Korschenbroich: Menschen können wieder sehen dank der Hilfe aus Korschenbroich

Verein „Augenhilfe Afrika“ aus Korschenbroich : Erfolgreiche Augenoperationen in Mora

Dank Spenden des Korschenbroicher Vereins kann Mohammed auf einem Auge sehen. Die Operation des zweiten Auges wurde durch Terroranschläge im Land verhindert. Nun hofft das Kind auf die nächste OP-Kampagne in Mora.

Eine Katarakt-Operation ist für einen erfahrenen Augenarzt wie Dr. Raoul Cheuteu ein kurzer Eingriff. Für den in Mora lebenden Mohammed und seine Leidensgenossen bedeutet die Hilfe das Tor zur Welt der Sehenden. Mangelernährung und aggressive UV-Strahlen der Sonne verursachen das häufige Vorkommen des Grauen Stars auf dem afrikanischen Kontinent. Mohammed ist einer von vielen Patienten, die in OP-Kampagnen des Vereins „Augenhilfe Afrika“ in Zusammenarbeit mit den afrikanischen Ärzten Cheuteu und Professor Dr. Gilles Kagmeni ihr Augenlicht zurückerhalten. Die Ärzte operieren die Bedürftigen gratis. Der Verein finanziert über Spenden das Operationsmaterial.

Mohammed war blind, betroffen von einer Sonderform des Grauen Stars, dem sogenannten Christbaum-Katarakt. Dabei bildet sich der Graue Star nicht als milchig weiße Linse aus. Die Linse ist einem Lichterbaum ähnlich weiß gesprenkelt. Das Leiden ist offenbar genetisch bedingt, da Mohammeds Mutter und der ältere Bruder Ibrahim ebenfalls betroffen waren. Beide wurden 2013 zunächst an einem Auge operiert. Die Kosten trug eine Kamerunerin, deren Vater dank Cheuteu erneut sehen kann. Als Cheuteu, medizinischer Partner des Vereins, ein Jahr später nach Mora zurückkehrte, wurde er vom inzwischen in Korschenbroich gegründeten Verein „Augenhilfe Afrika“ unterstützt. Bei einer ersten Operationskampagne erhielten 50 Menschen ihr Augenlicht zurück. Mohammeds Mutter und Bruder wurden seinerzeit am zweiten Auge operiert. Dem vierjährigen Mohammed hatten die Augenärzte 2013 nicht helfen können, da bei einem so kleinen Kind eine Vollnarkose nötig gewesen wäre, aber kein Anästhesist verfügbar war. Doch auf Bitten und Betteln des Jungen riskierten die Ärzte ein Jahr später die Operation eines Auges unter örtlicher Betäubung.

Ibrahim (l.) und Mohammed (2.v.l.) sind periert, die Mutter (r.) wartet auf die Operation. Foto: Franz Thoren
Zwei Korschenbroicher engagieren sich für Augen-OPs in Afrika: Franz Thoren und Heinz-Josef Regbig. Foto: Ilgner Detlef (ilg)

„Mohammed hatte versprochen, ganz ruhig zu sein und sich bei der OP nicht zu bewegen. Er war dann auch sehr tapfer, und die OP erfolgreich“, berichtet Franz Thoren, der sich damals vor Ort vom guten Verlauf der Kampagne überzeugte. Die geplante Operation von Mohammeds zweitem Auge wurde durch Aktionen der Terrororganisation Boko Haram verhindert. Thoren ist Vorstandsmitglied des Vereins „Augenhilfe Afrika“. Anfang des Jahres reiste er erneut mit Vorstandskollegen Heinz-Josef Rebig auf eigene Kosten nach Kamerun, als der Verein in einer Kampagne 399 Untersuchungen, 48 Augenoperationen und 26 maßangefertigte Brillen förderte. Hier sahen die Korschenbroicher das Glück der Menschen, die nach einer Operation die Welt wieder mit eigenen Augen sahen. Thoren weiß, dass die nur etwa 70 Augenärzte Kameruns fast ausschließlich in den großen Städten arbeiten. Wegen mangelnder Vorsorge sind im Land fast alle älteren Menschen vom Grauen Star betroffen, der sich in Europa dank medizinischer Versorgung nicht vergleichbar auswirkt. Thoren hofft, dass die radikalislamistische Gruppierung stillhält und Cheuteu bald sein Mohammed gegebenes Versprechen einlösen kann, das zweite Auge zu operieren.

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