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Korschenbroich: Kunst und Stadtgeflüster in der Wechselstube

Neues Format in Korschenbroich : Eine „Wechselstube“ für Kunst

Im Probelauf für eine Ausstellungsreihe geben Astrid Puttins und Sigrid Spee einen ersten Einblick. Es dürfen nur neue Arbeiten gezeigt werden, die noch nirgends zu sehen waren. Offizieller Auftakt ist mit der Schau „Frühling“.

Ein ganz neues Kunstformat ist in Korschenbroich geplant. „Wechselstube“ lautet die Ausstellungsreihe, die Astrid Puttins an der Sebastianusstraße initiiert hat. Im Probelauf geben Puttins und Sigrid Spee bereits Einblick ins eigene Schaffen. Spee zeigt Bilder sowie Materialarbeiten aus Marmormehl, Sumpfkalk, Steinkreiden, gearbeitet in Freskotechnik. Puttins bemalte Stelen und Objekte von erstaunlich gegensätzlicher Ausstrahlung. Neben dem plakativen Objekt aus dem Zyklus, mit dem sie im Düsseldorfer Landtag vertreten war, überraschen Arbeiten mit filigranen Durchbrüchen. Beide Künstlerinnen teilen sich das Atelier in der oberen Etage im Haus an der Sebastianusstraße.

Die Ausstellung ist durch Glastür und Schaufenster des Hauses einsehbar und macht neugierig auf das, was nun bald beginnen soll. Am Samstag, 30. April, um 18 Uhr fällt der Startschuss für den von Astrid Puttins initiierten Ausstellungsraum „Wechselstube“. In einer ersten Präsentationsreihe soll er ein kleines, aber feines Forum für Korschenbroicher Künstler bieten.

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Tagsüber flutet Außenlicht den Raum. Eine Leiste mit beweglichen Strahlern garantiert eine gute Ausleuchtung zur fortgeschrittenen Tageszeit. Es ist an den beteiligten Kreativen, eine eigene Auswahl zu treffen. Voraussetzung ist allerdings, dass nur neue Arbeiten gezeigt werden, die noch an keinem anderen Ort zu sehen waren.

„Wer großformatig platziert ist, kann nur mit einer Arbeit vertreten sein. Andere können vielleicht zwei oder drei Formate ausstellen“, erklärt Puttins die Modalitäten. Geplant ist ein Rhythmus von dreiwöchigen Ausstellungen mit jeweils drei Künstlern und einer Woche Pause.

Unter dem Motto „Im Wechsel der Jahreszeiten“ werden Rita Böing, Dieter Wyen und Uwe Klapproth, Mitbegründer des Vereins „Künstler in Korschenbroich (KiK) sowie Ehrenmitglied, den Auftakt zum Thema „Frühling“ bestreiten. Auf zwei Präsentationen zum Sommer folgen zwei Herbst-Ausstellungen. Zur Winter-Ausstellung, bestückt mit Arbeiten der Gastgeberinnen und des Fotografen Tom Puttins, endet die Auftaktreihe.

„Trotz aller Missstände und Widrigkeiten auf der Welt wollen wir doch das Auge auch wieder auf positive und schöne Dinge lenken und Optimismus vermitteln“, sagt Puttins. Das Angebot sei bei den Kunstschaffenden gut angenommen worden, zumal deren Ausstellungstätigkeit durch Corona in der zurückliegenden Zeit stark eingeschränkt war.

Die Pandemie wird wohl auch vorläufig die Planung der Vernissagen beeinflussen. „Wir hoffen, bald mehr Gäste empfangen zu können, und werden kurzfristig entscheiden, um uns an bestehende Vorschriften zu halten“, erklärt Puttins.

In der Wechselstube soll nicht nur bildende Kunst zu ihrem Recht kommen. Ulrike Casper-Straetman widmet sich der Zusammenarbeit unterschiedlicher Kunstrichtungen. Sie hat Gedichte von Rilke, Heine, Fontane, Lasker-Schüler vertont, die über Aufzeichnungen von digitalen und analogen Klangwelten die Ausstellungen akustisch begleiten. „Ich verbinde altbekannte Texte mit neuer Musik. Das Cello ist die Brücke zwischen alt und neu“, erklärt Casper-Straetman.

Die zweite Ausstellungsreihe „Stadtgeflüster“ ist in Planung. Dafür hofft Puttins auf die Zusammenarbeit mit der Stadt, dem Kulturbahnhof samt dessen neuen Leiter Tobias Hoeps sowie mit Korschenbroicher Bürgern. „Da könnte man viele kleine Dinge, die in der Stadt passieren und sich für eine Ausstellung verwerten lassen, aufnehmen. Hier sind etwa viele Menschen fotografisch unterwegs. Vielleicht lassen sich Stimmen von Volksfesten und andere Geräusche in Vertonungen einbeziehen“, erklärt die Künstlerin ihre Idee.

Puttins sammelt bereits jetzt Fotos wie auch Geräusche und will Nutzer sozialer Medien bitten, Dinge zur Verfügung zu stellen, um daraus ein „Stadtgeflüster“ zu entwickeln. Sie geht davon aus, genügend Material für eine Serie zu erhalten, die ab Mitte oder Ende 2023 zu sehen sein soll.