Korschenbroich: Pendeln zwischen Steinhausen und Windhoek in Namibia

Außergewöhnliche Fernbeziehung zwischen Korschenbroich und Windhoek: Von der Wüste an den Niederrhein

8270 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Korschenbroich und Namibias Haupstadt Windhoek. Diese Distanzen hindern Klaus von Ludwiger, der seit Jahrzehnten in Afrika lebt, und Marita Hoster aus Steinhausen nicht an einer Beziehung.

Vom Bahnhof Korschenbroich aus hat sich Klaus von Ludwiger am Dienstagmittag wieder auf seine rund 8270 Kilometer weite Heimreise begeben. Zweimal im Jahr pendelt der 77-Jährige zwischen Windhoek, der Hauptstadt Namibias, und dem Liedberger Ortsteil Steinhausen hin und her. Am frühen Mittwochmorgen ist von Ludwiger wieder im südlichen Afrika angekommen – allein. Doch seine Lebensgefährtin Marita Hoster kommt in drei Wochen nach.

Das Paar führt eine außergewöhnliche Fernbeziehung – sieben Monate im Jahr lebt die 74-Jährige bei ihm in Namibia, zweimal kommt von Ludwiger für je sechs Wochen an den Niederrhein. „Wir haben da für uns eine gute Lösung gefunden. So hat jeder seine Freiräume“, sagt Marita Hoster.

Kennengelernt haben sich die beiden im Jahr 2000 in Namibia. Marita Hoster machte Urlaub mit ein paar Freundinnen, und von Ludwiger war als freischaffender Reiseleiter ihr Tourguide. Dadurch entstand zunächst ein loser Kontakt. Doch nachdem ihr Mann gestorben war und der Sohn den großen Reitstall in Steinhausen übernommen hatte, verschob sich ihr Leben immer mehr in Richtung Afrika.

„Für mich war das eine absolute Kehrtwendung in meinem Leben. Ich habe gelernt, wie man mit viel weniger sehr glücklich sein kann und wie man gelassener durch den Alltag kommt. Aber man muss schon diese Weite und die Natur mögen. Reine Stadtmenschen werden in Namibia unglücklich“, sagt Marita Hoster.

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Ihr Lebensgefährte kennt es hingegen kaum anders. Während des Krieges in der Nähe von Posen geboren und einige Jahre in Detmold aufgewachsen, wanderte von Ludwiger mit seiner Familie 1953 nach Namibia aus. Schon als Schüler zog es ihn fortan immer wieder in die Wüste, er nahm als junger Ehrenwildwart an Tierzählungen teil, beobachtete Adler und gründete einen Bergsteiger-Verein, ehe er 1973 in die Tourismusbranche einstieg. „Erst da habe ich wieder mehr Kontakte in die alte Heimat geknüpft, da ich häufig deutsche Reisegruppen geführt habe“, sagt von Ludwiger.

Steinhausen war ihm jedoch völlig fremd, als er vor 15 Jahren erstmals Marita Hoster in ihrer Heimat besuchte. „Das Ländliche hat mir gleich sehr gut gefallen, ich streife hier immer sehr gerne durch die Wälder, beispielsweise im Hoppbruch. Und für meine Haut ist die feuchte Luft der reinste Erholungsurlaub, weil in Namibia die Luftfeuchtigkeit so niedrig ist“, sagt von Ludwiger. Der Schnee im Winter, das kräftige Grün im Sommer, überhaupt die klassischen vier Jahreszeiten, das gebe es in Afrika nicht. Nur mit dem Auto fahre er in Deutschland eher ungerne, in Namibias Weite sei das deutlich weniger hektisch.

Seit 15 Jahren ist der 77-Jährige nun stets im Sommer und im Winter für je sechs Wochen zu Besuch. Mittlerweile hat er auch einige Bekannte in Korschenbroich, nicht zuletzt, weil er Mitgliedern der Kinder- und Familienhilfe Glehn auch schon seine Wahlheimat Namibia zeigen durfte. Die Glehner sind seitdem mehrmals bei von Ludwiger und Hoster zu Besuch gewesen.

Doch auch ohne deutsche Gäste hat das Paar in Namibia genug zu tun. So unterstützen sie einen Kindergarten im Armenviertel Windhoeks. Und natürlich dürfen eigene Touren für sie nicht zu kurz kommen. Die Naturverbundenheit eint sie. Für Marita Hoster, die als junge Frau gerne in der Entwicklungshilfe tätig gewesen wäre, ist das eine wunderbare Konstellation – wenngleich sie den Aufenthalt in ihrer Heimat nicht missen will. Da nimmt sie dann doch auch einmal 8270 Kilometer Entfernung zu ihrem Lebensgefährten in Kauf.

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