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Korschenbroich: Männergesangverein Kleinenbroich sucht neue Sänger

Serie Chöre in Korschenbroich : Mit Grönemeyer und Revolverheld auf Stimmenfang

Die Konzerte des Männergesangvereins Kleinenbroich sind häufig ausverkauft, doch die Zahl der Aktiven geht zurück. Nun sollen moderne Songs helfen.

Der Männergesangverein Eintracht Kleinenbroich, der im Jahre 1854 gegründet worden ist, rollt Interessierten den Roten Teppich aus: Sie müssen sich nicht an den Traditionsverein binden, sind aber eingeladen, sich gemeinsam mit den derzeit 24 aktiven Sängern auf das Pop-Konzert im November vorzubereiten. Der Vorsitzende Thomas Bommes ist sicher, dass sie es genießen werden: die Chorproben in netter Gesellschaft und schließlich auch den Auftritt in der vermutlich ausverkauften Aula der Realschule.

Im alten Kleinenbroicher Bahnhof hängt ein Foto von der Feier zum 150-jährigen Bestehen in 2004. Damals gehörten dem Chor noch rund drei Dutzend Sänger an. Etwa ein Drittel der Männer von damals sind nicht mehr dabei, ausgeschieden überwiegend aus Altersgründen. Gaststimmen sollen jetzt die Reihen schließen, wobei interessierte Männer natürlich auch Mitglieder werden können – aber eben nicht müssen.

Bommes weiß, wie schwer es Menschen mittlerweile fällt, sich an einen Verein zu binden. Und er weiß auch, dass Außenstehende oft falsche Vorstellungen von einem Männergesangverein haben, ihn für total antiquiert halten. 537 Songs umfasst das Liederheft der Kleinenbroicher – dazu gehören Klassiker wie „Am herrlichen Rhein“, aber seit einiger Zeit auch ganz moderne Musik. Zurzeit werden Lieder wie „Das kann uns keiner nehmen“ von „Revolverheld“ einstudiert, ebenso Evergreens von Herbert Grönemeyer oder Max Raabe.

Was Bommes nicht verstehen kann: „Unsere Konzerte sind fast immer ausverkauft, die Menschen hören uns gerne singen – aber es fällt schwer, neue Stimmen für den Chor zu gewinnen.“ Erschwerend kommt hinzu, dass etliche Sangesbrüder bereits über 80 sind. Erfreulich sei dagegen, dass es moderne Songs zunehmend in Männerchor-Fassungen gibt – das habe es vor 15 oder 20 Jahren noch nicht gegeben. So wird das Repertoire jünger, moderner. Und Bommes hofft, dass das auch jüngere Sänger anzieht.

Einer von ihnen ist Jürgen Kunz. Der 53-Jährige, der vor acht Jahren aus Köln zugezogen ist, war zweimal als Zuhörer in der Aula der Realschule gewesen. Dann fasste er den Entschluss, sich dem Gesangverein anzuschließen. Der Ehemann der Vorsitzenden der Kleinenbroicher Karnevalsfreunde, Sonja Kunz, geht montags immer singen, wenn seine Frau gemeinsam mit den „Sugar Babes“ Tänze für die „fünfte Jahreszeit“ einstudiert. „Die Proben sind sehr entspannend, man geht anschließend gut gelaunt nach Hause“, sagt Kunz, der sich jetzt sogar zum zweiten Vorsitzenden hat wählen lassen. Bommes hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben: „Kleinenbroich ist der einwohnerstärkste Ortsteil von Korschenbroich, so viele Neubürger sind in letzter Zeit hierher gezogen – da müsste es doch ein paar Männer geben, die uns ihre Stimme leihen.“

Schriftführer Norbert Wirtz, der dem Verein seit 40 Jahren angehört, ist gespannt, ob die neue Form der Beteiligung, die eigentlich typisch ist für Projektchöre, auf große Resonanz stoßen wird. Der Kassierer Bernhard Schlüter weiß, dass die anderen Männergesangvereine ähnliche Probleme haben. Trotzdem hofften alle, dass sie ihre Selbstständigkeit in absehbarer Zeiten nicht werden aufgeben müssen.

Info Wer interessiert ist, kann montags zu den Proben von 20 bis 21.30 Uhr im Alten Kleinenbroicher Bahnhof einfach dazustoßen. Thomas Bommes ist für erste Infos unter 0176 23947401 ansprechbar. Geleitet wird der Chor von Georg Schillinger.