Korschenbroich: Liedbergerin in Indien

Auslandserlebnisse einer Liedbergerin: Debbie Kincaid erlebte die Macht des Monsuns

Während eines Auslandsjahres in Indien lernte die Liedbergerin eine farbenfrohe Kultur, aber auch das Ausmaß von Naturgewalt kennen.

Der Besuch der Eltern sollte der Abschluss eines erlebnisreichen Jahres sein. Im Rahmen des Weltwärts-Programms hatte Debbie Kincaid aus Liedberg in der kleinen Stadt Udupi im Bundesstaat Karnataka Kinder einer Grundschule unterrichtet. Mit ihrer Mutter Susi Lindig und dem Stiefvater Achim Jülicher reiste sie von hier in den benachbarten Bundesstaat Kerala.

Debbie Kincaid aus Liedberg verbrachte ein freiwilliges Jahr im Bundesstaat Karnataka in Südwest-Indien und unterrichtete Kinder. Foto: Ilgner Detlef (ilg)

Glücklicherweise hatte die Familie die Nachrichten verfolgt und war somit vorgewarnt: In Kerala wurden Überschwemmungen erwartet. Daher änderten Debbie und ihre Eltern die Reisepläne und entgingen der verheerenden Naturkatastrophe. Aber sie erlebten doch noch auf erschreckende Weise die Macht des Monsuns. Erste Anzeichen zeigten sich bei einer Flusstour über die Backwaters, ein verzweigtes Wasserstraßennetz.

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Die Bootsfahrt wurde abgebrochen, nachdem bekannt wurde, dass 33 von 36 Dämmen geöffnet werden mussten. Am nächsten Tag hatte sich in den Straßen viel Wasser angesammelt. Die Familie packte, wollte weg und erfuhr vom Rikscha-Fahrer auf dem Weg zum Bahnhof, dass dort große Teile bereits überflutet und die Zugfahrt gecancelt waren. Frühestens zwei Tage später sollte wieder ein Zug fahren, hieß es. Notgedrungen nahm die Familie ein Taxi für eine Fahrt, die 15 Stunden dauern sollte. „Der Fahrer musste auch im Stand immer wieder Gas geben, damit das Fahrzeug nicht absäuft“, erzählt Debbie.  Tags darauf ging es weiter mit einem Bus, der wegen der überschwemmten Straßen 17 statt der üblichen acht Stunden für die Fahrt benötigte. „Da hat man auch abseits der Monsunkatastrophe deutlich die Ausläufer gemerkt“, sagt die Liedbergerin und bekennt: „Ich war froh als ich wieder zu Hause in Udupi war“. Hier hat sie ihre Gastfamilie schätzen und lieben gelernt.

Zurück in Liedberg erinnert sich Debbie an Ausflüge zu faszinierenden Bauten, wie dem Taj Mahal, und zu beeindruckenden Landschaften. „Am Meer habe ich Plankton leuchten sehen und einen Sternenhimmel erlebt, wie ich ihn so noch nie zuvor sah“, sagt die 19-Jährige. Beeindruckt hat sie ebenso das Erlebnis einer indischen Hochzeit, die über drei Tage gefeiert wurde. Sichtbares Souvenir des Indienjahres ist ein Bindi, ein kleiner Schmuckstein, der auf der Stirn zwischen den Augenbrauen aufgeklebt ist. „Wenn ich den mal vergessen hatte, fragten die Kinder in der Schule gleich: ´Miss, what happenend`“, erzählt sie lächelnd. In besonderer Erinnerung bleibt ihr ebenso die farbenfrohe Kleidung der Inder. Das Jahr in Indien hat Debbie nicht nur eine fremde Kultur nahegebracht, sondern auch bei der persönlichen Findungsphase geholfen. Sie studiert nun Psychologie in Münster.

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