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Korschenbroich: Nur ein Hauch von Unges Pengste in Korschenbroich

So war das Pfingstwochenende : Nur ein Hauch von Unges Pengste

Im Kirchturm wurde gebeiert, bei Messen war die Besucherzahl beschränkt – vom sonst so großen Schützenfest blieben diesmal nur Mutmacher-Zeichen. Dazu gehören auch ein „Corona-Sebastianus“ und eine Spenden-Initiative.

Für Karl-Heinz Göris ist Pfingsten ein besonderes Wochenende. Nicht nur, weil er, wie so viele andere Korschenbroicher, in einem Schützenzug aktiv ist und für gewöhnlich Unges Pengste feiert. Auch weil für ihn an Pfingsten „das Kampagnenjahr beginnt“, wie er sagt. Denn Göris ist nicht nur begeisterter Schützenbruder, er ist auch Vorsitzender der Kinder-Direkthilfe Korschenbroich.

Dabei ist Unges Pengste für die Kinder-Direkthilfe gleich doppelt von Bedeutung. Die gemeinnützige Vereinigung ist zum einen im Rahmen des Schützen- und Heimatfests 1983 aus dem Schützenzug „Lange Lulatsche“ enstanden. Zum anderen bringt die seit 1984 durchgeführte Pfingsttombala den Projekten der Kinder-Direkthilfe immer viel Geld ein. In der Regel einen Reinerlös von rund 12.000 Euro.

Karl-Heinz Göris will Kindern in Ghana helfen. Foto: Ilgner Detlef (ilg)/Ilgner,Detlef (ilg)

Doch all das ist dieses Jahr bekanntlich anders. Die Pfingsttombola fällt wie Unges Pengste aus. Es sind andere Quellen nötig, um die Kinder in Bogatanga zu unterstützen. Dort, im Norden Ghanas, befindet sich das Kinderzentrum „Centre for Child Development“. Eine Einrichtung, die sich in einem von Kinderhandel und Obdachlosigkeit geprägten Umfeld um die soziale Reintegration von Kinder und Jugendlichen kümmert. Es ist das aktuelle Projekt der Kinder-Direkthilfe.

Zu Unges Pengste sollte eigentlich sogar eine Delegation aus Ghana anreisen. „Um sich den Wahnsinn einmal anzusehen, aus dem das Ganze entstanden ist“, wie Göris sagt. Stattdessen muss nun ein „virtuelles Schützenfest“ reichen, um Geld für das Projekt zu sammeln. Der Erlös der unter www.unges-pengste.de angebotenen symbolischen und echten Produkte soll als Reinerlös nach Ghana fließen. „Eine tolle Idee der Bruderschaften“, sagt Göris.

Bei den Pfingstgottesdiensten waren jeweils nur 80 Besucher in der Kirche zugelassen. Foto: Horst Thoren

Doch nicht alles spielte sich in Korschenbroich am Wochenende nur in der digitalen Welt ab. Am Pfingstsamstag gab es in Neersbroich sogar einen kleinen Festakt. Dort traf sich an der St.-Anna-Kapelle eine Abordnung, um den „Corona-Sebastianus“ seinem Bestimmungsort zu übergeben. Gestiftet wurde das Wandrelief in zeitgemäßer Darstellung des Heiligen von Raymond Opszalski anlässlich seines 65-jährigen Geburtstages. Mit der Figur wolle er für spätere Zeiten, wenn hoffentlich wieder ein schönes Pfingstfest gefeiert werde, an die Krise erinnern, sagte der Stifter.

In Gesprächen mit Bezirksbundesmeister Horst Thoren hatte er sich für eine Darstellung des Märtyrers entschieden, der Schutzpatron der St.-Sebastianus-Bruderschaft und Fürsprecher in Zeiten von Pest und anderen Seuchen ist. Nach dem Geläut der Kapellenglocke forderte Thoren zum gemeinsamen Gebet auf. Er hob die Bedeutung des kleinen Gotteshauses als Treffpunkt der Honschaft und Ort der Stärkung hervor und lobte die künstlerisch „wunderbare Umsetzung“ der Figur, die von Pfeilen mit Corona-Köpfen durchstoßen ist. Das Werk zeige, dass das Virus Menschen so überraschend treffen könne wie ein Pfeil. Thoren betonte, dass der Stifter das Wir-Gefühl der Schützen lebe und überreichte ihm ein T-Shirt mit der Aufschrift „Unges Pengst net alleen“.

Die Stiftung dokumentiere die Bindung der Schützen an Kirche und Glauben, hob Sebastianer-Präsident Thomas Siegers hervor. Michael Manns, Vorsitzender der Kapellengemeinschaft, hatte den Platz für das Werk mit ausgesucht. Offenbar im Sinne der Künstlerin Stephanie Hermes, die ihre Freude über den passenden Raum bekundete. Kerben in der bewegt anmutenden Oberfläche des Wandreliefs verweisen auf Hermes bevorzugte Arbeitsweise mit der Kettensäge und symbolisieren Verletzbarkeit. Bürgermeister Marc Venten dankte dem Stifter für den „besonderen Sebastianus“. Gerade jetzt erlebten Menschen, wie ein kleines Virus das Leben aus den Fugen bringe, so Venten. „Wenn man traurig ist, gibt es immer auch Zeichen der Hoffnung“, sagte Thoren in Überleitung zu einem weiteren Festakt. Er verlieh Sven Frank den in Gedenken an Kurt Franken geschaffenen Orden „Treu wie Kurt“. Frank macht sich um das „virtuelle Schützenfest“ verdient.

Vom großen Festgeschehen zu Unges Pengste blieben am Wochenende nur kleine Mutmacher-Zeichen übrig. Hier und da war Musik zu hören – im Kirchturm wurde gebeiert, am Seniorenhaus spielten Alphornbläser, am Hannenplatz erklang „Tochter Zion“ („Freue dich“). Die Pfingstgottesdienste, zugelassen waren nur jeweils 80 Besucher, wurden per Livestream übertragen. Sebastianer-Präsident Thomas Siegers sprach wohl vielen Korschenbroicher Schützen und Bürgern aus der Seele, als er in der Festmesse sagte: „Es hätte so schön sein können“. Wie zuvor schon Präses Marc Zimmermann rief Siegers dazu auf, sich auf den Kern des Pfingstfestes und des bruderschaftlichen Miteinanders zu besinnen. Vieles sei zu selbstverständlich geworden, sagte Siegers. Unges Pengste finde nur dann im Herzen statt, wenn sich die Bruderschaften um Vertrauen, Fürsorge und Verlässlichkeit mühten.