Korschenbroich: Martina Held arbeitet seit 40 Jahren bei Sasserath

Unternehmen in Korschenbroich : Lange Betriebstreue wird immer seltener

Martina Held bekam von der IHK eine Urkunde für 40 Jahre bei ihrem Korschenbroicher Arbeitgeber Sasserath. Eine solche Auszeichnung wird nicht mehr so häufig verliehen.

„Wir haben hier eine große Betriebstreue“, sagt der Unternehmer Harald Sasserath. In den vergangenen Jahren seien drei seiner Mitarbeiter für 40-jährige Betriebszugehörigkeit geehrt worden. Sasserath selbst ist seit 50 Jahren dabei. „Das ist aber etwas anderes, ich bin der Inhaber des Betriebes, den mein Vater Hans 1939 in Rheydt als Metallverarbeitung begründete.“ 1971 zog der Betrieb, der nun Armaturen herstellte, in die ehemalige Textilfabrik Hoeren an der Mühlenstraße in Korschenbroich. Inzwischen hat das Unternehmen mehr als 450 Mitarbeiter weltweit, 273 davon in Korschenbroich.

Eine davon ist Martina Held. Sie bekam jetzt eine Urkunde der Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein, die bescheinigt, dass sie 40 Jahre in ein und demselben Unternehmen gearbeitet hat. „Es war eine ausgedruckte Urkunde in einer Mappe“, sagt Martina Held. „Früher gab es noch andere Urkunden, es war rotes Büttenpapier mit silberner Schrift für 25 Jahre und goldener für 40 Jahre.“ Aber die IHK müsse offenbar sparen.

Das allein aber mag nicht der Grund sein. Denn die Zahl der Ehrenurkunden geht zurück. Waren es 2016 im gesamten Kammerbezirk 1817 Geehrte (476 Frauen und 1341 Männer), wurden 2018 fast 600 weniger gezählt: insgesamt 1235 Urkunden. Eine belastbare Trendaussage sei das aber nicht, sagt der Leiter der IHK-Öffentlichkeitsarbeit, Lutz Mäurer. „Denn diese Zahlen basieren auf freiwilligen Meldungen einiger Unternehmen im Kammerbezirk. Die Dunkelziffer ist entsprechend groß.“

Martina Held ist bei dem Unternehmen Sasserath seit 1979 für die Finanzbuchhaltung zuständig, seit 2000 verantwortet sie zudem den Personalbereich. Inzwischen wurde ihr auch die Gesamtprokura verliehen. Dass die 25 oder 40 Jahre von vielen Mitarbeitern in einem Unternehmen immer weniger erreicht werden, habe ihrer Meinung nach auch etwas damit zu tun, dass künftige Mitarbeiter später die Schule und die Universität verlassen, „sich dann in spezialisierten Berufen bewegen, in denen sie oft wechseln, um Erfahrungen zu sammeln.“ Hinzu komme auch, dass es einen Unterschied zwischen einer Konzernstruktur und einem Familienunternehmen gebe. „In unserem mittelständischen Unternehmen habe ich einen direkten Zugang zum Chef.“

Martina Held ist 40 Jahre bei Sasserath, aber schon 45 Jahre im Beruf. Denn gelernt hat sie  bei der August Monforts Maschinenfabrik in Rheydt. „Obwohl ich eine Frau bin, musste ich damals den Beruf des Industriekaufmanns erlernen, Industriekauffrau gab es noch nicht.“ Sie wurde Kaufmannsgehilfe und kam in die Buchhaltung. „Am liebsten hätte ich Sozialpädagogik studiert, weil ich mit Menschen arbeiten wollte. Aber meine Eltern konnten es sich nicht leisten, das zu finanzieren.“ Und da sie ein sehr gutes Gedächtnis für Zahlen hat, war die Buchhaltung richtig. Die Menschen kamen 2000 hinzu, als sie Personalleiterin wurde.

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