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Korschenbroich: Königin Birgit lebt mit der Dialyse.

Schützenamt trotz Krankheit : Königin Birgit lebt mit der Dialyse

Ihre kranken Nieren verhinderten lange Zeit die Schützenkönig-Ambitionen von Rainer Hoppen. Zur Silberhochzeit hat es endlich geklappt. Dank einem streng durchgetakteten Zeitplan. Und viel Disziplin.

Nach Unges Pengste ist vor Unges Pengste. So erzählen es jedenfalls die Verantwortlichen der beiden Bruderschaften Sankt Sebastianus und Sankt Katharina Junggesellen. Am kommenden Wochenende endet das Jahr des jetzt noch amtierenden Königshauses. Eigentlich ein normaler Vorgang, doch eben ganz anders für das Königspaar Rainer Hoppen und seine Frau Birgit.

Gerade Birgit Hoppen hatte eine ganz andere Zeitrechnung für die vielen Termine, die eben in der Amtszeit anstehen: Birgit ist seit zwölf Jahren Dialyse-Patientin und deshalb an ein streng getaktetes Zeitfenster gebunden. Denn ihre kranken Nieren müssen versorgt werden. Als Dialyse wird ein Blutreinigungsverfahren bezeichnet, das bei Nierenversagen als Ersatzverfahren zum Einsatz kommt.

Lange hatte die Familie Hoppen überlegt, ob es mit der Krankheit von Mutter und Ehefrau Birgit überhaupt möglich ist. Doch schließlich war es Birgit, die alle Bedenken über den Haufen warf. „Ich schaffe das“, war ihre Antwort auf viele Fragen, nicht nur von der Familie, sondern auch von Freunden aus der Bruderschaft, die um die Krankheit wussten.

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Sie hat es geschafft! „Mein Mann hatte schon lange den Wunsch, einmal König in Korschenbroich zu werden. Aus Rücksicht auf meine Krankheit wurde der Wunsch aber immer hinten angestellt“, erzählt sie im Gespräch. Vor Jahren ist sie mit den Kindern immer in Urlaub gefahren, wenn Unges Pengste nahte. Heute sind die Kinder Max, Paul und Klara erwachsen und haben ihr eigenes Leben. So änderten sich irgendwann die Prioritäten, was die Königswürde angeht.

Die neue Überlegung von Birgit: „Ich schenke meinem Mann diese Zeit genau in diesem Jahr. Der Grund ist unsere Silberhochzeit am 30. Dezember.“

Birgit Hoppen muss sich fast jeden Tag mit dem Gerät zur Blutwaschung verbinden und das zählte natürlich auch für die Kirmeszeit. Ein genauer Plan wurde aufgestellt, der mit Auftritten und Empfängen konform ging. Das haben Birgit und Rainer gemeinsam gemacht.

Zwei Wochen vor dem Fest musste Birgit ins Krankenhaus. Ein so genannter Shunt wurde neu gesetzt. Ein Shunt ist eine angelegte Verbindung zwischen zwei normalerweise getrennten Hohlorganen (z.B. Blutgefäßen). Kurz vor dem Fest wurde Birgit Hoppen aus dem Krankenhaus entlassen. Sie ist Heim-Dialyse-Patientin und führt die Behandlung in eigener Regie durch. Heißt: Ihre Behandlungszeit ist frei wählbar. Diese Zeiten hatte sie so ausgesucht, dass sie zu keinem Auftritt fehlte. Birgit Hoppen: „Es war auch nur möglich, weil insbesondere die Damen des Schützenzuges „Träck draan“ bei den Empfängen zuhause geholfen haben, denn zwischendurch musste ich immer bis zu drei Stunden an die Dialyse. Ihnen sage ich ein ganz besonderes Dankeschön.“