Korschenbroich: Kreismusikschule bittet um mehr Geld

Bericht im Kulturausschuss : Kreismusikschule droht mit Kürzungen

Vor neun Jahren hat die Stadt Korschenbroich den Anteil an den Kosten der Musikschule auf 250.000 Euro festgesetzt. Im Kulturausschuss bat Leiterin Ruth Braun-Sauerwein um mehr Unterstützung. Doch kurzfristig ist keine Hilfe möglich.

Nach gut zwei Stunden Diskussion richtete Marc Venten nochmals das Wort an Ruth Braun-Sauerwein. „Sie hatten heute einen schweren Stand“, sagte Korschenbroichs Bürgermeister zur Leiterin der Musikschule des Rhein-Kreises Neuss, die im Ausschuss für Kultur, Familie, Soziales und Senioren umfangreich über ihre Arbeit und das Angebot der Kreismusikschule berichtet hatte. Ihr Besuch im Ausschuss hatte einen ernsten Hintergrund: Ruth Braun-Sauerwein warb bei der Stadt darum, die finanzielle Unterstützung für die Musikschule zu erhöhen und damit der Kostenentwicklung Rechnung zu tragen. Andernfalls müsse sie zum 1. April das Angebot in Korschenbroich reduzieren, sagte sie.

Im Jahr 2010 hatte der Kulturausschuss der Stadt einstimmig beschlossen, den Anteil der Kosten an der Kreismusikschule auf maximal 250.000 Euro ab dem Haushaltsjahr 2011 festzuschreiben. An dieser Deckelung hat sich bis jetzt nichts geändert. „Als ich 2012 die Leitung der Musikschule übernahm, habe ich nicht die Leistungen gekürzt, sondern eine Gebührenerhöhung initiiert, die Lehrkräfte ortsbezogen eingesetzt, um die größtmögliche Auslastung zu gewährleisten, und die Verwaltung auf ein Minimum verschlankt“, berichtete Ruth Braun-Sauerwein im Ausschuss.

So schaffte sie es über Jahre, in Korschenbroich trotz steigender Personalkosten stets unter dem Höchstsatz von 250.000 Euro zu bleiben. Im Jahr 2018 gelang dies aber nicht mehr, im Juli des vergangenen Jahres setzte der Rhein-Kreis Neuss die Mehraufwendungen der Stadt Korschenbroich für die Kreismusikschule auf 266.000 Euro fest. „Mein Ziel ist es, das Angebot aufrecht zu erhalten, denn ich habe Korschenbroich als ein tolles Pflaster für junge Familien kennengelernt. Und zum Bestreben, einen guten Lebensraum zu bieten, sind bei den Freizeitangeboten die Bereiche Sport und Musik unverzichtbar“, sagte Ruth Braun-Sauerwein. Sie kooperiere auch mit privaten Musikschulen, sie bemühe sich um alle möglichen Fördergelder, die vor allem durch Projekte mit Schulen akquiriert werden könnten. Aber sie müsse auch sagen: „Wir können die Nachfrage gar nicht abdecken.“

818 der insgesamt 4200 Schüler in der Kreismusikschule kommen aus Korschenbroich. Vor acht Jahren waren es noch 688 Schüler aus dem Stadtgebiet gewesen. „Und in Korschenbroich stehen mehr Kinder und Jugendliche auf der Warteliste als in den anderen Kommunen“, sagte Ruth Braun-Sauerwein. Sie führte gute Gründe an, um für eine höhere finanzielle Unterstützung durch die Stadt zu werben. Doch kurzfristig wird es diese nicht geben.

„Wir haben es mit zwei unterschiedlichen Ebenen zu tun. Das eine ist, was man sich wünscht, das andere, was man zahlen kann. Wir sind eine Stärkungspaktkommune, und hier geht es um eine freiwillige Leistung, die wir momentan nicht erhöhen können“, sagte Albert Richter von der SPD. Viele Ausschussmitglieder lobten die Arbeit der Kreismusikschule, nicht wenige waren jedoch auch irritiert, nun so unter Druck gesetzt zu werden. „Bei der Haushaltsberatung im vergangenen Herbst gab es dazu keine Informationen“, monierte Udo Bartsch (SPD).

Einzig Martin Kresse (Bündnis90/Die Grünen) sprach sich dafür aus, die Deckelung aufzuheben. Letztlich beschloss der Ausschuss jedoch, die Entscheidung, wie die Stadt der Musikschule konkret helfen könne, zu vertagen. „Der Deckel bleibt bestehen, das kann erst ein Thema bei der nächsten Haushaltsberatung werden. Und um über Notfallmaßnahmen zu sprechen, benötigen wir mehr Informationen und Zahlen, welche Rahmenbedingungen der Kreis bei seiner Musikschule künftig setzen will“, sagte Peter Berger von der CDU.

Eigentlich hätte der Kämmerer diese Zahlen nun liefern müssen, war der Tenor im Ausschuss. Ruth Braun-Sauerwein war dafür an diesem Abend die falsche Ansprechpartnerin. Sie konnte nur das Signal mitnehmen, dass die Stadt helfen will, aber kurzfristig nicht kann.

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