Neujahrsempfang der Bruderschaften in Korschenbroich Schützenpräsident plädiert für Askese, Muße und Abenteuer

Korschenbroich · Frederik Hamm, Präsident der St. Katharina Junggesellen, war Hauptredner beim Neujahrsempfang der beiden Bruderschaften. Er mahnte, dass das Smartphone zu stark alle Lebensbereiche durchdringe.

 Die Korschenbroicher Bruderschaften Sankt Sebastianus und Sankt Katharina hatten mit ihren Majestäten zum Neujahrsempfang ins Gymnasium geladen. Etwa 600 Gäste waren gekommen.

Die Korschenbroicher Bruderschaften Sankt Sebastianus und Sankt Katharina hatten mit ihren Majestäten zum Neujahrsempfang ins Gymnasium geladen. Etwa 600 Gäste waren gekommen.

Foto: Markus Rick (rick)

Wie sehr das Smartphone den Alltag verändert, wie es in alle Lebensbereiche eindringt, unsere Fähigkeiten beeinträchtigt und vom realen Leben entfremdet: Dies alles machte Frederik Hamm, Präsident der St. Katharina Junggesellen Bruderschaft, in seiner Rede beim Neujahrsempfang der Bruderschaften zum Thema, als er über „unser Verhältnis zur Technik“ sprach. „Wir können uns nicht mehr vorstellen, wie ein Leben ohne diese Technik funktioniert hat“, sagte Hamm vor zahlreichen Zuschauern in der Aula des Gymnasiums.

Welche Bedeutung das Smartphone hat, machte er deutlich, als er darauf hinwies, welche Geräte durch das Handy ersetzt worden seien: „Zum Beispiel Telefonzelle, Festnetztelefon, Navigationsgerät, Walkmen, MP3-Player, Armbanduhr, Wecker, Kalender.“ Niemand auf der Welt könne ein Handy alleine bauen. Nur durch Arbeitsteilung und Organisation sowie die anonyme Kooperation der Spezialisten könne so ein Werk entstehen. Das führe zur Entfremdung, denn ganze Berufsbilder verschwänden und viele könnten die Sinnhaftigkeit der Arbeit durch die neue Technik nicht mehr erfassen. Zudem sei der ökologische Abdruck, der die Arbeit hinterlasse, kaum noch zu erkennen.

In Korschenbroich etwa gebe es fast gar keine Natur mehr, so Hamm. „Unsere Bäche sind begradigte Entwässerungskanäle und unsere Wälder Holzplantagen.“ Man sei der Natur so entfremdet, dass „wir einen Spaziergang durch unsere Kulturlandschaft als Gang in die Natur wahrnehmen.“ Zudem fördere das Smartphone einen Fähigkeitsverlust, etwa weil Musik vom Handy konsumiert werde, statt selbst Musik zu machen.

Die Technik nehme Arbeit ab, etwa wenn heute schon das Formulieren ganzer Absätze der Künstlichen Intelligenz überlassen wird. Und da durch Push-Nachrichten der Mensch über alles in der Welt stets informiert werde, sei er der Technik ausgesetzt. Hamm bat darum, das neue Jahr mit guten Vorsätzen zu beginnen und die Push-Nachrichten auszuschalten.

„Lassen Sie uns wieder souverän selbst entscheiden, wann wir welche Information von unserem Handy aufnehmen wollen.“ Zudem plädierte Hamm für mehr Askese, Muße und Abenteuer. Askese bedeute ein wenig Verzicht in der Welt des Überflusses. Muße solle man sich für die schönen Dinge nehmen, beispielsweise um neue Fähigkeiten zu erlernen. Und: „Videospiele sind keine echten Abenteuer, dagegen findet man sie leicht in der Natur.“

Mit viel Beifall honorierten die Besucher die engagierte Rede Hamms, der zu einem bewussteren Umgang mit dem Smartphone anregte. Zuvor hatte der Präsident der St. Sebastianus Bruderschaft, Thomas Siegers, die Gäste zum Neujahrsempfang begrüßt und unter ihnen auch die Könige aus den Bruderschaften und den Vereinen in der ganzen Stadt genannt.

Siegers bat darum, all jenen die Stirn zu bieten, die gegen die Werte der Schützen aufbegehren. „Die Bruderschaften werden es nicht zulassen, dass unsere Werte wie etwa Toleranz und Nächstenliebe missbraucht werden“, sagte Siegers.

Ebenso wie sein Kollege Christoph Steigels von der St. Katharina Junggesellen Bruderschaft trägt auch Bürgermeister Marc Venten als König der Sebastianer die Last und Lust des schweren Königssilbers. „Es gab Fragen, wer wohl das Grußwort der Stadt halten würde“, sagte Venten. Er habe sich das auch gefragt und trete daher in einer Doppelfunktion auf.

Als Bürgermeister nannte Venten die bekannten Probleme der Stadt – angefangen vom Energieerhaltungsgesetz bis zu den zahlreichen Baustellen aufgrund der Kanalsanierungen. Hinzu komme ein allgemeiner Krisenmodus. „Bei den Flüchtlingen gibt es ein deutliches Abnehmen der Akzeptanz in der Bevölkerung, aber es sind Menschen, die Schutz oder ihr Glück suchen. So wären wir auch, wenn wir in dieser Situation wären“, sagte Venten. Daher gelte es, die Ursachen anzugehen. Während die Stadt diverse Probleme zu bewältigen habe, sehe es bei den Schützen anders aus. Venten: „Aus Sicht der Bruderschaften war es ein gutes Jahr.“

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