck und Hemmerden. Wenn die Kutschfahrt zum Schloss Rheydt gehen soll, führt der Weg vorbei an der weltweit ältesten Altbierbrauerei Bolten. „Ein beliebter Zwischenstopp ist auch das alte Korschen­broich mit dem Hannen-Stammhaus und der Gaststätte Lindenhof. Da bitten viele anzuhalten, um in Ruhe schauen zu können“, erzählt Groß.

Seit vier bis fünf Jahren beobachtet er eine steigende Nachfrage. „Die Planwagenfahrten liegen wieder im Trend und entsprechen der Tendenz, das Auto öfter stehen zu lassen. Bei einer Kutschfahrt lässt sich die Natur links und rechts des Weges natürlich länger in Augenschein nehmen als bei einer Autofahrt“, erzählt Groß. Um das Gespann fachgerecht führen zu können, legten er und seine Familie die Fahrprüfung bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung ab. Groß bezeichnet die Kutschfahrten als erweitertes Hobby, das die Kosten der Pferdehaltung auffängt. „Wer keine Freude an dieser Arbeit hat, sollte sich damit nicht belasten. Bei uns steht die ganze Familie dahinter, sonst wäre das Ganze so nicht umsetzbar“, sagt der zweifache Vater und Großvater.

Mit den Pferden erfüllte er sich vor über 20 Jahren einen Kindheitstraum. Pony Allegro ist seit den Anfängen dabei. „Früher habe ich mir zu Weihnachten nichts anderes gewünscht als ein Pferd. Doch die Mutter meinte immer, dafür sei kein Geld da“, sagt der Schlicher. Als er den Wunsch seiner Kinder nach einem Hund erfüllte, realisierte er auch seinen Traum.

Mehr von RP ONLINE