Korschenbroich: Künstlerin Stephanie Hermes

Kunst in Korschenbroich : Stephanie Hermes schafft Skulpturen mit der Kettensäge

Die Künstlerin hat ein Atelier in Korschenbroich und ein weiteres auf einem französischen Weingut. Ihre Werke zweigt sie beim "Wochenende für die Kunst".

Am „Wochenende für die Kunst“ können Interessierte zum ersten Mal Stephanie Hermes in ihrem neuen, ungewöhnlich geräumigen Atelier bei der Arbeit mit der Kettensäge beobachten. Fragenhütte 28 lautet die Adresse, die Tür ist dort am Samstag, 30. Juni, von 13 bis 19 Uhr und am Sonntag, 1. Juli, von 11 bis 17 Uhr weit geöffnet. Stephanie Hermes stammt aus Schmallenberg im Hochsauerland. Mit 18 Jahren begann sie eine Ausbildung zur Maskenbildnerin am Musiktheater Gelsenkirchen. Sie wechselte später zum Schauspielhaus Düsseldorf. Ein schwerer Autounfall veranlasste sie, ihren bisherigen Weg zu hinterfragen mit dem Ergebnis, dass sich die 60-Jährige im wahrsten Sinne des Wortes „auf den Holzweg begab“. Sie schuf fortan – vornehmlich aus alten Eiche-Holzbalken – Skulpturen.

Ihre filigranen Werkzeuge, die sie für die Masken gebraucht hatte, tauschte sie gegen Kettensägen. Mit dem neuen, martialisch anmutenden Handwerkszeug ging sie auf Anhieb mit fast spielerischer Leichtigkeit um – eine Leichtigkeit, die sich in ihren Werken widerspiegelt. Sie geht mit Gelassenheit an ihre Arbeit, setzt hier und da Schnitte, lässt sich treiben, lässt zunächst offen, wohin die Reise geht. Die Künstlerin, die ein zweites Atelier auf einem Weingut in Frankreich, rund 1.200 Kilometer von Korschenbroich entfernt, hat und die in Neersbroich lebt, arbeitet sehr unterschiedlich. Typisch sind die sehr amorphen Formen, auch bei den figürlichen Arbeiten. Klassische Stelen gehören ebenso zu ihrem Repertoire. Wenn sie für den Außenbereich geeignet sein sollen, achtet die 60-Jährige darauf, dass es keine Stellen gibt, wo sich das Regenwasser staut, damit das Kunstwerk nicht vor sich hin modert. Aus abstrakten Formen kann der Betrachter immer wieder auch Figürliches herauslesen, Körper, die nur in groben Zügen als solche zu erkennen sind.

Manche Skulpturen scheinen von den Werken Tony Craggs inspiriert worden zu sein. Die 60-Jährige ist aber immer wieder gut für Neues: So lasiert sie in letzter Zeit Objekte mit Acrylfarbe in Weiß oder Schwarz. Dies sind überwiegend sehr grafische Arbeiten wie die vier Meter lange „Andreasleiter“, die im alten Korschenbroicher Sparkassengebäude zu sehen ist. Die kleinformatigen Arbeiten mit ihren schmalen vertikalen Schnitten und den wesentlich breiteren horizontalen, ungleichmäßigen Balken könnten auch Keramiken sein. Mit LED-Licht hinterleuchtet, entfalten sie ihren ganz eigenen Charme.

Die Holzkünstlerin will künftig auch Bronzeskulpturen schaffen. Stets offen für Neues, lässt sie sich darauf ein, weil sie weiß, dass Holzskulpturen, die für den Außenbereich gedacht sind, niemals so gut über Jahre Wind und Wetter standhalten können wie ein klassischer Bronzeguss.

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