Korschenbroich: Modell zeigt Ortszentrum vor dem Zweiten Weltkrieg

Historischer Kern Korschenbroichs : Modell zeigt Ortszentrum vor dem Krieg

Auf einem 1,2 Tonnen schweren Sockel soll der historische Korschenbroicher Ortskern entstehen, modelliert aus Wachs und Ton. Das Stadtteil-Modell soll im Zentrum aufgestellt werden und einen Vergleich liefern zwischen gestern und heute.

Eine Luftaufnahme vom Korschenbroicher Ortskern in den 1960er Jahren brachte Bürgermeister Marc Venten auf eine Idee. „Es war interessant zu sehen, was es damals schon gab und was seitdem alles dazugekommen ist. Da dachte ich, dass es sehr spannend sein müsste, zu erfahren, wie das Korschenbroicher Zentrum vor dem Zweiten Weltkrieg ausgesehen hat. Deswegen kam mir aufgrund einiger Beispiele aus anderen Städten der Gedanke, dieses alte Stadtbild zu visualisieren“, sagt Venten. Aus dieser Idee ist mittlerweile ein ernsthaftes Projekt geworden: Demnächst wird in Korschenbroich ein etwa ein Quadratmeter großes Stadtteil-Modell auf einem Basaltsockel im Ortszentrum stehen.

„Das wird ein echter Hingucker und ist ein wertvolles Zeichen, dass wir die historische Bausubstanz erhalten sollten“, sagt Günter Thoren. Der Denkmal-Beauftragte der Stadt und Vorsitzende des Vereins „Korschenbroich – Unsere Heimat“ war direkt begeistert von Ventens Idee und konnte für die Umsetzung Stephanie Hermes gewinnen. Die Korschenbroicher Künstlerin hat schon eine klare Vorstellung, wie das Modell später aussehen soll.

„Das Stadtbild wird mit einem speziellen Modelliermaterial aus Ton und Wachs im Grunde aus dem Basaltsockel herauswachsen“, erklärt Stephanie Hermes. Damit lässt sich Alt-Korschenbroich nicht nur anschauen, sondern auch erfühlen. „Ich werde nun zunächst viel in Korschenbroich unterwegs sein und mir die Gebäude genau ansehen, denn alles soll so detailliert wie möglich entstehen“, sagt Hermes. Erste Skizzen hat sie bereits entworfen, zudem gibt es zur Anschauung ein Modell im Miniaturformat. Als erste Orientierung dient Hermes eine Luftaufnahme der Royal Airforce aus dem Jahr 1945. Zudem stellt ihr Thoren 200 historische Fotos zur Verfügung.

Ein erstes Stadtmodell im Miniaturformat hat Stephanie Hermes bereits gefertigt. Foto: Bauch, Jana (jaba)

Was letztlich auf dem etwa 90 mal 110 Zentimeter großen Modell alles zu sehen sein wird, ist noch nicht klar. Aber alle relevanten Gebäude wie der Kuhlenhof, das Hannenhaus, das alte Krankenhaus oder das alte Pastorat werden auf jeden Fall einbezogen. Im Zentrum wird die Kirche stehen, deren Turm im Modell bei einem Maßstab von 1:600 etwa 15 Zentimeter hoch sein wird. Der 1,2 Tonnen schwere Sockel, bereits ausgesucht in einem Steinbruch in Mendig, wird eine Höhe von etwa 75 Zentimetern haben, so dass auch Rollstuhlfahrer einen guten Blick auf das Modell haben, dass am Ende in einer Gießerei einen Bronze-Überzug erhält.

Auf etwa 25.000 Euro beziffert Thoren die Kosten des Projekts. Die Hälfte davon muss die Stadt aufbringen, dann übernimmt das Heimatministerium des Landes Nordrhein-Westfalen aus einem speziellen Heimat-Fonds den Rest. „Diesbezüglich sind wir guter Dinge, denn dank des PS-Zweckertrags der Sparkasse und Handick Edeka haben wir zwei Großspender und damit bereits zwei Drittel unserer aufzubringenden Summe“, sagt Thoren. Wie lange es dauert, bis das Stadtteil-Modell fertig ist, steht noch nicht fest. „Es ist allerdings klar, dass es möglichst zentral aufgestellt werden soll, damit es gut sichtbar ist und man auch direkt einen guten Vergleich zwischen gestern und heute hat“, sagt Bürgermeister Venten.

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