Korschenbroich: Kunst im Rathaus - neue Ausstellung von Martin Lersch

Kunst im Rathaus Korschenbroich : Eine Galerie der Meinungsträger

In der Serie „Kunst im Rathaus“ stellt Martin Lersch bis zum 28. September im Korschenbroicher Rathaus aus. Zu sehen sind elf Arbeiten, die während eines langen Frankreichaufenthaltes entstanden sind.

Vertraut und doch herausfordernd im Bruch mit der Erfahrung sind die Fahnenbilder des Martin Lersch. Der in Goch lebende Künstler bezieht sich thematisch auf bekannte Werke der Kunstgeschichte und kombiniert in spannungsreicher Verfremdung. So zu sehen im Rathaus: Hier stellt der 1954 in Mönchengladbach geborene Künstler bis Ende September elf Werke aus dem Zyklus „Fahnenträger/Meinungsträger“ aus, entstanden zwischen 2005 und 2009 während seines Frankreichaufenthaltes.

Lersch zitiert, kombiniert neu und erschafft im intuitiven Gestus spannungsreiche Bildwelten – gezeichnet und gemalt mit Chinatusche, Graphitstift und Öl auf nicht brennbares Vlies in den Formaten von 195 mal 80 Zentimetern. „In der Kunstgeschichte gibt es viele Abbildungen mit Fahnen, angefangen bei den Spruchbändern im Mittelalter. Wer eine Fahne trägt, vertritt eine Meinung. Fahnen sind aus Stoff. Das hat mit Bewegung zu tun“, sagt der Künstler. Die Fahnenträger sind in Schwarz-Weiß gezeichnet, während ihre Flaggen farbig gefüllt sind. Da schwingt zum Beispiel eine schwungvoll El Greco nachempfundene Christusfigur ein Mondrian-Motiv. Die einer Karikatur aus der französischen Arbeiterbewegung entlehnte Frauengestalt hält eine Fahne mit dem Zitat von Cézannes Figur der „Olympia“, mit der sich der französische Maler seinerseits auf Vorgängerwerke bezog.

„Ich spiele mit den Inhalten“, sagt Lersch und betont, in der Kombination der Bildelemente keine Rücksicht auf Epochen zu nehmen. Durchgängig ist das Motiv der stabilen Fahnenstange mit der Beweglichkeit des Fahnenstoffes kontrastiert. „Die Fahne muss flattern, der Geist in Bewegung sein“, sagt der Künstler.  Die Fahnenbilder sind relativ frei mit Klammern an der Wand befestigt, so dass sie nicht unbeweglich eingezwängt sind, sondern sich ein wenig aufzurollen scheinen. „Es ist eine Intention, dass die Fahnen leben sollen und dabei auch Spuren des Lebens tragen dürfen“, sagt Lersch.

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